07.07.2021 - 09:20 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Autorenpaar hält Thriller-Fans in Atem

Hilde Artmeier und Wolfgang Burger sind Krimi-Autoren, verheiratet und veröffentlichen ihren zweiten gemeinsamen Roman. Sie verraten, wie das Schreiben zu zweit klappt – und wann das Buch im Privatleben kein Thema mehr sein darf.

Hilde Artmeier lebt seit Jahrzehnten in Regensburg. Aus Liebe zu ihr ist Wolfgang Burger ebenfalls in die Stadt an der Donau gezogen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Wer durfte den ersten Satz im neuen Thriller „Schmutziges Gift“ schreiben? Es war Wolfgang Burger, die komplette erste Passage ist von ihm. Der Beginn sei actionreich, das sei eher sein Metier, sagt Burger. „Nicht immer“ widerspricht Hilde Artmeier prompt. Auch in ihren Szenen komme Action vor, aber technische Details wie am Anfang des Buches überlasse sie gerne ihrem Mann. Die beiden lachen. Kleine Kabbeleien können sie gut ab. Über Meinungsunterschiede müsse man sprechen, sagen beide – sonst sei das gemeinsame Schreiben unmöglich.

Die beiden Autoren gehen beim Erschaffen ihrer Werke strukturiert und diszipliniert vor. „Da ist schon viel Handwerk dabei“, sagt Burger. Der 68-Jährige hat mit seiner Romanreihe über den Heidelberger Kripochef Alexander Gerlach bereits eine Erfolgsreihe erschaffen, etliche seiner Bücher standen für mehrere Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Hilde Artmeier, 56, hat sich insbesondere mit ihrer Krimireihe um die Regensburger Privatermittlerin Anna di Santosa einen Namen gemacht.

2019 veröffentlichte das Autoren-Ehepaar, das teils in Regensburg und teils in Burgers alter Heimat Karlsruhe lebt, dann sein erstes gemeinsames Buch – den Thriller „Gleißender Tod“ über das notorisch erfolglose Ermittlerpaar Marc van Heese und Linda Wanzl. „Schmutziges Gift“, das am 2. August erscheint und als E-Book bereits jetzt erhältlich ist, ist der Nachfolgeroman. Marc und Linda werden darin in einen aufwändig vertuschten politischen Skandal verwickelt, der mit einer verschwundenen britischen Atomrakete begann und seither vielen Menschen das Leben gekostet hat.

Das Thriller-Schreiben ist für beide eine besondere Erfahrung. „Es macht Spaß, die Sau rauszulassen“, sagt Wolfgang Burger. Bei Krimis gelte die Regel, dass alles, was passiert, zumindest möglich ist. Man versuche, nah an der Lebenswelt der Leser zu bleiben. Im Thriller hingegen könne man auch mal „fröhlich spinnen“, in das Flair der großen, weiten Welt eintauchen. Das sei schon ein gewisser Aspekt von Freiheit, fügt Artmeier hinzu.

Aber wie funktioniert das gemeinsame Schreiben überhaupt? „Grob schreiben wir den Roman je zur Hälfte“, erklärt Artmeier. Ihr Mann übernehme überwiegend die Passagen, die aus männlicher Perspektive geschrieben sind, in „Schmutziges Gift“ also aus Sicht von Marc – und sie die von Linda. Zunächst überlegt sich das Paar gemeinsam den Plot. Einer beginnt, ein Exposé zu schreiben, das der andere dann überarbeitet. In einer Art Pingpong-Spiel geht es so weiter, bis die Handlung steht. Dann legen die Autoren einen Szenenplan an. „So akkurat wie möglich“, sagt Burger. „So können wir parallel schreiben, weil jeder an seinen Szenen arbeitet“, erklärt Artmeier.

Nebenbei lesen sie gegenseitig die fertigen Szenen des anderen und machen Anmerkungen. Die wichtigste Regel: Anregungen darf man machen, ändern darf man am Text des anderen nichts. In der gemeinsamen Kaffeepause am Vormittag tauschen sie sich über das Geschriebene aus. „Da geht es manchmal schon hoch her“, erzählt Burger. Nicht immer hält es Hilde Artmeier bis zur Kaffeepause aus. Dann steht sie an der Arbeitszimmertür ihres Mannes: „Ich muss dich mal stören…“

Aber: Einen richtigen Streit hat es wegen der Romanhandlung noch nie gegeben, sagen beide. Letztlich gehe es beiden um die Geschichte, da hätten persönliche Eitelkeiten keinen Platz. Und konstruktive Kritik müsse man einfach annehmen können. Einig sind sie sich, dass neben dem eigentlichen Fall auch die komplizierte Beziehung ihrer Hauptfiguren Linda und Marc ausreichend Platz bekommen soll. „Es ist für uns beide eigentlich der spannendste Teil, was die Geschichte mit den Menschen macht“, sagt Burger. Artmeier nennt den Roman ein Nischenprodukt zwischen Thriller, Roadmovie und Liebesgeschichte.

Gibt es die Gefahr, dass das gemeinsame Buch zu sehr ins Privatleben hineinschwappt? „Es gibt schon mal den Punkt, an dem wir sagen, jetzt müssen wir über etwas anderes sprechen“, erzählt Artmeier. Burger berichtet von einem Schwedenurlaub, bei dem die beiden nur noch über ihr gemeinsames Buch redeten. „Da haben wir uns gezwungen, das aufzuhören“. Überhaupt waren die vergangenen Jahre arbeitsreich. In eineinhalb Jahren veröffentlicht das Paar insgesamt fünf gemeinsame und eigene Bücher. Corona hält die beiden nicht vom Schreiben ab, nur Lesungen gibt es derzeit weiterhin wenige. Die Lust am gemeinsamen Schreiben lässt beide nicht los. Aktuell arbeiten sie bereits an einem neuen Buchprojekt im Krimibereich – und wieder schreiben sie zu zweit.

HINTERGRUND:
  • Der Thriller „Schmutziges Gift“ von Wolfgang Burger und Hilde Artmeier, 400 Seiten, 9,99 Euro, erscheint am 2. August im Knaur Verlag. Als E-Book ist der Roman bereits jetzt erhältlich.
  • Hilde Artmeier wuchs in Oberbayern auf, absolvierte ein Biologiestudium in Regensburg und eine Sprachausbildung in Nürnberg. Nach vielen Jahren in der Industrie und als Übersetzerin arbeitet die Mutter zweier erwachsener Kinder heute als freischaffende Autorin in Regensburg. Sie ist in zweiter Ehe mit Wolfgang Burger verheiratet.
  • Wolfgang Burger, geboren im Südschwarzwald, leitete eine Forschungsabteilung am Karlsruher Institut für Technologie, bevor er 1995 begann, Kriminalromane zu schreiben. Bücher seiner Kommissar-Gerlach-Krimireihe standen über Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Der Vater dreier erwachsener Kinder lebt heute in Regensburg und Karlsruhe.
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