Regensburg
05.02.2021 - 09:05 Uhr

Corona-Lage in der Oberpfalz: Dunkle Zonen und eine grüne Insel

Auf der Corona-Karte der Oberpfalz zeigt sich dieser Tage ein seltsames Farbenspiel: Neben roten und tiefroten Bereichen nahe der Grenze zu Tschechien zeigt sich die Bezirkshauptstadt als "Insel der Seeligen". Woran liegts?

Die Inzidenz-Werte für die Oberpfalz: Stand: 4. Februar 2021, 8 Uhr Bild: Quelle: Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit/www.lgl.bayern.de
Die Inzidenz-Werte für die Oberpfalz: Stand: 4. Februar 2021, 8 Uhr

Von Maximilian Falk, mit dpa

Blickt man dieser Tage auf die "Corona-Karte" des Landesgesundheitsamts, sticht ein einsamer grüner Fleck aus dem überwiegend roten Inzidenzwert-Meer hervor: Die Stadt Regensburg ist der einzige Ort in Bayern mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 35 - und damit auch den Nachbarlandkreisen teils deutlich voraus. Woran liegt das? Wir haben nachgefragt.

Den Zuständigen im Regensburger Raum ist die Vorsicht angesichts einer oft undurchsichtigen und instabilen Covid-19-Infektionslage im Gespräch deutlich anzumerken. Beim Gesundheitsamt des Landkreises will man sich jedenfalls noch nicht zu Jubelstürmen hinreißen lassen. "Welche Gründe im Einzelnen zu den derzeit niedrigen Inzidenzwerten in Stadt und Landkreis geführt haben, dazu gibt es keine repräsentativen Untersuchungen", erklärt Pressesprecher Hans Fichtl auf Anfrage. "Es gibt keine belastbare Datengrundlage."

Motto: Nicht hochmütig werden

Trotz der aktuell guten Zahlen mahnt Fichtl zur Vorsicht. "Der Landkreis-Inzidenzwert laut RKI liegt zwar heute bei 58,7", betont er. "Man muss aber grundsätzlich feststellen, dass Inzidenzwerte immer nur Momentaufnahmen sind, die sich auch sehr schnell wieder ändern können." Die Stadt Regensburg verweist auf Nachfrage ebenfalls darauf, dass sich die Situation rasch wieder "drehen" könne.

Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra betont aber auch: "Unser Kommunaler Ordnungsservice (KOS) und die Polizei zeigen in Regensburg Präsenz, informieren und kontrollieren mit Augenmaß." Man sei aber auch streng, "wenn Corona- Schutzregeln eindeutig missachtet werden." Professor Dr. Bernd Salzberger, Infektiologe am Regensburger Uniklinikum (UKR), sagt, es sei erfreulich, dass die Zahlen überall gut runtergehen. Dass Regensburg die magische 35 schon unterschritten hat, liege für ihn daran, dass die Domstadt schon mit relativ niedrigen Inzidenzwerten in die zweite Lockdownphase gestartet sei.

Den auffallend niedrigen Wert im Vergleich mit den Nachbarlandkreisen erklärt er sich vor allem mit der Grenznähe. "In grenznahen Landkreisen wie Cham kann man im Prinzip mit dem Finger darauf zeigen, dass der hohe Inzidenzwert hier mit den Pendlern zusammenhängt", sagt er. "Wenn in Tschechien die 7-Tages-Inzidenz konstant um die 500 liegt, dann hat das natürlich Auswirkungen."

Studenten daheim bei den Eltern

Selbiges gelte etwa auch für Augsburg, eine vergleichbar große bayerische Stadt mit dreimal so hohem Inzidenzwert. "Auch hier liegt man deutlich näher an den Grenzen zu Österreich und der Schweiz, zudem hat es in Augsburg in jüngster Zeit mehrere große Ausbrüche gegeben", erklärt der UKR-Infektiologe. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist für ihn aber die hohe Zahl an Studenten. "Da viele Studenten hier vielleicht nur einen Zweitwohnsitz angemeldet haben, werden sie, wenn sie sich infizieren, eben nicht hier, sondern an ihrem Erstwohnsitz als Covid-19-Infizierte gezählt", glaubt Salzberger.

Hinzu komme wohl, dass viele Studenten aktuell gar nicht in der Domstadt seien, da die Uni komplett digital ablaufe. "Die sind gerade vielleicht oft eher auf dem Land bei Mama als hier in der Zehner- WG." Eine hundertprozentige Festlegung auf Gründe für den niedrigen Inzidenzwert in der Domstadt traut sich aber auch der Infektiologe nicht zu. "Am Ende des Tages hat es ein Stück weit mit Glück zu tun."

Trotzdem wird es in der Stadt Regensburg vorerst keine Lockerungen der Maßnahmen nach der bayerischen Infektionsschutzverordnung geben. Man habe vom Freistaat das deutliche Signal erhalten, "dass wir die erforderliche Zustimmung derzeit nicht bekommen würden", erklärte Rechtsreferent Walter Boeckh am Donnerstag. Eine kleine Erleichterung werde es dennoch geben: Solange der Inzidenzwert unter 50 bleibe, werde bei der Kontrolle der Maskenpflicht in der Altstadt das sogenannte "Duldungsmodell" eingeführt. "Das heißt, man darf vorerst wieder alleine an der frischen Luft mit Abstand zu anderen Personen stehenbleiben und essen, trinken oder rauchen", heißt es von der Stadt.

 
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