16.10.2020 - 15:39 Uhr
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Pleystein als Klein-Hollywood: Nach "Beckenrand Sheriff" ist vor dem nächsten Filmprojekt

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Folgt dem „Beckenrand Sheriff“ bald das nächste große Filmprojekt in der Nordoberpfalz? Der Stadt Pleystein liegt eine Anfrage von Constantin Film vor. Bereits Ende Oktober schauen sich die Produzenten im idyllischen Städtchen um.

Manche Erinnerung an das Filmprojekt bleibt. An die 70er Jahre ist optisch der Kiosk angelehnt. Die Installation dient künftig dem Freibadförderverein für Events.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Pleystein als Klein-Hollywood? Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigte Bürgermeister Rainer Rewitzer neuerliches Interesse des Münchener Unternehmens Constantin Film: „Wir müssen mal abklopfen, ob wir dies leisten können, und in welchem Ausmaß der reguläre Badebetrieb in unserem Freibad beeinträchtigt wird.“ Geplant wären mindestens 20 Drehtage im Juli und August 2021. Selbstverständlich würde die Constantin dem finanziell nicht auf Rosen gebetteten Städtchen eine „Entschädigung“ zahlen. Unter der Regie von Constantin Film entstanden unter anderem die Blockbuster "Der Schuh des Manitu" und die "Fack Ju Göhte"-Reihe.

Dabei ist schon bemerkenswert, wie sich die Wege der Filmemacher kreuzen. Im November 2019 stieg Rüdiger Böss, der aus Etzenricht (Kreis Neustadt/WN) stammt, als Produzent bei Constantin Film ein. Zuvor erarbeitete sich Böss als langjähriger Chefeinkäufer von ProsiebenSat.1 einen exzellenten Ruf . Das Branchenmagazin „Kress“ bezeichnet den Oberpfälzer als „bestens vernetzten Hollywood-Experten“. Seine ersten Sporen verdiente sich Böss als Volontär und Redakteur beim „Neuen Tag“.

Als weitere entscheidende Größe fungiert der Medienunternehmer Fred („Fredy“) Kogel im spannenden Film-Netzwerk. Der einstige Aufsichtsratsvorsitzende der Constantin Film AG und enge Partner von Bernd Eichinger stellte mit dem Finanzinvestor KKR (die Werkstattkette ATU lässt grüßen) jüngst die Medienfirma Leonine auf die Beine. Welch ein Zufall: Ausgerechnet Leonine vermarktet gemeinsam mit der Münchener Lieblingsfilm den vornehmlich in Pleystein und Weiden gedrehten „Beckenrand Sheriff“ von Kultregisseur Rosenmüller. Schon vor einigen Wochen bestätigte dessen Produzent Robert Marciniak den Oberpfalz-Medien als Investor Fred Kogel bei dem Filmprojekt. Leonine (und ARRI) treten beim „Beckenrand Sheriff“ auch als Koproduzenten auf.

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Filmteam verabschiedet sich wehmütig

Nach 21 Drehtagen verabschiedete sich die „Beckenrand Sheriff“-Crew mit spürbarem und sichtlichem Wehmut aus Pleystein ins oberbayerische Waldkraiburg, wo derzeit die letzten Außenszenen abgedreht werden. „Ich bin echt traurig. Hier war es rund um herzlich und schön“, sagt Chefkameramann Torsten Breuer. Pleystein sei die einzig richtige Entscheidung gewesen. „Das ist es“, habe er beim ersten Besichtigungstermin des Freibads festgestellt.

Sein Herz an das Rosenquarz-Städtchen hat besonders Hauptdarsteller Milan Peschel (Bademeister Alfred Kruse) verloren: „Hier ist die Welt noch in Ordnung. Man fühlt sich überall willkommen.“ Das sei er in Berlin nicht gewohnt … Angetan haben es Peschel vor allem die Vielfalt der Wirtshäuser, Bäcker und Metzger – und nicht zuletzt die Schwammerl-Suche. Acht große Bleche mit Steinpilzen trocknete er auf dem Kamin seiner liebenswürdigen Gastgeberfamilie. Es erfülle ihn mit Schmerz, dass der Film in Pleystein nicht zu Ende gedreht werde. Der Träger des Bayerischen und Deutschen Filmpreises 2011/12 („Halt auf freier Strecke“, „Stauffenberg“, viele „Tatort“-Reihen, „Der Hauptmann“, „Preis der Freiheit“) gilt in der Branche als Hochkaräter.

