13.08.2019 - 18:50 Uhr
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Bodycams bei der Polizei Oberpfalz im Einsatz

Bodycams sollen Oberpfälzer Polizeibeamte schützen und bei Gerichtsverfahren für Aufklärung sorgen. Denn immer öfter werden Polizisten im Dienst Opfer von Gewalt.

Für Polizistin Sonja Meindl ist die Bodycam ein „Super-Einsatzmittel“.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Sie sind knallgelb, blinken und piepsen im Einsatz: Ab sofort können Oberpfälzer Polizisten im Streifendienst auf sogenannte Bodycams zurückgreifen. Die Kameras, die die Beamten ungefähr auf Brusthöhe an ihrer Uniform tragen, kommen vor allem in Konfliktsituationen zum Einsatz. Hauptziel ist es, die Polizisten vor Gewalttaten zu schützen.

Polizeirat Manfred Vormittag (von links), Polizeipräsident Norbert Zink und Pressesprecher Florian Beck stellten das Konzept der Bodycam vor.

Der Oberpfälzer Polizeipräsident Norbert Zink setzt große Hoffnungen in die Bodycams. Bis vor kurzem war Zink noch Polizeivizepräsident in Schwaben Nord und bekam den Pilotversuch für die Körperkameras im Augsburger Stadtgebiet hautnah mit. „Allein schon durch das Anschalten der Geräte erhoffen wir uns eine deeskalierende Wirkung, so dass ein Einsatz ohne Gewalt zu Ende gehen kann“, sagte Zink am Dienstag bei einem Pressegespräch zur oberpfalzweiten Einführung der Bodycams. Im März hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den Einsatz der Kameras in ganz Bayern freigegeben.

Ein Kommentar zu den Bodycams

Oberpfalz

Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Der Hintergrund für die Einführung ist ernst. In den vergangenen Jahren hat die Gewalt gegen Polizisten im Freistaat stetig zugenommen. Bayernweit stieg die Zahl der Fälle im vergangenen Jahr um 4,8 Prozent auf 7689. Seit Ende Juli werden alle nun 39 Schutz- und Verkehrspolizeiinspektionen der Oberpfalz mit insgesamt 111 Körperkameras ausgestattet. Jeder Dienststelle stehen dann einige Geräte zur Verfügung. Ob sie die Bodycams auf der Streife einsetzten wollen, liegt an den Beamten selbst. „Wir zwingen niemanden“, sagte Polizeirat Manfred Vormittag, der für die Einführung zuständig ist. Das Feedback der Beamten sei aber bislang positiv. 400 Polizisten seien bereits beschult worden.

Aufnahmen nach 21 Tagen automatisch gelöscht

Die Polizisten Sonja Meindl und Stefan Iglhaut demonstrierten, wie die Bodycam eingesetzt wird und die entstandenen Aufnahmen am Laptop ausgewertet werden.

Die Handhabung der Körperkameras ist simpel. Die Beamten können das Gerät entweder komplett ausgeschaltet an sich tragen oder im Stand-by-Modus. Erst wenn der Polizist die Bodycam dann ganz einschaltet, filmt sie mit. Im Stand-by-Modus werden auch die 30 Sekunden vor dem Anschalten angezeigt. „Oft ist dann bereits etwas passiert“, erklärte Zink. Die Aufnahmen werden in der Polizeistation auf einem Server hinterlegt, nach 21 Tagen werden sie automatisch gelöscht. Wird das Video für ein Gerichtsverfahren benötigt, kommen die Aufnahmen auf eine DVD, um sie länger zugänglich zu machen.

Auffällig und laut

Dass die Bodycam knallgelb leuchtet, ist Absicht: Mögliche Täter sollen allein durch ihren Anblick möglichst davon abgehalten werden, gegenüber einem Beamten aggressiv zu werden. Dazu piepst das Gerät laut, wenn es angeschaltet wird. Die Polizisten kündigen außerdem verbal an, dass sie die Starttaste drücken. Im besten Fall nehmen die Bodycams also harmlose Bilder von Polizeieinsätzen auf, bei denen die Gewalt nicht eskaliert.

Es sei in bestimmten Situationen möglich, dass unbeteiligte Passanten auf den Aufnahmen zu sehen sind, räumte Zink auf Nachfrage ein. Durch die Neufassung des Bayerischen Polizeiaufgabengesetzes sei das möglich. Der Aufnahmeradius liege allerdings bei nur drei, vier Metern. Aus seiner Zeit in Augsburg berichtete Zink von positiven Erfahrungen mit den Bodycams. Die Körperkameras brächten nicht zuletzt eine gewissen „Waffengleichheit“ mit sich. Oft seien bei Einsätzen mehrere Handykameras von Privatleuten auf die Polizisten gerichtet. Mit den Bodycams hätten die Beamten nun die Möglichkeit, eigene Aufnahmen zu machen. Eine wissenschaftliche Begleitung des Pilotprojekts kam zu dem Schluss, dass jede vierte Einsatzsituation, bei der eine Bodycam genutzt wurde, deutlich deeskalierend wirkte – und der Schutz der Polizisten damit erhöht wurde.

Gewalt gegen Polizisten in der Oberpfalz:

In der Oberpfalz gab es 2018 mit 647 um 6,6 Prozent mehr Gewalttaten gegen Polizeibeamte als im Vorjahr. 1475 Oberpfälzer Polizisten waren betroffen – also jeder zweite. Die meisten von ihnen wurden im uniformierten Streifendienst Opfer von Gewalt, erklärte Polizeipräsident Norbert Zink. 214 Beamte wurden körperlich verletzt, drei schwer. „Das sind Zahlen, die in meinen Augen sehr bedenklich sind“, sagte der Polizeipräsident. Die Täter seien zu 90 Prozent männlich und zu fast 70 Prozent zur Tatzeit alkoholisiert gewesen oder hätten unter dem Einfluss anderer berauschender Mittel gestanden. Typische Orte für solche Vorfälle seien Verkehrskontrollen auf der Straße oder Personalienfeststellungen auf öffentlichen Plätzen. Bei 40 Prozent der Fälle handle es sich um Beleidigungen. Bei einem Drittel gebe es körperliche Gewalt gegen die Einsatzkräfte. In 15 Prozent der Fälle würden sich Menschen massiv gegen einen Polizeieinsatz wehren.

So geschehen jüngst in Weiden: In der vergangenen Woche hatte ein 18-Jähriger aus unbekannten Gründen in seiner Wohnung so laut randaliert, dass Nachbarn die Polizei verständigten. Noch bevor sich die Beamten nach dem Sachverhalt erkundigen konnten, ging der junge Mann auf sie los, teilte Faustschläge und Tritte gegen den Kopf aus. Auch den Dienstwagen beschädigte er. Die Beamten setzten hier die Bodycam ein, wie Roland Ast von der Weidener Polizei auf Anfrage bestätigte. Den gewünschten deeskalierenden Effekt hatte sie in diesem Fall nicht, doch in dem nun anstehenden Gerichtsverfahren kann das Video als Beweismittel verwendet werden.

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