19.07.2019 - 15:37 Uhr
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Austritte: Regensburg mit niedrigster Quote

Eine ganze Großstadt wie Erlangen ist weg. 113000 bayerische Katholiken und Protestanten weniger haben die Kirchen Ende 2018 registriert. Beim überwiegenden Teil, nämlich rund 90000 Menschen, war es ein bewusster Austritt.

Die evangelische und katholische Kirche in Deutschland haben im Jahr 2018 weiter Mitglieder verloren. Die Zahl der Protestanten ging um etwa 395.000 zurück, die Zahl der Katholiken sank um knapp 309.000.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Bei den Katholiken in Bayern waren es 62246, so viele wie noch nie (Vorjahr: 48 377). Schwacher Trost für das Bistum Regensburg: Es verzeichnet im Vergleich aller sieben katholischen Diözesen die niedrigste Austrittsquote. Sie liegt bei 0,7 Prozent. Rund 1,16 Millionen Katholiken leben im Bistum Regensburg, 8321 haben 2018 die Kirche verlassen.

Die Evangelische Landeskirche betont zudem, dass Deutschland nach wie vor ein christlich geprägtes Land sei. In Bayern gehören zwei Drittel der Bürger einer der beiden großen Kirchen an. Aber auch bei den bayerischen Protestanten lag die Zahl der Austritte mit 27673 deutlich höher als im Vorjahr (23647). Deutschlandweit verloren die beiden großen Kirchen zusammen etwa 660000 Mitglieder.

Mit Bestürzung und dem Willen zu Veränderungen haben Bayerns Kirchenleitungen auf den neuen Höchststand an Austritten reagiert. Die Abkehr von der Kirche wird von vielen Bischöfen auf die 2018 veröffentlichte Missbrauchsstudie zurückgeführt. Die höchste Austrittsquote in Bayern trifft die Landeshauptstadt München, gefolgt von Eichstätt, dessen Bistum von einem Finanzskandal erschüttert wurde. Bambergs Erzbischof Ludwig Schick sieht als tieferliegende Ursache zudem eine zurückgehende Kirchenbindung, der mit guter Seelsorge und missionarischem Wirken begegnet werden könnte. "Wir müssen die Statistik als Weckruf betrachten." Immer wieder ist von Entfremdung die Rede.

"Bleiben Sie! Bringen Sie sich ein, ringen Sie mit Ihrer Kirche", appellierte der Passauer Bischof Stefan Oster. Im Bistum Regensburg ist wie schon 2018 ein "Austrittstelefon" besetzt worden. Über den Sommer bis 31. August stehen vier Vertreter der Diözese für "offene Gespräche" bereit, darunter der Tirschenreuther Pfarrer Georg Flierl. Das Bistum Regensburg will damit auch signalisieren: Die Tür steht immer offen.

Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strom unterstrich einen positiven Aspekt: Trotz der um 4000 gestiegenen Austrittszahl hätten sich 2018 in Bayern mehr Menschen - über 150 000 - in seiner Kirche ehrenamtlich engagiert. Auch habe es 1400 Gottesdienste mehr gegeben. "Das macht mir Mut." Seite 9

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