"Beckenrand Sheriff": Dreh in Weidener Kirche

Weiden in der Oberpfalz

Unfall trübte Stimmung

Die „herzliche gesellschaftliche Eingebundenheit“ und den „Empfang überall mit offenen Armen“ bestätigt ebenfalls Herstellungsleiter Thomas (Tom) Blieninger. Das Team werde die kurzen, pragmatischen Wege und das feine „Headquarter“ im Zottbachhaus vermissen. „Wir haben in Pleystein Freunde gewonnen.“ Auch die mehreren Hundert Komparsen - darunter der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Sparkassen NEW, Josef Pflaum - hätten enorme Geduld an den Tag gelegt und seien mit Leib und Seele bei der Sache gewesen.

Kurzfristig trübte ein Unfall die heile Film-Welt: Der bekannte Schauspieler Frederic Linkemann („Dampfnudelblues“, „Leberkäsjunkie“) riss sich als Team der Wasserball-Mannschaft beim Lauftraining vor der Kamera die Achillessehne. Der sportive 39-Jährige musste sich einer OP unterziehen. Linkemann dreht nicht zum ersten Mal in der Oberpfalz, er war Darsteller im Filmprojekt „Wackersdorf“.

Mehr als 1000 Corona-Tests während des Drehs

Die Corona-Pandemie entwickelte sich bei den Dreharbeiten zum Kostentreiber. „Mindestens fünf Prozent unseres Budgets entfallen auf Hygiene- und Schutzmaßnahmen“, erklärt Herstellungsleiter Blieninger. Allein mehr als 1000 Tests waren erforderlich. Kleines Trostpflaster: Die Bayerische Filmförderung schob etwas Geld nach. Das Budget summiert sich auf annähernd fünf Millionen Euro. Blieninger dankt in diesem Zusammenhang der Praxis Dr. Ernst Kirschsieper für die Unterstützung. „In weniger als 24 Stunden hatten wir die Ergebnisse der Corona-Tests.“

Als quasi „14. Nothelfer“ in oft verzwickten Situationen handelte Pleysteins Bademeister Hubert („Hugo“) Rewitzer. Er musste nicht nur das Freibad wie beim normalen Badebetrieb am Laufen halten (eigens 27 Grad), sondern war als „Dienstleister“ erster Ansprechpartner der Filmleute. Dass er sich mit allen Akteuren duzte, spricht für das lässige Einvernehmen. „Es war eine wundervolle Zeit und ein Miteinander auf Augenhöhe. Ich habe gerne geholfen“, unterstreicht Rewitzer.

Bilder vom Dreh im Freibad Pleystein

Pleystein

"Zuckerl" für die Nordoberpfälzer

Der Retro-Kiosk aus den 70er Jahren und der antike „Bademeister-Überwachungsturm“ bleiben dem Pleysteiner Freibad erhalten: „Als Wiedererkennungs-Merkmale für die Kinobesucher“, scherzt Bürgermeister Rainer Rewitzer. Über den „Rückbau“ der Retro-Anstriche gehen die Meinungen noch auseinander. Auf jeden Fall verbleibt eine „auskömmliche Summe“ (Rewitzer) als Entschädigung in der Stadtkasse. Das Fazit des Bürgermeisters: „Gerne wieder.“ Er erhofft sich durch Trailer und Nachspann des Films einen Werbeeffekt für Pleystein. Hans-Peter Lang und seine Frau Andrea als Eigentümer des Zottbachhauses sprechen von einer „angenehmen Zusammenarbeit mit einem super gut aufgelegten Filmteam“. „Ein Highlight, das nach Wiederholung ruft. Es gibt noch andere wunderbare Flecken in Pleystein“, erklärt Hans-Peter Lang.

Die Münchener Lieblingsfilm verabschiedet sich mit einem „Zuckerl“ aus der Nordoberpfalz: Die Premiere für den „Beckenrand Sheriff“ geht im Spätherbst 2021 im Freibad Pleystein über die Bühne.

Hauptdarsteller und Filmpreisträger Milan Peschel verabschiedet sich schweren Herzens aus Pleystein. Seine Fans geben ihm ein heimisches Erzeugnis mit auf den Weg.
"Beckenrand Sheriff":
  • Inhalt: Bademeister Karl will das Freibad vor der Schließung retten. Nach einigen Problemen hilft das gesamte Dorf zusammen.
  • Mitwirkende: Rick Kavanian, Sebastian Bezzel, Gisela Schneeberger und Milan Peschel spielen mit. Die Regie führt Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Schwere Jungs“).
  • Dreh: Gedreht wurde von 8. September bis 9. Oktober an 21 Drehtagen im Freibad Pleystein, aber auch in Weiden.
  • Premiere: Im Spätherbst 2021 im Freibad Pleystein. (esa)
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