18.04.2019 - 13:07 Uhr
Deutschland & Welt

Radikal zeitgemäß: Bauhaus-Ausstellung in Selb

Im Rosenthal-Werk am Rothbühl in Selb zeigt eine Ausstellung zum Bauhaus-Jubiläum nicht nur das Leben von Walter Gropius - Besucher bekommen auch einen Einblick in sein Schaffen: Von Architektur bis Teeservice.

von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Walter Gropius gründete 1919 das Staatliche Bauhaus als Experimentierstätte für ganzheitliches Design in Weimar. Als eines seiner architektonischen Spätwerke gilt das Rosenthal-Werk am Rothbühl (Selb, Kreis Wunsiedel). Genau dort zeigt die Ausstellung "Radikal zeitgemäß" nun zum 100. Geburtstag der Bauhaus-Bewegung die visionären Denkansätze des Architekten Gropius.

Das beste Beispiel dafür: Das Teeservice TAC. Gropuis designte es 1968 für Rosenthal. "Bei uns und weltweit ist TAC eine der bestverkauften Porzellanserien", sagt Rosenthal-Pressesprecherin Iris Reichenstein. Für den Ausstellungsteil "TAC goes China" haben Studenten aus Bejing das Teeservice auf ihre Art und Weise interpretiert - zum Beispiel mit traditionellen Tuschezeichnungen, Lackkunst oder dem Taihu-Stein als Kunstelement.

Robert Suk, Leiter des Rosenthal Creative Centers, ist Gastprofessor der Universität in Beijing. Mit seiner Keramikklasse machte er es sich zur Aufgabe, das Teeservice TAC, wie er sagt, "ins Heute zu übersetzen". Die Studenten setzten sich intensiv mit dem Thema Bauhaus auseinander, um schließlich ihre eigene Interpretation in das Teeservice einfließen zu lassen. "In Asien gilt ein anderer Begriff von Kunst und Design. Das Handwerk wird dort noch viel mehr geschätzt als beispielsweise bei uns", erklärt Suk. Auch sei die Tee-Tradition dort ganz anders verankert. "Wir haben hier versucht, aus dem Alten zu lernen und einen Teil davon in die Zukunft zu übertragen", sagt Robert Suk. "Nicht nur bei 'TAC goes China', nein, bei der ganzen Ausstellung haben wir aus dem Wissen der Vergangenheit geschöpft und versucht, die Vision des Bauhauses in die Zukunft zu transportieren."

Bauhaus in die Zukunft gedacht hat auch Bethan Laura Wood. Die englische Designerin, die sonst Möbel, Schmuck, Leuchten und Teppiche für Hersteller wie Hermes oder Moroso entwirft, hat sich für Rosenthal an das Teeservice TAC gewagt - und damit auch das erste Mal mit Porzellan gearbeitet. Sie entwarf einen grafischen Dekor, inspiriert von den Webarbeiten von Anni und Josef Albers. Bunt, modern und stilvoll.

Thema der Ausstellung ist auch Gropius' Vision für die Stadt Selb, der er einen Stadtplan entworfen hat - der nie umgesetzt wurde. Außerdem ein Exkurs in das "neue Wohnen der Generation Z": vertikal, visionär, grün und vor allem praktisch.

Beim Schlendern durch den von Gropius einst als modernes Großraumbüro entworfenen Ausstellungsraum gibt es neben verschiedenen Zukunftsvisionen für das Teeservice TAC viel zu entdecken: Zum Beispiel ein Legomodell des Rosenthal-Baus - mit rosa Pinguinen und einem Lego-Elefanten vor dem Eingang - oder den (wegen einer verlorenen Wette) von Gropius designten (aber nie gebauten) Schweinestall für Rosenthals Schwein "RoRo".

Sogar ein Ausflug in den Kopf von Walter Gropius ist möglich - via Virtual Reality. Mit einer VR-Brille vor den Augen entscheidet der Besucher per Blicksteuerung, wie der Rundgang durch das denkmalgeschützte Werk am Rehbühl verlaufen soll. Der Film will dem Besucher nicht nur einen Rundgang ersetzen, er soll auch zeigen, was Walter Gropius gedacht und wie er es in der Gestaltung schließlich umgesetzt hat. Radikal zeitgemäß eben.

Service:

Ausstellung: „Radikal zeitgemäß – Rosenthal loves Bauhaus“ bis 28. September

Ort: Rosenthal am Rothbühl, Geheimrat-Rosenthal-Straße 71, 95100 Selb

Öffnungszeiten: Jeden Samstag von 10 bis 16 Uhr, für Gruppen auch auf Anfrage, Eintritt frei

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