12.08.2021 - 14:59 Uhr
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Verführerische Wasserwesen: Meerjungfrauen in der Oberpfalz

Was haben Meerjungfrauen mit der Oberpfalz zu tun? In der zweiten Folge des Podcasts "Es war einmal… in der Oberpfalz" geht es um fantastische Geschöpfe aus dem Wasser.

In der aktuellen Folge von "Es war einmal… in der Oberpfalz" sprechen Lucia Seebauer und Wolfi Ruppert über Wassermärchen aus der Oberpfalz.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Von Lucia Seebauer und Wolfgang Ruppert

Am Tag vor seiner Hochzeit geht Veri auf die Jagd. Er macht Halt an einem Steg und betrachtet den Mond, der sich im Wasser spiegelt. "Da vernahm er denn ein süßes Singen, je länger, desto schöner, desto bezaubender." Als er ins Wasser blickt, entdeckt er viele wunderschöne Frauen, die zur Musik tanzen. Eine geheimnisvolle Fremde taucht neben Veri auf: "Ach, es ist bei uns so schön, so ruhig, viel mehr Luft und Leben als bei euch. Willst du mit mir?" Ganz verzaubert blickt Veri in ihre Augen, umarmt die Frau und wird von ihr mit in die Tiefe gezogen.

Doch wer steckt hinter dieser mysteriösen Frau? Etwa eine Meerjungfrau? Dieser Frage gehen Wolfi Ruppert und Lucia Seebauer in der zweiten Folge ihres Podcasts "Es war einmal… in der Oberpfalz" nach. Veris Geschichte wird im zweiten Band der "Sitten und Sagen aus der Oberpfalz" von Franz Xaver von Schönwerth beschrieben, der 1858 veröffentlicht worden ist. Sie ist im Kapitel "Der Wasserfräulein Liebe" zu finden und steht neben weiteren Sagen und Mythen, in der vor allem Wasserfrauen eine besondere Rolle spielen.

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Düstere Geschichten

Zudem finden weitere Mythen zu Meerfrauen, Nixen, Wassermänner oder Wasserzwerge bei dem Oberpfälzer Märchensammler Erwähnung. Bis heute sind Erzählfiguren wie diese Teil der populären Alltagskultur. Beispiele sind "Arielle die Meerjungfrau" von Walt Disney, Aquaman aus den DC-Comics oder Meerjungfraumann aus der Cartoon-Serie Spongebob Schwammkopf. Und wer selbst mal in die Rolle einer Meerjungfrau schlüpfen will, kann sich sogar dem Trend Mermaiding anschließen und mit einer Schwimmflosse durch die Gewässer tauchen.

Vorbild für diese Figuren aus der Popkultur sind unter anderem Sagen und Mythen aus dem 19. Jahrhundert. Das bekannteste Märchen dürfte "Die kleine Meerjungfrau" von Hans Christian Andersen aus dem Jahr 1837 sein. Viele der Geschichten von Schönwerth wiederum sind düster, wirken bedrohlich und haben oft kein klassisches Happy-End. Ist die Oberpfälzer Landschaft von vielen Weihern, Seen, Teichen und Flüssen geprägt, wundert es nicht, dass sich hier viele Mythen, um Geschöpfe aus dem Wasser ranken.

Halb Frau, halb Fisch

Meerfrauen sind für Schönwerth "Doppelwesen, halb Weib, halb Fisch oder Schlange, sind wunderschön auf dem Wasser und locken damit die Menschen an, um sie in die Flut hinunter zu ziehen." Wasserfrauen seien höhere weibliche Wesen, zur Hälfte Mensch und nur bei Sonnen- und Mondlicht in einer "verführerischen Stellung" auf der Wasseroberfläche sichtbar. Doch lediglich Menschen, denen sie auch gefallen wollen, sollen sie sich zeigen. Welche Gefahren jedoch in ihnen stecken, wird erst in den Sagen deutlich, die er sammelte. So auch in der Geschichte um Veri, die wie eine Mischung aus Romanze und Horrorfilm geschrieben ist.

Jahre nachdem Veri im Wasser verschwunden war, trifft er auf seine ehemals menschliche Braut. "Ich habe da unten gelebt, in der Erde, in einem geisterhaften Reiche, gelebt mit einer Wasserfrau, schön und verführerisch, wie mit meinem Weibe." Die Füße der Wasserfrau seien zu Scheifen gebunden und verhüllt gewesen. "Sechs Kinder hatte sie mir geboren, und auch ihnen waren die Füße gebunden", berichtet Veri. Das habe ihm keine Ruhe gelassen: "Da löste ich, als sie einmal schlief, die Hülle der Füße, sie hatten Gänsefüße, Schwimmhäute zwischen den Zehen, an diesen kleinen Krallern."

Kind in Stücke gerissen

Das siebte Kind sei mit menschlichen Füßen auf die Welt gekommen. "Die Wasserfrau aber (…) stieß einen Schrei des Entsetzens aus, dass sie einem solchen krüppelhaften Wesen zur Mutter werden musste." Sie habe Veri dafür verwünscht. Die anderen Wasserfrauen wiederum "nahmen das Kind und zerrissen es in Stücke und begierig verschlangen sie die kleinen Glieder." Das nimmt Veri so mit, dass er einschläft und erst aufwacht, als die Wasserfrauen weg waren. An diesem Tag entdeckt er den Hochzeitszug und geht aus dem Wasser. Während für ihn gefühlt nur ein Tag vergangen war, waren in der menschlichen Welt 20 Jahre vorbei gezogen.

Schönwerth arbeitet mit Zeitsprüngen und Szenenwechsel. Oft wird erst beim zweiten Mal lesen klar, was eigentlich handlungstechnisch passiert. Auf Veris Geschichte stieß Schönwerth in Neuenhammer bei Vohenstrauß im Landkreis Neustadt/WN. Sie ist jedoch bei weitem nicht die Einzige, die aus diesem Ort stammen soll. Der Oberpfälzer Märchenammler war verheiratet mit Marie Therese Rath aus Neuenhammer. Sein Schwiegervater, Johann Michael Rath, unterstützte Schönwerth bei seinen Sammlungen.

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