23.01.2020 - 16:35 Uhr
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Piazolo will Praxiswochen für Schüler

In der Schule lernen die Kinder Mathe, Physik, Chemie, Deutsch oder Fremdsprachen. Aber lernen sie auch genug über das Leben? Der bayerische Kultusminister Piazolo hat jetzt ein Konzept vorgestellt, mit dem besonderes Praxiswissen vermittelt werden soll.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) will, dass den bayerischen Schülern mehr Alltagskompetenz vermittelt wird.
von Jürgen UmlauftProfil

Bayerns Schüler sollen besser auf ein eigenverantwortliches Leben vorbereitet werden. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) stellte im Bildungsausschuss des Landtags am Donnerstag sein Konzept "Schule fürs Leben" vor. Damit soll den Schülern ab dem kommenden Schuljahr verpflichtend zusätzliche Alltagskompetenzen und Praxiswissen im Bereich "Lebensökonomie" vermittelt werden.

Geschehen soll dies in zwei fünftägigen Projektwochen. Die erste werden die Schüler während ihrer Grundschulzeit durchlaufen, die zweite zwischen der 5. und der 9. Klasse. Piazolo betonte, man wolle den "Lebenswelt- und Praxisbezug" in der Schule stärken. Konkret gehe es um die fünf Handlungsfelder Landwirtschaft und Ernährung, Gesundheit, selbstbestimmtes Verbraucherverhalten, Umweltverhalten und Haushaltsführung.

Besuch auf dem Bauernhof

Als mögliche Projekte nannte der Minister den Besuch von Bauernhöfen, um Kinder über die Herkunft und Zubereitung von Nahrungsmitteln aufzuklären, aber auch Exkursionen zur Umweltbildung und Betriebsbesichtigungen. Vor allem an den weiterführenden Schulen lasse sich die Projektwoche gut mit den Lehrplanmodulen zur Berufsvorbereitung verbinden. Die Schüler bekämen so die Möglichkeit, "Berufe live zu erleben", erklärte Piazolo.

Für die Lehrkräfte bedeute die Projektwoche in der Vorbereitung eine gewisse Mehrarbeit, eine Mehrbelastung sei damit aber nicht verbunden, so Piazolo. So wirke das Hinzuziehen externer Experten entlastend, zudem werde das Ministerium Projektvorschläge, Arbeitsmaterialien und Organisationshilfen zur Verfügung stellen. Im Nachtragshaushalt 2020 seien dafür knapp fünf Millionen Euro für die Projektwochen vorgesehen. "Ich halte die Konzeption für ein sehr attraktives Angebot", sagte Piazolo.

FDP: Schulen fehlt Personal

Gabriele Triebel (Grüne) forderte, die Lehrkräfte erst von anderen Aufgaben zu entlasten, bevor ihnen mit den Projektwochen neue Arbeit aufgebürdet werde. Zudem bezweifelte sie, ob die Ziele mit zwei Projektwochen in neun Schuljahren zu erreichen seien. Besser und nachhaltiger sei ein Projekttag in jeder Jahrgangsstufe.

Matthias Fischbach (FDP) erklärte, es sei ihm schleierhaft, wie die Schulen die Vorgaben Piazolos umsetzen sollen, "wo das Personal an allen Ecken und Enden fehlt". Gerade an kleinen Grundschulen seien die personellen Ressourcen nicht ausreichend. Wenig Neues erkannte Markus Bayerbach (AfD). Besuche auf Bauernhöfen, Schulgartenprojekte oder Betriebsbesichtigungen seien schon seit Jahrzehnten Praxis an den Schulen.

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