13.02.2020 - 15:00 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Bambergs begeisternde Musik-Botschafter

Die Bamberger Symphoniker bei den Odeon Concerten! Eine Einladung dieses Spitzenorchesters war überfällig. Sein famoser Chef Jakub Hrůša hatte Beethoven und Dvořák aufgelegt, die superbe argentinische Cellistin Sol Gabetta spielte Elgar.

Der herausragende junge Dirigent Jakub Hrůša und die Bamberger Symphoniker bilden seit 2016 eine beglückende musikalische Lebensgemeinschaft!
von Peter K. DonhauserProfil
Die vorzügliche Cellistin Sol Gabetta ist weltweit unterwegs und engagiert sich auch in den Medien für Musik ("KlickKlack", mit Martin Grubinger, Bayerisches Fernsehen)

Schon vor dem ersten Ton überträgt sich seine bemerkenswerte Ausstrahlung auf Auditorium und Orchester, wenn Jakub Hrůša konzentriert und dynamisch wie ein Energiebündel zum Dirigentenpult eilt. Tiefschwarzes f-Moll in spanischem Sarabanden-Rhythmus (mit sinnreicher Finesse phrasiert) eröffnet Beethovens Ouvertüre zu Goethes Schauspiel „Egmont“ op. 84. Dessen Thema ist der Aufstand der Niederlande gegen die spanische Fremdherrschaft (1566), Egmont fällt, seine Freiheitsidee siegt - 1810 ein aktuelles Thema in Wien (Österreich / Napoleon). Die kontrastierende Herausarbeitung von Beethovens kraftstrotzendem Revolutions- und herzerwärmendem Humanitätsklang, von bitter-grimmigem Ernst und strahlender, aber nicht lärmender Siegesgewissheit hat man selten so plastisch, so "aufgeklärt", so differenziert gehört.

Große Cello-Kunst

Edward Elgars (1857-1934) Cellokonzert e-Moll op. 85 wurde erst 1965 dank Jaqueline du Pré (typisch ihr zupackendes Spiel, ihr herber Ton) heimisch auf den Konzertpodien. Komponiert 1919 als sein letztes Orchesterwerk erinnert es an den Ruhm des britischen Empire in der viktorianischen Epoche. Das einleitende Cello-Rezitativ skizziert den Typus des noblen „Englishman“ im 19. Jahrhundert. Sol Gabetta (38) – eine der Großen ihres Fachs - trifft diesen Charakter auf den Punkt, sie spielt mit aristokratischer Würde, nicht hemdsärmelig-nassforsch. Kultivierter Esprit, ein „jolly good Fellow“ begegnet uns im Allegro molto. Mühelos und elegant serviert die Cellistin die prickelnde Spritzigkeit der springenden Bogenstriche. Nur 60 Takte umfasst das traurig-resignative Adagio. Gabetta gelingt das Kunststück, dieses mit suggestiver Spannung, sinnlich aber nicht fiebrig oder schwülstig darzustellen. Licht und Schatten, das Verblassen des Empire bestimmen den wendig gestalteten Schlusssatz. Immer (auch im Pianissimo) ist Gabettas edler Ton präsent, die Bamberger erweisen sich als Meister einfühlsamen Begleitens, statuieren ein Exempel an Musik-Teamwork. Jubel, als Zugabe „El Cant dels ocells“ (Gesang der Vögel, nach Pau Casals), die Solistin mit der ausnehmend feinsinnigen Cellogruppe.

Große Gefühle

Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70 wird zum Heimspiel des tschechischen Dirigenten. Ernst, Majestät, Lieblichkeit im Allegro. Unschuldig-feierlich der Holzbläserchoral im Adagio. Bewundernswert der seidig-warme Streicherklang, das weiche Holz, das glänzende Blech. Auch im Tutti-Getümmel ist der Gesamtklang glasklar. Seismographisch sensibel wechseln blitzschnell Tempi und Stimmungen. Faszinierend, wie Jakub Hrůša (38) jedes Detail gestaltet, einen Klangfarben-Rausch anstiftet. Das luftig und heiter anhebende böhmisch inspirierte Scherzo legt wie ein ekstatischer Tanz verborgene Gefühle frei. Bebende Intensität im Finale, ein großer Abend!

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