17.06.2020 - 11:22 Uhr
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Belastung für Mütter: Mit Mundschutz durch die Geburt

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Die richtige Atmung spielt bei der Entbindung eine wichtige Rolle. Doch wie klappt das Veratmen der Wehen mit Mundschutz? Eine Regensburger Mutter erzählt von Strapazen im Kreißsaal.

Mit Mundschutz, aber bis zur Geburt ohne den Mann an der Seite: Werdende Mütter sehen sich aktuell in der Ausnahmesituation einer Geburt noch zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Im Bild ein Kreißsaal.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Vorfreude auf das erste Kind war groß. Die 37-jährige Frau aus Regensburg hatte im Schwangerschafts-Yoga und in einem Geburtsvorbereitungskurs Atemtechniken gelernt, um die Wehen besser veratmen zu können. Doch dann kam alles anders: Wegen Corona musste sie beim Entbinden einen Mundschutz tragen - und hatte das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen.

"Ich konnte gar nicht das umsetzen, was ich in den Vorbereitungskursen gelernt habe", erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. "Das war eine richtige Blockade." Es war ein warmer Tag Mitte März, als sie mit Wehen in ein Regensburger Krankenhaus kam. Die Corona-Fälle waren zu dieser Zeit stark ansteigend, Deutschland ging in den Lockdown. Durch leere Krankenhausgänge eilte die 37-Jährige zum Kreißsaal. Dort musste sie sofort einen Mundschutz aufsetzen - und durfte ihn bis zur Geburt ihres Sohnes nicht mehr abnehmen.

"Ich fand, das geht gar nicht"

"Das war ein Schockmoment", berichtet sie. "Ich fand, das geht gar nicht. Ich schwitzte und der Mundschutz klebte gleich nach dem Umbinden wie ein Blatt Papier vor dem Mund." Die Wehen wurden stärker und die Frau versuchte, den Mundschutz etwas von der Nase herunterzuschieben. "Dann haben ihn mir Hebamme oder Arzt aber gleich wieder nach oben geschoben." Das Personal sei sehr bedacht darauf gewesen.

Als es in Richtung Geburt ging, stockte der Prozess. "Ich hatte irgendwann einfach keine Luft mehr, fühlte mich gebremst durch die Maske", erzählt die Erstgebärende. Die Ärzte hätten ihr Sauerstoff und Lachgas gegeben, damit sie sich etwas erholt. "Der Oberarzt hat alles probiert, dass das Kind auf natürlichem Weg kommt." Doch dann wurden die Herztöne des Kindes schlechter, nach neun Stunden im Krankenhaus kam es zum Not-Kaiserschnitt. Mutter und Kind überstanden den Eingriff gut. Nach drei Tagen im Krankenhaus durften sie bereits nach Hause.

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Dennoch: Die Entbindung hatte sich die frischgebackene Mutter anders vorgestellt. Stundenweise war sie ganz allein, weil ihr Mann nur zur eigentlichen Geburt zugelassen war und sich die Hebammen auch um andere Frauen kümmern mussten. "Das habe ich als verstörend empfunden, mir hat eine Unterstützung gefehlt." Auch andere Hilfsmittel wie ein Pezziball, eine Schlinge zum Festhalten oder eine Badewanne fehlten coronabedingt.

Hebammenverband gegen Zwang

Beim Deutschen Hebammen-Verband ist die Problematik einer Maskenpflicht im Kreißsaal bekannt. Mitte Mai reagierte der Verband mit einer Stellungnahme, in der er darauf hinweist, dass Gebärende nicht zum Mundschutz-Tragen gezwungen werden sollten. Unter der Geburt sei es für die Schmerzerleichterung und die Verarbeitung der Wehen sehr wichtig, dass die Gebärende gut und frei atmen kann, heißt es darin. Mit Mund-Nase-Schutz sei dies nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Der Verband plädiert deshalb dafür, Schwangere vor der Entbindung auf Covid-19 zu testen, um das Risiko einer Ansteckung besser einschätzen zu können. Zudem müssten den Hebammen und Ärzten ausreichend Schutzkleidung zur Verfügung gestellt werden. Einen Mund-Nase-Schutz sollten die Gebärenden nur tragen, "wenn und solange sie dies toleriert".

Schutzmaske: Flexibilität vor allem für Phase der Presswehen

Mittlerweile ist dieses Vorgehen auch an den beiden Regensburger Kliniken, an denen Geburten stattfinden, Standard. Das erklärten die Häuser auf Nachfrage unserer Zeitung. Grundsätzlich bestehe im Kreißsaal zwar eine generelle Mund-Nasen-Schutz-Pflicht, um die Sicherheit für die Patienten und Mitarbeiter zu gewährleisten, teilt Sabine Beiser, Geschäftsführerin der Klinik St. Hedwig, mit. Wenn die Gebärende den Mund-Nasen-Schutz aber nicht tolerieren kann, erfolge die Geburt ohne ihn. Die Mitarbeiter würden dann zu FFP2-Atemschutzmaske, Schutzbrille und Schutzkittel greifen. Die Flexibilität bestehe insbesondere für die Phase der Presswehen. Zudem würden alle aufgenommenen Patienten auf Covid-19 getestet, allerdings liege das Ergebnis nicht sofort vor.

Für das Caritas-Krankenhaus St. Josef erklärt Sprecherin Katja Vogel: "Wir bitten die Mütter bei Betreten der Klinik und zu Beginn der Geburt, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und zu versuchen, die Maske möglichst lange zu tragen." Sobald die Wehen sehr stark werden und die Geburt kurz bevorsteht, fühlten sich manche Frauen durch die Maske jedoch bei der Geburt gestört. "Dann nehmen sie die Masken ab, was wir auch nicht verhindern." Die Mitarbeiter würden dann FFP2-Schutzmasken tragen.

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