Polizisten haben's schwer: Rechte Schafe aber auch

Erst Chemnitz, dann Hessen: Erneute Vorwürfe rechter Umtriebe in der Polizei. Polizisten sichern eine Demonstration der rechten Szene vor dem Karl-Marx-Denkmal.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Der Vorwurf wiegt schwer: Ein Schreiben an eine Anwältin, die NSU-Opfer vertritt, soll aus Polizeikreisen in Hessen stammen. Gedroht wird darin, deren zweijährige Tochter zu "schlachten". Unterzeichnet ist es mit "NSU 2.0.".

Nichts erschüttert das Vertrauen in den Staat stärker, als das Unrecht derjenigen, die vor Unrecht schützen sollen. Statistisch spricht viel dafür, dass die Polizei Spiegelbild der Gesellschaft ist. Es gibt bei ihr Anhänger der AfD und der Reichsbürger. Erschwerend kommt hinzu, dass Polizisten im beruflichen Alltag mit Bandenkriminalität, Drogengangs und Prostitution konfrontiert sind - bei sinkendem Respekt für Beamte.

Ausländer sind nicht krimineller als Deutsche. Aber Armut und Perspektivlosigkeit macht anfälliger für manche Delikte als ein Hochschulabschluss - unlautere Manager sind eher versucht, Steuern zu hinterziehen, als Schutzgeld beim Italiener zu erpressen. Mit der Folge, dass es Polizisten seltener mit Verbrechern in Nadelstreifen als in Ghetto-Hosen zu tun haben. Das prägt die Wahrnehmung. Deshalb hört man auch in Weiden so manchen Beamten über "Kanacken" schimpfen.

Heinrich Preßl, pensionierter Weidener Polizist, räumt ein: "Das rutscht schon mal raus wie früher Bauernfünfer." Normaler Sprachgebrauch dürfe es nicht sein. "Schwarze Schafe gibt's überall, aber beim Verdacht rechter Umtriebe rückt das LKA an", sagt der GdPler, "dann gehörst der Katz'!" Die Ausbildung sensibilisiere junge Beamte heute besser: Etwa mit Workshops in der Gedenkstätte Flossenbürg, wo der Unterschied zwischen Polizeiarbeit in der Demokratie und in der Diktatur deutlich werde. Gut so für eine rechtsstaatliche Bürgerpolizei!

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