27.08.2021 - 12:29 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

40 tschechische Bahnhöfe in 14 Tagen

Tschechien hat nicht jeder als Urlaubsland auf dem Schirm. Der Regensburger Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol (Grüne) ist zwei Wochen mit dem Zug durch das Land gefahren – und schwärmt von Gastfreundschaft und bester Internetverbindung.

Jürgen Mistol ist Tschechien-Fan. Auf seiner Zugreise lernte er das Land noch besser kennen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Jürgen Mistol ist schon länger Tschechien-Fan, reiste seit der Wende immer wieder dorthin. In diesem Jahr stieß sein Mann auf den Sommer-Pass, der in Tschechien im Juli und August angeboten wird. Für günstige 46 Euro können Fahrgäste zwei Wochen (für 31 Euro eine Woche) lang alle Züge der tschechischen Eisenbahn – Privatbahnen ausgeschlossen – nutzen. Das Paar entschloss sich, den Sommerurlaub auf einer Zugreise durch das Nachbarland zu verbringen. Es startete in Litoměřice und entschied dann spontan, wann und wo es weiter gehen soll. Übernachtet wurde in Hotels.

Es folgten Stationen in Hrubá Skála, Ramzová, Opava und Brno. Während der Zugfahrten blickte Mistol gerne auf die vorbeifahrende Landschaft und ließ die Gedanken schweifen. „Es war ein Entschleunigungsprogramm“, sagt der Landtagsabgeordnete. Schön fand der 56-Jährige, dass er im Zug schnell ins Gespräch kam, mit dem Zugbegleiter, anderen Fahrgästen oder dem mobilen Snackverkäufer. „Das passiert im Auto nicht.“ Dass er kaum Tschechisch spricht, war kein Problem. Die Tschechen seien sehr freundliche, gastfreundliche Menschen, die Wege finden, die Sprachhürde zu überwinden.

Phänomenale Netzabdeckung

Das Paar wanderte viel, besuchte Schlösser, Burgruinen und Aussichtstürme. Einen Tag verbrachte es in der Gedenkstätte Theresienstadt. Aufgefallen ist Mistol die gute touristische Infrastruktur. Die sei teils besser als in der Oberpfalz. Entlang touristischer Routen stünden stets Kioske bereit, viele Biergärten lockten zum Verweilen. Und: „Die Netzabdeckung ist phänomenal.“ Man könne an so gut wie jedem Ort online sein. Die Umgewöhnung erfolgte auf der Rückreise. „Als kein Netz mehr da war, wusste ich, dass wir die Grenze nach Deutschland überschritten hatten“, erzählt Mistol.

Für den Landtagsabgeordneten war die Reise eine Pause von der Politik. Auch in Tschechien stehen Wahlen an: Im Oktober werden die Mandatsträger des Abgeordnetenhauses neu bestimmt. Außer ein paar Wahlplakaten hat Mistol davon aber nicht viel mitbekommen. Was er mitnimmt: „Tschechien ist ein Land, in dem es ein bisschen langsamer zugeht als bei uns, ein Land, in dem man sich sehr gut erholen kann.“ Das finden auch die Tschechen selbst. Sie machen gerne im eigenen Land Urlaub, hat Mistol beobachtet. Rucksacktouristen, darunter viele junge Leute, würden mit Zug und kleinem Gepäck das Land erkunden.

Bahn mit hohem Stellenwert

Der Grünen-Politiker erzählt, dass im tschechischen Schienennetz viel gebaut wird. Mehrere Baustellen sorgten dafür, dass er und sein Mann auf den Schienenersatzverkehr ausweichen mussten. Auch in Bahnhöfe werde investiert. Es gebe alte, gut funktionierende Schienenbusse, aber auch viele neue Züge. „Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Bahn einen höheren Stellenwert bei den Menschen und der Politik hat als bei uns.“

Mistol würde eine Reise nach Tschechien jederzeit wärmstens empfehlen. Wer sich nicht sicher ist, könne es zwei, drei Tage ausprobieren. „Es liegt ja so nah.“ Während seiner Zugreise postete Mistol fast 40 Bilder von tschechischen Bahnhöfen, an denen er umstieg oder vorbeifuhr, auf Twitter. Dabei folgten ihm nicht wenige Interessierte. Eine Frau schrieb ihn im Anschluss an – und bedankte sich dafür, dass sie zwei Wochen mit durch Tschechien reisen durfte.

Zugunglück in Tschechien

Furth im Wald im Landkreis Cham
Im Zug kommt man leicht mit anderen Leuten ins Gespräch. Das gefällt Jürgen Mistol, hier am Bahnhof Jeseník.
HINTERGRUND:

Zur Person

  • Jürgen Mistol wurde 1965 in Regensburg geboren. Nach Abitur und Zivildienst absolvierte er eine Ausbildung zum Krankenpfleger.
  • 1991 wurde er Mitglied bei den Grünen. Ab 1998 leitete er das Büro einer Landtagsabgeordneten, bevor er 2013 selbst in den Bayerischen Landtag gewählt wurde.
  • Seit 2018 fungiert Mistol als Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion
  • seit 2019 ist er Koordinator für die Zusammenarbeit des Bayerischen Landtags mit der Abgeordnetenkammer des Parlaments der Tschechischen Republik.

 

 

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