25.10.2020 - 18:46 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Wenig Gäste, viel Verluste: Bäder leiden unter den Corona-Folgen

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Corona, Lockdown und Beschränkungen: Auch für Freizeitbäder und Thermen ist 2020 ein katastrophales Jahr - im zweiten Quartal des Jahres meldeten sie 94 Prozent weniger Besucher als sonst. Bäder in der Region hat es auch schwer getroffen.

Das Kurfürstenbad in Amberg.
von Julian Trager Kontakt Profil

Entschuldigung, aber dieses Wortspiel ist nicht zu vermeiden: Weil wegen Corona dieses Jahr nur wenige Menschen baden gegangen sind, gehen nun die meisten Umsätze der Freizeitbäder und Thermen - auch in der Region - baden. Egal ob Kurfürstenbad und Hockermühlbad in Amberg oder Bulmare in Burglengenfeld, fast alle Bäder und Thermen melden heuer viel niedrigere Besucherzahlen als in den Vorjahren. Und das schlägt sich freilich auch auf der finanziellen Seite aus. Der Grund, was sonst: Corona, der Lockdown und die immer noch geltenden Beschränkungen.

Im zweiten Quartal 2020 verzeichneten die Bäder ein kräftiges Minus. Da kamen 94 Prozent weniger Besucher als im Vorjahreszeitraum, berichtet die European Waterpark Association (EWA), eine Interessensvertretung der europäischen Freizeitbäder, Thermen und Wasserparks mit Sitz in Nürnberg, zu der auch die in der Region beliebten Fackelmann-Therme in Hersbruck (Kreis Nürnberger Land) und die Siebenquell-Therme in Weißenstadt (Kreis Wunsiedel) gehören. "Wir hatten also nur noch sechs Prozent der Vorjahresgäste, aber die Kosten liefen fast zu hundert Prozent weiter. Für die Freizeitbäder und Thermen war dies eine Katastrophe", sagt demnach EWA-Geschäftsführer, Klaus Batz.

"Erhebliches Problem"

Inzwischen sind es wieder mehr Gäste, aber noch immer ist die Besucheranzahl beschränkt. "Für die Badbetreiber mit ihren zumeist hochdefizitären Einrichtungen stellt die Limitierung aber ein erhebliches Problem dar", heißt es in der EWA-Meldung. "Unter den derzeit geltenden Bedingungen sind die Betriebskosten, auch wegen des erhöhten Personalaufwands, weit höher als die erzielbaren Einnahmen", so Batz.

Unter diesen Bedingungen könnten die Bäder - egal ob privat oder städtisch - den Betrieb nicht mehr lange aufrechterhalten. Der Verband der europäischen Freizeitbäder und Thermen fordert daher für die betroffenen Betriebe "direkte, nicht zurückzahlbare Zuschüsse für den gesamten Zeitraum, in dem die Beschränkungen der Besucherzahlen gelten".

Von dieser Idee ist man auch in der Oberpfalz angetan. Man "wäre für solch eine Unterstützung dankbar", sagt Karoline Gajeck-Scheuck, Pressesprecherin der Stadtwerke Amberg, die für Kurfürstenbad und Hockermühlbad zuständig sind. "Die Bedeutung der Bäder, als Gesundheitsvorsorge in Pandemiezeiten kann nicht hoch genug geschätzt werden."

Kurfürstenbad Amberg

Das "Kufü", wie das Kurfürstenbad liebevoll genannt wird, ist seit Anfang Oktober wieder offen - nach mehr als einem halben Jahr, es musste wie alle anderen Bäder auf Anordnung der bayerischen Staatsregierung Mitte März schließen. Aber so wie früher, vor Corona, ist es natürlich nicht. Im Normalbetrieb dürfen in der Eventsauna 80 Gäste schwitzen - zurzeit maximal 20. Der ganze Saunabereich ist auf 100 gleichzeitig anwesende Besucher beschränkt, das Bad auf 250. Diese Regeln bleiben auch nach der anfänglichen Testphase bestehen. Und das wird sich auch negativ auf die Besucherzahlen auswirken.

