07.06.2019 - 11:05 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

"X-Men" mit krachendem Abschied

Die "X-Men" erblickten Jahre vor der Marvel-Superhelden-Invasion das Kinolicht der Welt. In "Dark Phoenix" zünden die Mutanten nochmal ein Action-Gewitter, bevor die Rechte an den Figuren an Disney und somit den Marvel-Studios übergehen.

Die X-Men schließen sich im neuesten Teil gegen eine Bedrohung aus dem Weltall zusammen. Professor Charles Xavier (James McAvoy, von links), Red Lotus (Andrew Stehlin), Kurt Wagner/Nightcrawler (Kodi Smit-McPhee, Scott Summers/Cyclops (Tye Sheridan), Hank McCoy/Beast (Nicholas Hoult), Selene (Kota Eberhardt), Magneto (Michael Fassbender) und Storm (Alexandra Shipp) kämpfen Seite an Seite.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Es fängt so gut an. "X-Men: Dark Phoenix" erzählt die Geschichte der jungen Jean Grey. Eine Rückblende zeigt einen tragischen Unfall, verschuldet von Jean, als sie noch ein Mädchen war und weil sie ihre Kräfte nicht unter Kontrolle hat. Das Auto überschlägt sich, die Mutter liegt mit leblosem Blick im Wrack, der blutende Vater zuckt nur noch leicht mit den Händen.

Schauspielerisch spitze

Nach zehn Minuten deutet der Film an, zum Drama, zu einer großen Erzählung zu werden. Die Figur der Jean Grey hat schon nach kurzer Zeit an Tiefe und Schärfe gewonnen. Die besten Voraussetzungen also, um eine Origin-Geschichte abzuliefern, wie es schon so viele gelungene im Superhelden-Genre gegeben hat: "Batman Begins", "Spider-Man", "X-Men Origins: Wolverine", "Black Panther". Doch der neue "X-Men"-Streifen macht denselben Fehler wie so viele Franchises, wenn es eigentlich nichts mehr tiefergehendes zu erzählen gibt: Er verliert sich in endlosen Schlachten und Kämpfen. Dieses Konzept hat die Kritiker schon im Vorgänger "X-Men: Apocalypse" nicht überzeugt.

Sicher, wer gerne einen Abend mit Popcorn und Action-Gewitter verbringen möchte, macht beim Kauf eines Tickets nichts falsch. "X-Men: Dark Phoenix" verschenkt aber sein Potenzial. Sophie Turner, die Jean Grey spielt, liefert eine tiefgreifende Darstellung ab. Wenn sie leidet, leidet der Kinozuschauer mit. Wenn sie sich freut, freut sich der Kinozuschauer mit. Die Gefühlslage transportiert sie perfekt über die Leinwand - schauspielerisch spitze. Alleine eine Szene, in der Sophie Turner weinend im Regen sitzt und mit ihrem Ärmel versucht, das Blut von ihrem Shirt zu wischen, berührt.

Es schadet auch nichts, dass die "X-Men"-Reihe einen aktuellen Trend mitmacht und die Superheldinnen in den Fokus rücken. Charles Xavier (James McAvoy) ist in "Dark Phoenix" ein allzu selbstgerechter Professor, der zu sehr an der Whiskey-Flasche hängt. Magneto (Michael Fassbender) kommt nicht über eine Nebenrolle hinaus. Dafür bekommen die rätselhafte Mystique (Jennifer Lawrence) und eben Jean Grey alias Phoenix genügend Leinwandzeit. Zu recht regt Mystique im Film an, die Heldentruppe in "X-Women" umzubenennen. Da passt es auch, dass sich die Mutanten einer Bösewichtin stellen müssen: Der von Jessica Chastain verkörperten Lilandra, Herrscherin über das außerirdische Shi'ar-Imperium.

Alles in allem ist der neue "X-Men" - mittlerweile der zwölfte aus dem Filmfranchise - arg konventionell erzählt. Er hat nicht mehr die Frische des ersten Teils, der ganze acht Jahre vor "Iron Man" (dem ersten Film aus dem Marvel Cinematic Universe, kurz MCU) erschien und die Superhelden-Ära in Hollywood einleitete. Spannend dürfte nun aber die Frage sein, wie es mit den X-Men weitergeht, nachdem Disney das Studio 20th Century Fox aufgekauft hat. Nun ist es theoretisch möglich, dass Wolverine Seite an Seite mit Thor kämpft, Professor Charles Xavier auf Nick Fury trifft oder sich Quicksilver mit dem Black Panther duelliert. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das sechsterfolgreichste Franchise aller Zeiten (X-Men) und das erfolgreichste (MCU), wohl nicht zuletzt wegen der lockenden finanziellen Erträge, früher oder später zusammengeführt werden.

Seitenhieb auf Marvel

Einen Seitenhieb auf das anstehende Film-Crossover gab es in "Dark Phoenix" bereits. Soldaten, die die X-Men in einer Szene am Ende in einem Gefangenentransport bewachen, tragen Armbinden mit der Aufschrift MCU. Die Anspielung auf das Marvel Cinematic Universe ist unschwer erkennbar. Wer übrigens auf eine Szene nach dem Abspann (wie bei Marvel-Streifen üblich) und damit auf einen Ausblick auf ein mögliche Szenario hofft, wie es mit den X-Men unter dem Dach von Disney weitergeht, wartet vergebens.

"New Mutants", dessen Starttermin mehrmals verschoben worden ist und in den USA nun im April 2020 in die Kinos kommen soll, wird der letzte "X-Men"-Film des Fox-Studios sein. Spätestens danach bricht für die Mutanten eine neue Ära an. ___Regie: Simon Kinberg - Mit Sophie Turner, Jessica Lawrence, James McAvoy und Michael Fassbender - 120 Minuten - frei ab 12 Jahren

Sophie Turner („Game of Thrones“) mimt im neuen „X-Men“ Jean Grey – und das auf sehr überzeugende und eindringliche Art und Weise.
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