16.12.2019 - 10:52 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Zeitung ist nicht nach jedermanns Geschmack

Regelmäßig stellen wir unsere Arbeit auf den Prüfstand. Kritik von außen hilft uns dabei weiter. Wenn eine Leserin meint, dass sich das Niveau unserer Zeitung "im freien Fall" befinde, darf aber auch widersprochen werden.

Die Reportage über eine Austauschstudentin, die die Unruhen in Hongkong aus der Nähe miterlebt hatte, war einer Leserin auf Seite drei zu prominent platziert. Sie kritisierte die Gewichtung einzelner Themen.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Zum Anlass für ihre Kritik nahm Monika W. die Berichterstattung (Anreißer auf der Titelseite, Reportage auf Seite drei) über die Austauschstudentin Annika Schmeller aus Waldsassen, die die Unruhen, Proteste und Ausschreitungen in Hongkong aus der Nähe miterlebt hatte. Sie müsse sich "schon sehr wundern über die Gewichtung der einzelnen Themen", schrieb uns die Leserin. "Der ,Klimanotstand', der von den EU-Abgeordneten ausgerufen wurde, hat es dafür nur auf Seite 4 geschafft", beklagte sie.

So sieht es die Leserin

Seit geraumer Zeit, fuhr Monika W. fort, "wundere ich mich über die reduzierte Berichterstattung über Politik und Weltgeschehen, die mittlerweile auf 8 bis 10 Seiten pro Ausgabe geschrumpft ist". Sie fühle sich nicht ausreichend informiert über Politik und Weltgeschehen. Der Berichterstattung über sportliche Ereignisse werde dagegen "mit teilweise sehr großen Fotoaufnahmen und ausführlichen Berichten die gleiche Wertung geschenkt".

Ein weiterer Punkt, den die Leserin anschnitt: "Der Abo-Preis erhöht sich in regelmäßigen Abständen ,automatisch', während die Leistung dafür reduziert wird. Mittlerweile muss ich mich schon fragen, wie lange ich mir diesen Luxus noch leisten möchte, nachdem die Berichterstattung über Mitterteich größtenteils nur über Konnersreuth und Umgebung stattfindet."

Weiter hieß es in der Mail von Monika W.: "Würden mich Informationen über B- oder C-Promis interessieren, würde ich mich in der Regenbogenpresse entsprechend informieren. Eine Berichterstattung im Neuen Tag (...), dass Jenny Elvers wieder Single ist, senkt das mittlerweile stark gesunkene Niveau des Neuen Tags noch weiter."

Geschichte hatte ihre Berechtigung

Ich erläuterte der Leserin ausführlich, warum ich es anders sehe. Zum Beitrag über die Studentin antwortete ich: "Die Redaktion war auf der Suche nach jemandem, der die Unruhen in Hongkong aus der Nähe erlebt hat. Im Zuge ihrer Recherche stieß die Redaktion auf diese Studentin. Ereignisse wie in Hongkong personalisieren zu können, ist immer Bestreben einer Zeitung. Sie haben den Artikel sicherlich komplett gelesen. Darin ging es nur am Rande um das vorzeitige Ende des Auslandssemesters der jungen Frau, hauptsächlich aber um das dramatische Geschehen in Hongkong. Insofern - meine persönliche Meinung - hatte diese Geschichte ihre Berechtigung auf der Seite 3 ,Themen des Tages', auf der seit vielen Jahren vorzugsweise interessante Themen mit regionalem Bezug abgehandelt werden. Diese Geschichte war übrigens eine der meistgelesenen im Onetz und auf unserer Onetz-Facebook-Seite. Dass es der Artikel ,Klimanotstand' nur auf Seite 4 geschafft habe, wie Sie anmerken, hat nichts mit dem Hongkong-Bericht zu tun. Solche Artikel finden sich unserer Blattstruktur entsprechend auf einer unserer Politik-Seiten wieder."

Auf die Aussage der Leserin, die Berichterstattung über Politik und Weltgeschehen sei reduziert, entgegnete ich: "Seit Jahrzehnten variiert der erste Teil unserer Zeitung, der sogenannte Mantelteil, unverändert in der Regel zwischen meistens 8 und hin und wieder 10 Seiten. Seite 1 ist immer Politik mit ,Anreißern' zum weiteren Inhalt der Zeitung, Seite 2 ist ebenfalls Politik, Seite 3 wie bereits erwähnt Themen des Tages. Auf Seite 4 folgt wiederum Politik, auf Seite 5 Politik oder Landespolitik. Danach sind im Blatt: Bayern/Oberpfalz und Weltgeschehen mit unterschiedlicher Seitenanzahl, die sich nach dem Gesamtumfang richtet. Wie gesagt, seit Jahren nicht anders."

Zum Sportteil teilte ich Monika W. mit: " Auch die Berichterstattung über sportliche Ereignisse ist Teil einer Zeitung und weckt das Interesse eines großen Publikums. Große Fotos sind heute in einer modernen Zeitung üblich und aus Layout-Gesichtspunkten sehr wichtig. Schauen Sie sich doch beispielsweise die heutige Süddeutsche Zeitung an und Sie werden nahezu auf jeder Seite ein großes Foto finden."

Umfänge unverändert

"Dass der Abo-Preis mitunter steigt, ist natürlich richtig und für den Leser weniger erfreulich, das kann ich gut verstehen", schrieb ich der Leserin und fügte hinzu: "Die Leistung reduziert sich allerdings wirklich nicht, die Umfänge der Zeitung sind ebenfalls gleich geblieben. Was über einen bestimmten Ort zu lesen ist, ist in erster Linie von der Menge des Materials abhängig, das ein örtlicher Berichterstatter liefern kann, der normalerweise zum Beispiel einem anderen Hauptberuf nachgeht oder bereits Rentner ist."

Auch Promis interessieren

Zur Sache mit den Promis: "Ja, es gibt auch neben Ihnen Leser, denen solche Meldungen missfallen", pflichtete ich Monika W. bei. "Dem gegenüber stehen Teile der Leserschaft, die kurze Geschichten aus dem Bereich ,Stars und Sternchen' gerne konsumieren. Ich kenne aus Erfahrung die Begründung dafür: Was Seichtes in der Zeitung müsse auch sein angesichts der ansonsten eher ernsten Nachrichten. Wir haben ja nur eine Spalte auf ,Weltgeschehen' für solche Kurzmeldungen reserviert, das, so denke ich, ist doch im Rahmen des Erträglichen für diejenigen, die damit nicht viel anfangen können. Auch ein kurzer Schwenk in die heutige SZ: Auf deren Seite 8 findet sich die ähnliche Rubrik ,Leute', diesmal unter anderem mit Lenny Kravitz, Andrea Petkovic und Günther Jauch."

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