04.02.2020 - 16:09 Uhr
PressathDeutschland & Welt

Weit entfernt vom romantischen Wiegeschritt

Trio Gabla begeisterte mit charakteristischer Tango-Musik beim Kulturkreis Pressath.

Die ergreifende Vielfalt des Tango Argentino präsentierte das Tango-Trio Gabla im Pressather Pfarrsaal mit großer musikalischer Spielfreude.
von Redaktion ONETZProfil

Das war ein Auftakt nach Maß im Kulturleben des Pressather Jubiläumsjahres: feurige Tango-Weisen, ein voller Pfarrsaal. Das Gabla-Tango-Trio bewegte durch hohes Niveau das Publikum zu "Sehnsucht, aber auch Hoffnung", brachte Richard Waldmann, neuer Vorsitzende des Kulturkreises Pressath und Kulturtreffs Kastl die von "Tango, Tango, Tango" geladene Stimmung auf den Punkt.

Trio-Gründer und Bandoneonist Norbert Gabla - er konzertierte vor 27 Jahren schon einmal in Pressath- vermittelte humorvoll eine neuartige Sichtweise auf die herkömmliche Vorstellung hörgewohnter Tango-Musik. Zu vergessen seien Wiegeschritt und die typisch deutsche, romantisch angehauchte Serenade mit den zackig-zickigen Schritten und Bewegungen eng umschlungener Paare nach dem Tanzschulen-Muster. Tango artikuliere sich enorm vielfältig im Metrum, in der Stimmung und werde zügig, gleitend wie auf Kufen getanzt, vereine Machogehabe und Grandezza gleichermaßen. Dabei versprühen die Abwandlungen fröhliche Milonga bis zum Walzer knisternd emotionale Funken oder traurig-ernste Gefühlsmomente durch abrupte Wechsel in Tempo und Rhythmusbewegungen. Einen Großteil der Interpretationen nahmen Eigenbearbeitungen ein: wehmütig, lyrisch "Alter Ukrainer", gefühlvoll "Juttl'es 3er" und die pfiffige "Romilonga" . Tatjana Kwint am Flügel stellte kraftvoll einen Tango als eine Art Intrada solo vor, Tobias Kalisch setzte seinen Kontrabass souverän nicht nur zum Streichen und Zupfen, sondern auch als Schlagwerk ein. Norbert Gabla holte aus seinem Bandoneon, das er sich nach eigenen Vorstellungen herstellen ließ, alles heraus, um die umfangreiche Gestaltungs- und Ausdrucksvielfalt mit zehn Fingern aus dem Balg und der filigraneren Zunge als beim Akkordeon aufzuzeigen.

An diesem Instrument brillierte er und erschloss dem staunenden Publikum den Geist des wahren Tangos mit vibrierendem Piano bis zum letzten Ton oder Trommeleffekten. Das war ergreifend und nachwirkend beim meditativen "Ave Maria" von Piazzolla im gebetsartigen "Tanti Anni Prima" sehr intensiv zu erleben.

Die Variantenreichweite der Tango-Musik mit ihren charakteristischen Gegensätzen repräsentierten weiterhin die schnelle Milonga "Nocturna" oder die tänzerische "Sambamilonga" und "Contrabajeando", temporeich im Duo von Bandoneon und Kontrabass gestaltet. Der Walzer "Desde el Alma" im Dreivierteltakt von Rosita Melo vermittelte eindrücklich den Liedtext über das Gutsein aus tiefster Seele. Für "Oblivion", die "schönste Tangoballade" von Piazzolla, lieferte der Kontrabass die ruhige Struktur, das Klavier untermauerte mit Akkorden und das Bandoneon vibrierte die Melancholie der Liedstimme feinsinnig.

Ebenso wenig fehlten die Klassiker "El Choclo" vom "Vater des kreolischen Tango", Angel Gregorio Villoldo, "La Cumparsita", "Inspiracion" und das durch den argentinischen Kultsänger Carlos Gardel berühmt gewordene "Mi Buenos Aires Querido", für das Norbert Gabla einen "funkigen" Mittelteil arrangiert hat.

Diese hochmusikalische Musiierfreude öffnete den Zuhörern einen Konzertgenuss, dem die Zugaben "Libertango" und das schmissige, lautmalerische "La Yumba" die nachhallenden Schlusspunkte setzten.

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