23.08.2018 - 17:40 Uhr
Deutschland & Welt

Provinz-Posse in Dresden: Erregung sächsischen Ärgernisses

Teilnehmer einer Demonstration der islamfeindlichen Pegida-Bewegung.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Natürlich hatte das ZDF-Team das Recht, nach § 23, Kunsturheberrecht, Pegida-Demonstranten in Dresden zu filmen - "Bilder von Versammlungen" sind vom Recht auf das eigene Bild ausgenommen. Natürlich offenbart der Mann mit Deutschland-Hut nicht gerade überragende analytische Fähigkeiten, beim Versuch, sich der Öffentlichkeit zu entziehen. Sicher, manchmal ist Angriff die beste Verteidigung. Nicht jedoch, wenn man auf eine laufende Kamera zuläuft.

Jetzt ist also klar: Der leicht reizbare Herr, der in bester Urlaubsstimmung Kameramann und Redakteur von "Frontal 21" anpöbelte, ist Gutachter für das Landeskriminalamt Sachsen. Dass sich während des Vorfalls sächsische Polizisten - höflich korrekt - bemüßigt fühlten, dem Anliegen des Demonstranten Folge zu leisten und ausgiebig die Legitimation der Journalisten zu prüfen, passt insgesamt ins Bild vom Rechtsdrall des Freistaats Sachsen.

Dennoch: Taugt jetzt jede Provinzposse für einen nationalen Erregungszustand, zu dem alles gesagt ist, nur nicht von jedem? Die "Heute Show" hat den Geist der Pegida bereits bis zum Erbrechen vorgeführt: "Ich würde nie sagen, jeder Kanacke ist schlecht", variiert eine junge Demonstrantin den allseits beliebten Spruch: "Ich bin kein Rassist, aber ..." Es stünde einem aufgeklärten Land wie Deutschland gut zu Gesicht, nicht jede Dummheit zur Staatsaffäre aufzubauschen - und umgekehrt nicht hinter jedem Vollbart den Untergang des Abendlandes zu vermuten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

A. Schmigoner

Jürgen Herda hat offensichtlich nicht die Brisanz dieses Themas erkannt. Das LKA prüft derzeit mögliche Verbindungen des LKA-Mannes zur rechten Szene in Freital, berichtete der MDR. Grund dafür sei, dass der Mann das ZDF-Team bei den Dreharbeiten zu der Demonstration gemeinsam mit dem Anführer der rechtsextremen Gruppe Freital, René S., gestört habe. Rene S. versuchte sogar die Kamera zu zerschlagen. Niemand hätte von dem etwas dicklichen, sächsischen LKA-Mitarbeiter Maik G. Notiz genommen, wenn er einfach weitergegangen wäre. Der LKA-Mann, der in einem Zug von Demonstranten auf dem Weg zu einer Protestkundgebung gegen den Besuch Angela Merkels bereits an der Kamera vorbeigelaufen war, bleibt plötzlich stehen, ruft mehrfach „Lügenpresse“ in Richtung der Kamera, kommt auf einmal schnurstracks zurück und verlangt, mit dem Filmen aufzuhören. Offensichtlich wollte Maik G. seinen Pegida-Freunden zeigen, welchen Einfluss er hat. „Kommen Sie mit zur Polizei!“, fordert der Mann, „Ich habe das Recht, Sie festzusetzen kurzzeitig.“ Der eigentliche Skandal liegt in der Reaktion der sächsischen Politiker: Der sächsische CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Kupfer hinterließ bei Facebook die Nachricht: „Öffentlich rechtliche...dafür zahlen wir Beiträge.“ Der „Sächsischen Zeitung“ erklärte Kupfer, er halte den ZDF-Beitrag für „sehr einseitig und tendenziös“. Abfällig über die Reporter äußerte sich auch MP Kretschmer.

24.08.2018