07.12.2019 - 00:01 Uhr
PlößbergDeutschland & Welt

Schnitzen ist kein einsames Hobby

In vielen Familien steht eine Krippe unterm Weihnachtsbaum. Meist ist sie gekauft, ein Erzeugnis aus Massenproduktion. Für viele Plößberger wäre so etwas undenkbar.

Siegfried Sollfrank schnitzt jeden Tag - seit gut 25 Jahren.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

In der beschaulichen Marktgemeinde im Nördlichen Oberpfälzer Wald wird noch selbst geschnitzt.

Zu Hause und allein, aber auch gemeinsam in der "Schnitzerstube" des Oberpfälzer Waldvereins. Schließlich lädt man alle fünf Jahre zur großen Plößberger Krippenschau, die weit über die Grenzen der Region hinaus Besucher anlockt. Einer der Holzkünstler ist der 76-jährige Siegfried Sollfrank. "Angefangen hab ich erst mit über 50", erzählt er, "aber seitdem schnitze ich jeden Tag."

Einmal wöchentlich öffnet sich im Winter die Tür zur Schnitzerstube, die im ehemaligen Schul- und jetzigen Rathaus untergebracht ist. "Man trifft sich schon seit den 70er Jahren", erzählt Sollfrank. "Gesellig ist´s bei uns, und jedem gefällt's." Neben Lindenholz, Werkzeug und Farben gehört auch das "Schnitzerbier" zur Ausstattung des ehemaligen Klassenzimmers. Außerhalb der Schnitzrunden wird über eine Whatsapp-Gruppe Kontakt gehalten, wo die Hobbykünstler unter anderem Fotos teilen. "Wir gehen halt mit der Zeit."

Siegfried Sollfrank braucht nur noch etwa zwei Stunden für ein kleines Schaf. "Ansonsten dauert das ein paar Abende. Man muss halt viel üben." Der gelernte Porzellanmaler klebt die maßstabsgetreue Fotokopie einer Figur auf das Holzstück, das er anschließend bearbeitet. Zunächst mit der Bandsäge, dann mit dem Schnitzeisen und schließlich mit dem Schnitzmesser. Die meisten Schnitzer zeichnen die Umrisse mit Bleistift auf. Dabei sei es gar nicht nötig, dass die Figuren am Ende perfekt aussehen. "Man darf ruhig merken, dass wir Laien sind."

Aufs Schnitzen folgt das Bemalen der Figuren und der Bau der eigentlichen Hauskrippe. Traditionell gestalten die Plößberger Landschaftskrippen mit Wurzelstämmen und Moos, manchmal nehmen sie einen halben Wohnraum ein. Die ältesten Exemplare stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals waren die Familien groß, und schon die kleinen Buben werkelten fleißig mit. Längst haben aber auch Frauen Gefallen am Schnitzen gefunden. Und an der Geselligkeit. "Zu unseren Abenden kommt auch eine Mama mit, die strickt und häkelt statt zu schnitzen", erzählt Siegfried Sollfrank.

Macht hoch die Tür ...:

24 Tage, 24 Türchen: Vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend öffnen wir täglich nicht nur ein Türchen, sondern gleich eine komplette Tür. Menschen aus der Region gewähren dann Einblick in ein "Reich", das ansonsten verschlossen ist. Hinter den Türen verbergen sich Bilder und Geschichten aus der gesamte Oberpfalz.

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