28.10.2019 - 00:27 Uhr
OberviechtachDeutschland & Welt

40 Jahre schräg, frech und liebenswert

Es ist eine nicht kleine Herausforderung. Sind Ehemalige zu einem Festabend eingeladen, genießen sie meist einen lockeren Abend mit Sekt und Plaudereien. Bei der "40vigo"-Gala stehen sie wieder auf der Theaterbühne - ohne Netz und doppelten Boden. Denn auch der Probenverlauf macht die Auftritte einmalig.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

"Die Proben für die Szenen waren nicht einfach, da die Schauspieler heute teilweise in alle Winde zerstreut sind", erzählt ein gelöster Ovigo-Chef Florian Wein. "Ich bin einfach unglaublich erleichtert, dass das alles funktioniert hat. Es war eine sehr, sehr durchwachsene Generalprobe am Vortag."

Der Plan, zum Jubiläum Teile von Klassikern aus 40 Jahren Theatergeschichte Oberviechtachs mit Original-Schauspielern zu inszenieren, ist ambitioniert. Die Proben seit Jahresbeginn verlaufen höchst unterschiedlich, oft in Kleingruppen. Wein lächelt: "Bei einem Stück waren erst bei der Aufführung alle beisammen."

Schauspielen nicht verlernt

Welches das sein könnte, merken die Zuschauer in der gut gefüllten Dreifach-Halle des Ortenburg-Gymnasiums am Freitag nicht. An dem Ort, an dem die Theatertradition des Ortenburg-Ensembles und Nachfolger Ovigo vor vier Jahrzehnten begründet wurde, laufen die alten Kämpen zur Höchstform auf. Ob in "Jedermann" (mit Ulrich Wabra, Heino Hübbers, Julia Hofmeister und Julia Gruber), "Faust" (mit Julia Hofmeister, Regina Haider, Heino Hübbers, Lisamarie Bergler und Kinderdarstellern) oder der "Dreigroschenoper" (Anja Killermann, Sabine Bullener-George, Lisamarie Berger, Heinz Dettmann) – die Lust am Spielen ist überall spürbar. Auch bei der Big-Band und dem Gymnasium-Chor um musikalischen Leiter Andreas Lehmann, die den Abend mitgestalten.

Die Idee, diesen wichtigen Teil der Theatergeschichte Oberviechtachs im Rahmen einer Gala zu feiern, hat Wein bereits vor zwei Jahren. "Ein solcher Rückblick hat mich immer schon gereizt und das Jubiläum bot sich dafür an. Auch war ich mir sicher, dass wir dafür auch Wolfgang Pöhlmann ins Boot holen können."

Impulse auch für den Eisenbarth

Pöhlmann, der 1979 am Gymnasium das Ortenburg-Ensemble gründet, führt als Regisseur mit Anmoderationen in die gespielten Szenen ein. Am besten vorbereitet auf die Gala ist naturgemäß die junge Gaukler- und Artistiktruppe der Schule, die bei den Eisenbarth-Festspielen nicht wegzudenken ist. Auch bei der Geburt dieser Oberviechtacher Institution spielte das Ensemble eine wichtige Rolle. Markus Eckel vom Verband der Bayerischen Amateurtheater würdigt in der Gala mit einer "redlich verdienten" Ehrenurkunde zum Jubiläum die Leistungen des Ortenburg-Ensembles und Ovigos.

Mit 162 Mitgliedern und mehr als 100 Darstellern hat Letzteres das Oberviechtacher Theater nun auf ein semiprofessionelles Niveau gehoben. Der familiäre Charakter und die Verbindung zur Schule mit Leiter Ludwig Pfeiffer aber bleiben, wie die am Abend verliehenen Oscars der Kategorien "Wurzelwerk" (Bettina Meier, Leitung der Schultheatergruppen), "Spielfreudigste Familie" (Familie Gitter) und "Gute Seele" (Maskenbildnerin Annika Niebauer) zeigen. "Es war schön zu sehen, wie alte und neue Darsteller miteinander agieren und Spaß haben", sagt Wein, der einen Blick in die Zukunft wagt.

Sein Ensemble, das mit einer wunderbar chaotischen Fantasy-Sequenz mit Elementen aus allen Ovigo-Stücken den Schlusspunkt setzt, bespielt zwar viele Orte und hat mit Probenräumen und Fundus in Pfreimd eine zweite Heimat gefunden. Der Traum vom eigenen, festen Theater bleibt. "Es laufen Gespräche, vielleicht sind wir da einen Schritt weiter", deutet der Theaterchef an. Aber auch so hat sich das Theater "made in Oberviechtach" in der Region längst etabliert.

Ovigo - Die nächsten Stücke und Termine

  • A Clockwork Orange: 6./7./8. Dezember - Ort: W1 - Zentrum für junge Kultur
  • Eine ganz heiße Nummer: 4./5. Januar - Ort: Landgraf-Ulrich-Schule, Pfreimd
  • Eine ganz heiße Nummer: 11. Januar - Ort: Kubus-Bühne, Ursensollen
  • Eine ganz heiße Nummer: 18. Januar - Ort:Jahnhalle, Regenstauf
  • Eine ganz heiße Nummer: 24. Januar - Ort: Schwarzachtalhalle, Neunburg vorm Wald
  • Eine ganz heiße Nummer: 31. Januar - Ort: Restaurant Miesberg, Schwarzenfeld
  • Eine ganz heiße Nummer: 8. Februar - Ort: Haus der Vereine, Gleiritsch

Mehr über Ovigo: https://ovigo-theater.de/

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