18.09.2020 - 17:37 Uhr
PentlingDeutschland & Welt

Christian Preis: "Innovation ist, wenn der Markt hurra schreit"

„Viele kreative Ideen bleiben liegen“, meint Christian Preis. Als Gründer der Ideenplattform „Jemand müsste mal“ spricht er über das Ideenpotential in der Oberpfalz und seinen Vortrag beim Innovationsfrühstück am 24. September in Weiden.

Christian Preis spricht am 24. September über "Innovationen als Basis für Zukunftsfähigkeit"
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Wenn Christian Preis aus Pentling etwas stört, dann das viele Ideen nicht in die Tat umgesetzt werden. Der gelernte Musikmanager studierte BWL und war mit „Donikkl Productions“ bereits in Weiden zu Gast. Der 32-Jährige gründete 2017 die Firma Perspektive i, aus der die Plattform „Jemand müsste mal“ hervorging.

ONETZ: Herr Preis, sind Sie selbst ein Tüftler?

Christian Preis: Auf jeden Fall, mit meinem ersten Patent nahm die Leidenschaft ihren Lauf. Es begann mit dem Problem, dass wir im Kühlschrank viele Getränkeflaschen gestapelt hatten. An die Flasche in der Mitte zu kommen war schwierig. Da hab ich mir gedacht, es müsste mal jemand etwas erfinden, um Flaschen besser zu stapeln. Da es nichts zu kaufen gab, habe ich mir selbst etwas gebaut.

ONETZ: Und dann haben Sie "Jemand müsste mal" gegründet?

Christian Preis: Das war einige Zeit später. Ich habe keine Plattform gefunden, wo ich meine Ideen geschützt einreichen konnte. Das war für mich eine nicht zufriedenstellende Situation. Mit anderen Unternehmern und Privatpersonen habe ich mich ausgetauscht, ob andere das auch als Problem empfinden. Dabei hat sich herausgestellt, dass viele Ideen und Patente bereits in Schubladen liegen. So entstand die Idee eine Plattform zu gründen, und zwar für jeden der eine Idee oder ein Problem hat, und jeden der Ambitionen hat, diese zu lösen.

ONETZ: Wie kann man einen Vorschlag oder eine Idee einreichen?

Christian Preis: Jeder kann seine Idee über unsere Internetseite einreichen. Diese wird dann überprüft und landet in einem Ideen-Pool. Registrierte Nutzer oder Firmen haben darauf Zugriff und können mit dem Ideengeber Kontakt aufnehmen.

ONETZ: Was hat der Ideengeber davon? Die Idee ist ja dann nicht mehr seine, oder?

Christian Preis: Eben doch. Durch den Einsatz der sogenannten Blockchain-Technologie wird bei Eingang einer Idee ein Zeit- und Datumsstempel vergeben, der beweisgeeignet ist. Wir unterstützen bei Bedarf auch bei der Ausarbeitung von Ideen, das hat auch bei späteren Verhandlungen Vorteile. Die teilnehmenden Unternehmen verpflichten sich den Urheber adäquat am Erfolg des Produkts zu beteiligen, damit entsteht eine Win-Win-Situation!

ONETZ: Sie referieren beim Innovationsfrühstück zum Thema "Innovation als Basis für die Zukunft". Was ist damit gemeint?

Christian Preis: In den vergangenen Jahren habe ich festgestellt, dass Ideen häufig in Schubladen verstauben. Das liegt daran, dass oftmals das notwendige Wissen oder auch Ressourcen wie Zeit und Geld fehlen. Oft haben Ideengeber auch Angst, dass Ideen geklaut werden. Es sollte genau umgekehrt sein. Wir müssen kreative Ideen umsetzen. Die Zuhörer sollen dafür ein Gespür entwickeln und lernen, wie sie ihre Kreativität umsetzen können. Zukunftsfähig bleibt ein Unternehmen dann, wenn es Ideen aktiv fördert und innovativ ist. Dann haben wir regional und international einen Vorteil.

ONETZ: Wie meinen Sie das?

Christian Preis: Wenn wir unsere Ideen oder Lösungsansätze weiterhin für uns behalten, dann bleibt die Innovationskraft begrenzt. Was machen zum Beispiel Familienunternehmen, die sich keine eigene Innovationsabteilung leisten können? Mit „Jemand müsste mal“ bringen wir diejenigen mit Ideen und die, die nach Ideen suchen zusammen und der Urheber verdient daran mit. Innovationen entstehen so vor unserer Haustüre.

ONETZ: Was bedeutet Innovation für Sie?

Christian Preis: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Es gib sehr viele Definitionen und Ansichten von Innovation. Eine Innovation ist es für mich dann, wenn der Markt hurra schreit. Wenn ein fertiges Produkt auf dem Markt ankommt. Und damit meine ich nicht nur, dass es Geld bringt, sondern wenn die Zielgruppe, einen Nutzen davon hat.

ONETZ: Wie haben sich die Ideen seit Corona entwickelt?

Christian Preis: „Jemand müsste mal“ gibt es erst seit April dieses Jahres, ich kann deshalb nicht sagen, wie sich die Einsendungen verändert haben. Allerdings merkt man schon, dass viele Ideen mit unserem neuen Alltag zu tun haben.

ONETZ: Was sind das für Ideen, und wie vielen waren es seit April?

Christian Preis: Bisher haben wir 60 Ideen die es in den Ideen-Pool geschafft haben. Die meisten stammen aus dem alltäglichen Leben. Aktuell gibt es ein tolles Projekt von vier Studentinnen die das Tragen der Alltagsmasken angenehmer gestalten möchten.

ONETZ: Gibt es aus Ihrer Ideenschmiede ein prominentes Beispiel?

Christian Preis: Ja, das ist eindeutig der Weihwasserspender mit Fußbedienung. Der wird inzwischen auch in Schweden und Amerika verwendet. Stolz bin ich auch darauf, dass sich eine bei uns eingereichte Idee derzeit in der Patentierung befindet und bereits online erhältlich ist. Es handelt sich dabei um ein Plastikprofil für Türrahmen, welches es ermöglicht Kleiderbügel am Türrahmen einzuhängen. Besonders in kleinen Wohnungen sehr praktisch.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Innovationsfrühstück

Weiden in der Oberpfalz

Weitere Informationen zu "Jemand müsste mal" finden Sie hier

Hintergrund:

Innovationsfrühstück

  • Das Innovationsfrühstück findet am Donnerstag, 24. September, von 9 bis 11 Uhr im Veranstaltungssaal der Oberpfalz-Medien in Weiden statt. Zum Thema "Innovation als Basis für Zukunftsfähigkeit" spricht
  • Die Anmeldung zur Veranstaltung erfolgt über die Internetseite www.eveeno.com/zukunft-sichern. Die Veranstaltung ist kostenlos und wird zusätzlich auf dem Onetz-Youtube-Kanal (www.youtube.com/oberpfalznetz) live übertragen.
  • Bei der Veranstaltungsreihe der Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz (DGO) wird ein Thema aus der Wirtschaft, aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Bei einem gemeinsamen Frühstück können die Teilnehmer sich vorab kennen lernen und neue Kontakte knüpfen. Teilnehmen kann jeder, der dieses Thema für sich nutzen möchte.
  • Das Ziel der DGO ist der Aufbau einer nachhaltigen Gründungskultur im Bereich der Digitalisierung in der gesamten Oberpfalz. Neue Projekte sollen gefördert, Gründer qualifiziert, Start-ups mit etablierten Unternehmen verknüpft und eine Identifikation mit der Region geschaffen werden.

 

 

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