21.11.2019 - 18:44 Uhr

Piazolos G9-Reform ist vernünftig, doch viele Fragen bleiben offen

Die Reform der Oberstufe am Gymnasium wirkt wie ein "Best of" aus dem alten G9 und dem Auslaufmodell G8 mit ein paar Neuerungen. Das findet zumindest Jürgen Umlauft.

Kommentar von Jürgen Umlauft
G9 statt G8. Bild: Armin Weigel/dpa
G9 statt G8.

Die früheren Leistungskurse feiern in einer Light-Version Wiederauferstehung, aus dem G8 überleben die P- und W-Seminare und der Ansatz der individuellen Förderung. Das Ergebnis klingt vernünftig. Es war eine gute Idee des Ministers Piazolo, die Reform nicht am grünen Tisch von Beamten seines Hauses ausarbeiten zu lassen, sondern unter Mitwirkung der Lehrer, Eltern und Schüler.

Trotzdem bleiben ein paar Fragezeichen. So erschließt sich nicht, warum ausgerechnet die Kernfächer Deutsch und Mathematik für die darin besonders Begabten nur für ein Jahr als Leistungsfach gewählt werden können. Der "große Aufschlag" bei der politischen Bildung ist bei näherer Betrachtung gar nicht so bahnbrechend. Klar, zwei Pflichtstunden in der 12. Klasse sind mehr als das Wahlfach Sozialkunde am G8. Ob das aber reicht, um die Defizite im Verständnis unserer Demokratie zu beheben? Und zu hinterfragen bleibt, ob das Pflichtabitur in Mathematik - Panikauslöser und Stolperstein für viele Gymnasiasten - der Weisheit letzter Schluss ist.

Die Reform mit ihren begrüßenswert vielfältigen Wahlmöglichkeiten steht und fällt aber damit, ob sie auch an kleineren Gymnasien realisierbar ist. Es darf nicht passieren, dass Schüler in den Städten begabungsgerecht Rosinen picken können, während die Kollegen auf dem Land nehmen müssen, was ihre Schule gerade anbieten kann. Das wären keine gleichwertigen Lebensverhältnisse. Piazolo wird sich daran messen lassen müssen, ob er eine Lehrerzuweisung für ein ausdifferenziertes Bildungsangebot überall im Land hinbekommt.

 
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