23.04.2020 - 18:59 Uhr
ParksteinDeutschland & Welt

Warum Tanken derzeit so billig ist und worin Geldanleger investieren können

Zumindest an der Tankstelle kann man die Coronasorgen als Autofahrer derzeit auch mal vergessen. Der Investmentexperte Robert Beer ist zwar auch Autofahrer, der niedrige Ölpreis lässt ihn aber nicht jubeln.

Um die US-Ölindustrie steht es nicht gut. Das hat auch für die deutsche Wirtschaft Folgen.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Verrückte Zeiten, auch in der Welt des Geldes: Der vergangene Montag geht etwa in die Geschichte als der Tag ein, an dem der Öl-Preis erstmals negativ war: Wer ein Fass der Sorte WTI abnahm, bekam 40 Dollar oben drauf. „Eigentlich unvorstellbar“, sagt Anlageexperte Robert Beer aus Parkstein.

Hintergrund sei ein Fehler gewesen, den einige Spekulanten teuer bezahlen mussten. Sie hatten Öl im Voraus gekauft, aber keine Lagerkapazität reserviert, erklärt Beer. Weil die US-Lager voll sind, mussten die Spekulanten ihr Öl unbedingt loswerden und bezahlten letztlich die „Käufer“. „Es haben sich ein paar unerfahrene Anleger verspekuliert“, sagt Beer.

Hintergrund der Fehleinschätzung sind dann aber doch wieder Corona und Lockdown: Die Öllager sind voll, weil die Nachfrage eingebrochen ist, um bis zu 20 Prozent heißt es aus der Industrie. Hinzu kommt: Vor allem Russland und Saudi Arabien versuchen schon länger, durch hohe Fördermengen und niedrige Preis die US-Ölindustrie zu zerstören. Weil in den USA die Förderkosten höher sind, trifft der niedrige Öl-Preis die Industrie dort hart. „Inzwischen stehen fast alle US-Fracking-Firmen vor dem Ruin“, erklärt Beer.

Das mag deutschen Autofahrern gefallen, für die Wirtschaft sei es eine Katastrophe. „Schnelle Preisänderungen am Ölmarkt sind immer schlecht“, sagt Beer. Deutsche Maschinenbauer dürften zum Beispiel stark darunter leiden, weil Aufträge aus der Ölindustrie ausbleiben.

Schnelle Preisänderungen am Ölmarkt sind immer schlecht.

Robert Beer

Robert Beer

Für Geldanleger ändert sich mit Corona indes wenig. Viel mehr bestärkt die Politik den Anlageexperten Beer in seiner Strategie. Notenbanken und Staaten pumpen immer mehr Geld ins System. Deshalb werde weiter kein Weg an Sachwerten vorbeiführen, um Werte zu sichern: Aktien, Gold Immobilien. Beer hat mit seinen Fonds das erste Quartal sogar mit einem leichten Plus abgeschlossen. Die Ratingagentur Citywire stuft Beers Fonds zum 31. März deutschlandweit auf Rang 1 ein. Er setze weiter vor allem auf Aktien und baue Sicherungsmechanismen ein, erklärt Beer. Diese Sicherungen haben bei uns wieder gut funktioniert, sagt Beer mit Blick auf die fast 25 Prozent, die der Gesamtmarkt verloren hat.

Ob nach diesen Verlusten ein guter Zeitpunkt ist, um Geld in Aktien anzulegen, sei zumindest kurzfristig schwer zu beantworten. Die Erfahrung zeige, dass solche Abstürze immer gute Gelegenheit waren, um einzusteigen. Allerdings lasse sich nicht vorhersehen, wie lange die Beschränkungen andauern und wie schnell die reale Wirtschaft danach wächst. „Es ist gut möglich, dass es noch weitere Rückschläge gibt, bevor ein echter Aufwärtstrend einsetzt.“

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