15.03.2019 - 09:14 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Poet mit Tiefgang

Statt sieben Jahren benötigte Go-Betweens-Mitbegründer Robert Forster „nur“ die Hälfte der Zeit, um mit „Inferno“ ein neues Solowerk einzuspielen.

Das Plattencover zu "Inferno" wurde 2018 in Caloundra, Queensland aufgenommen und zeigt Robert Forster entspannt auf dem Sofa.
von Autor MFGProfil

Robert Forster besitzt ja einen Bezug Region, denn der schlaksige Mann aus dem australischen Brisbane hat etliche Jahre zusammen mit seiner Oberpfälzer Ehefrau – der Violinistin und Sängerin Karin Bäumler – in der Nähe von Regensburg gelebt. Aktuell pendelt der selbst ernannte „traurige Dandy“ zwischen seiner Heimatstadt und der Metropole Berlin. An diesen beiden Orten entstanden die Songs für die neue Produktion. Geprägt sind sie von den Jahrhundertsommern, welche an den zwei Stätten anno 2018 herrschten. Forster kommt beim Gespräch nach wie vor ins Schwitzen, wenn er an die Entstehungsgeschichte von „Inferno“ (Tapete Records) denkt.

ONETZ: Wie kam es zum Albumtitel?

Robert Forster: Zunächst mal führe ich ein infernalisches Leben – kein Wunder, Karin und ich sind Eltern von zwei halbwüchsigen Kindern, das ist „Hölle pur“. (lacht) Spaß beiseite: Ich bin bereits im Mai vergangenen Jahres in der deutschen Landeshauptstadt angekommen, um die Platte zu finalisieren. Schon damals hatte es Tag für Tag 30 Grad und mehr. Nirgendwo Regen in Sicht. Dieser Umstand hat vor allem die Texte von „Inferno“ nachhaltig geprägt. Es ist eine merkwürdige Situation, wenn man sich den schweißtreibenden Kräften der Natur derart ausgesetzt fühlt.

ONETZ: Wenn man Ihrer Presseerklärung Glauben schenken darf, wollten Sie dieses Mal – noch mehr als sonst – „Klassiker mit unsterblichen Melodien“ komponieren. Sind Sie Ihrem Anspruch gerecht geworden?

In meinen Ohren schon. Ich denke und hoffe, dass man sich diese Songs auch in 50 oder 100 Jahren noch anhören kann, ohne dass sie einen emotional nicht berühren. Aber letztlich muss der geneigte Konsument entscheiden, ob diese Stücke für die Ewigkeit geschaffen sind.

ONETZ: Für Ihre Verhältnisse, der Sie auch Buchautor sind, finden sich auf „Inferno“ relativ wenige Worte. Wie kommt es?

Tatsächlich sollte die Musik im Vordergrund stehen, in aller ihrer Schönheit erstrahlen. Wobei die kargen Worte, die ich verwende, gerade durch ihre Reduzierung hoffentlich einen eigenen Reiz entfalten. Ich habe mich bemüht, keine Silbe zu viel an den Versen zu verschwenden.

ONETZ: Warum sind die neuen Lieder eigentlich in Brisbane und Berlin entstanden?

Das gleich vorweg: Beide Städte sind nicht meine Lieblingsorte auf diesem Planeten. Aber beide Metropolen sind spannend für mich. Die Grundideen für die Songs sind in meiner Heimat voran getrieben worden. Und dann mussten sie raus von dort, um ein kosmopolitisches Eigenleben zu erhalten. Wäre schön, wenn man dieser Platte eine gewisse Zerrissenheit anmerkt. Davon lebt sie neben ihren puren Melodien nämlich auch.

ONETZ: Neben Ihrer Gattin und dem langjährigen Vertrauten Scott Bromley, einem Multi-Instrumentalisten, sind erstmalig Schlagzeuger Earl Havin (Tindersticks, Mary J. Blige) und Keyboarder Michael Mühlhaus (Blumfeld, Kante) an Bord. Wie wichtig sind diese Mitstreiter für Ihren Sound?

Mir wurde schon mal nachgesagt, ich wäre ein „smarter Diktator“ im Studio. Nein, der bin ich nicht. Mein Anliegen ist es stattdessen, alle am Projekt Beteiligten bestmöglich zusammen zu bringen. Nur so kann etwas Magisch-Kreatives zwischen fünf Leuten entstehen. Die Funken müssen sprühen!

ONETZ: Wie werten Sie „Inferno“, den Gesamt-Kanon von Robert Forster betreffend?

Durch den Umstand, dass ich mir mittlerweile für jede neue Arbeit relativ viel Zeit nehme, wird sehr intensiv an den Sachen gefeilt. Ich gebe mich erst dann mit einem Werk zufrieden, wenn ich vollkommen damit zufrieden bin. Was die Texte betrifft, werde ich von Mal zu Mal autobiographischer, während ich früher eher kleine Geschichten erzählt habe. Trotzdem kriegt der Hörer höchstens 70 Prozent an Intimität von mir. Mehr geht nicht. Sonst bin ich bald leer geschrieben.

ONETZ: 2006 war völlig überraschend Ihr Go-Betweens-Mitstreiter und Seelenbruder Grant McLennan mit gerade mal 48 gestorben. Wie viel „Grant McLennan-Spirit” steckt in Ihrem Sound bis heute?

Den wird es immer geben! Grant war ein sanftmütiger, unendlich angenehmer Zeitgenosse. Ein Freund, wie ihn sich jeder sensible Kreative wünscht. Schon deshalb bin ich seinem künstlerischen Geist weiterhin verpflichtet.

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