25 Jahre Kunstdingertage in Pertolzhofen

Künstler treffen sich im Juli zum 25. Mal zu den „Pertolzhofener Kunstdingertagen“. Heiko Herrmann berichtet, wo die Veranstaltung Spuren hinterlassen hat.

von Monika Bugl Kontakt Profil

Eine ausgediente Scheckkarte ist Maler Heiko Herrmann lieber als ein Pinsel. Sorgfältig zieht er sie über den dicken Klecks Ölfarbe auf der Leinwand. „Sieht chaotisch aus, ist aber sehr diszipliniert“, kommentiert der Schöpfer sein Bild, in dem bunte Farben und runde Formen aufeinandertreffen. Noch dominiert die Stille in seinem Atelier im Zehentstadel von Pertolzhofen, doch damit ist es bald vorbei: Sieben Gäste werden für 26. Juni zu den „Pertolzhofener Kunstdingertagen“ erwartet. Mit dem Hausherrn sind es dann acht Künstler, die zwei Wochen lang mit unterschiedlichsten Materialien die Welt zum Staunen bringen wollen.

Sie alle arbeiten inmitten einer reizvollen Hügellandschaft, doch was da entsteht, sind keine Landschaftsbilder. Zeitgenössische, moderne Kunst hat hier 1991 mit Heiko Herrmann aus München Einzug gehalten. Und 25 Künstler-Treffen haben Spuren hinterlassen. Gabi Streile hat sich bildnerisch mit „Heikos Misthaufen“ auseinandergesetzt, von Mariko Saito ist ein bizarres Porträt geblieben und von Franz Burkhardt eine hölzerne Skulptur mit dem Titel „Adam in der Badehose“. Pomona Zipser hat eine Art Spalier an der Hauswand gestaltet, und auch die Windharfe von Heribert Schneider steht noch.

„Man tut so, als ob man auf etwas hin arbeitet, aber es vergeht nur die Zeit“, meint Künstler Herrmann philosophisch. Der 66-Jährige will sich nach einem gesundheitlichen Rückschlag im vergangenen Jahr nicht festlegen, ob das heuer die letzten Kunstdingertage sind, denn anstrengend ist so ein Treffen schon, mit dem er versucht, „dem Geheimnis der Kunst und des Lebens auf die Sprünge zu helfen“.

Von seinem Mentor, dem aus Roding stammenden Künstler Heimrad Prem, hat er gelernt, dass Kunst nicht im stillen Kämmerlein entsteht, sondern in der Diskussion, in der Reibung verschiedener Individuen. Und Reibung gab es in 25 Jahren nicht zu knapp beim Aufeinanderprallen von so vielen unterschiedlichen Charakteren. Da gab es schwierige Gäste, die noch vor der Handy-Ära täglich fünf Stunden mit Frau, Ex-Frau und Psychiaterin telefonieren mussten und „den Draht zur Außenwelt kappten“, und welche, die drei Tonnen Granit und einen Kran mitbrachten. Es gab solche, die sich spendabel zeigten und andere, die „wie ein Staubsauger“ waren. Doch mit vielen hat der Hausherr ein Netz in ganz Deutschland geknüpft, von dem alle profitieren.

„Man trifft andere Künstler ja sonst nur bei Ausstellungs-Eröffnungen, wo man doch nur ein geschöntes Bild abgibt“, hat der Gastgeber festgestellt und sich in den jeweils zweiwöchigen Non-stop-Austausch mit Malerfreunden gestürzt. Nach und nach erstreckte sich dieser Austausch auch auf die Nachbarn im Dorf, die sich nicht erklären konnte, was den Künstler hier fesseln sollte.

„Da hab’ ich gemerkt, dass der Künstler auch die Funktion hat, die anderen zum Sehen zu bringen“, erklärt Herrmann und liefert ein Beispiel: „Es würde doch keiner bewusst einen Baum anschauen, wenn ihn nicht Albrecht Dürer gezeichnet hätte.“ Nicht jeder kann etwas anfangen mit den abstrakten Werken, die der 66-Jährige produziert. Trotzdem hat sich der Schreiner am Ort als Lohn für einen Auftrag im Atelier ein Porträt gewünscht. „Da wirst du dich nicht erkennen“, warnte der Künstler mit Blick auf die ungegenständliche Malweise. „Das ist mir wurst“, lautete die Antwort.

„Spaß haben und nicht zu viele Experimente“ hat sich Künstler Herrmann nun für diesmal vorgenommen und dazu Albert Beedi aus Karlsruhe, Franz Burkhardt (Wolfenbüttel, Montzen), Ossi Fink (München, Alto Adige), Ruth Gilberger (Köln), Herbert Heindl (München, Obernzell, Passau), Pia Mühlbauer (Arnschwang) und Martin Schneider (Geisenfeld, München) eingeladen. „Ein großer Pluspunkt dabei ist, dass ich einmal im Jahr mein Atelier aufräume“, meint der Gastgeber mit einem Schmunzeln.

Info und Kontakt:

25. Pertolzhofener Kunstdingertage, 26. Juni bis 6. Juli, Ausstellung und Fest am Samstag, 6. Juli, ab 16 Uhr. Es spielt die Pertolzhofener Blechmusik. Führungen durch die Ausstellung um 18 und 19 Uhr.

Kontakt: Kunstverein Pertolzhofen, Vorsitzender Heiko Herrmann, Dorfstraße bei 19, 92545 Pertolzhofen (Kreis Schwandorf), Telefon 09675/1552 oder 089/33 36 62, info[at]kunstverein-pertolzhofen[dot]de

Kunstverein Pertolzhofen

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