Die Stadtwerke rechnen für das "Kufü" mit einem "stark erhöhten Kostenaufwand, erklärt Gajeck-Scheuck. Wegen der notwendigen Maßnahmen brauchte und braucht man heuer mehr Personal für Aufsicht, Kassen und Reinigung. "Hinzu kommen dann noch die fehlenden Besucherzahlen."

Kurfürstenbad: Testphase bleibt

Amberg

Hockermühlbad Amberg

Die Saison im "Hocko" startete am 11. Juni verspätet und stark eingeschränkt. Von Juli bis September waren die Maßnahmen etwas lockerer. Am Ende zählten die Stadtwerke Amberg rund 68 000 Badegäste. Zum Vergleich: 2019 waren es 109 000. Im "Supersommer 2018", wie Pressesprecherin Gajeck-Scheuck sagt, sogar 137 000 Besucher, also mehr als doppelt so viele wie heuer.

Im Vergleich zur Freibadsaison 2019 ergibt sich für den Betrieb des Hockermühlbads in diesem Jahr ein "höheres Defizit, in Höhe von circa 110 000 Euro", erklärt Gajeck-Scheuck. Die Corona-Bedingungen erforderten unter anderem einen erhöhten Personaleinsatz.

Bulmare Burglengenfeld

"Das Bulmare hat seit der Wiedereröffnung aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen naturgemäß deutlich weniger Besucher gezählt als in den vergangenen Jahren", sagt Michael Hitzek, Pressesprecher der Stadt und der Stadtwerke Burglengenfeld sowie der Bulmare GmbH. "Es handelt sich um einen Rückgang um rund 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr."

Von Mitte März bis Mitte Juli war das Bad komplett geschlossen, danach durften bis Anfang September maximal 200 Personen pro Tag hinein. "In den Vorjahren waren es in den Sommermonaten zwischen 800 und 1000 Gäste pro Tag", verdeutlicht Hitzek den Unterschied. Mit der Zeit durften dann mehr Personen ins Bad, mittlerweile sind es 115 Gäste pro einem der vier Zeittakte.

Wie wirkt sich das finanziell aus? "Es sind rund 68 Prozent weniger Umsatz", sagt der Pressesprecher. Liquiditätsprobleme gebe es aber aktuell nicht.

Weidener Thermenwelt

Mehr als drei Monate lang war die Weidener Thermenwelt trockengelegt. Ende Juni ging es wieder los – stark eingeschränkt. Im Oktober öffnete das Bad unter anderem den Sportbereich und das Schwimmerbecken. Der große Ansturm bleib allerdings aus. Von einem Normalbetrieb kann keine Rede sein.

Die Thermenwelt zählt rund 300 000 Gäste pro Jahr. Heuer werden es nicht mal ansatzweise so viele. „Aus wirtschaftlicher Sicht ist das alles eine Katastrophe“, sagt WTW-Chef Klaus Kunz. Durch den ermäßigten Eintrittspreis und die Beschränkungen würde die Therme gar nichts mehr einnehmen. Aber: „Die Kosten für Gas und Strom laufen ja weiter“, so Kunz. Deshalb lohne sich auch die Sauna nicht.

WTW: Der große Ansturm bleibt aus

Weiden in der Oberpfalz

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Kommentare

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Martin Greger

Ich würde mir wünschen, dass klar genannt wird, dass nicht "Corona", d.h. das Virus, sondern die Maßnahmen zu diesen wirtschaftlichen Problemen führten und noch immer führen. Dann kann man unemotional und sachlich darüber diskutieren, ob es zu den ergriffenen Maßnahmen und zukünftigen Alternativen gibt, und ob diese z.B. Verhältnismäßig sind. Ich würde mir wünschen, wenn dies in einem Artikel wirklich sachlich nüchtern von unterschiedlichen Seiten beleuchtet wird.

26.10.2020