Regensburg
21.02.2019 - 15:06 Uhr

Detektivin auf den Spuren der Kunst

Schwarze Schafe gibt es in vielen Museumsbeständen: Bilder, deren Besitzverhältnisse zur NS-Zeit aus den Fugen geraten sind. Provenienzforscherin Natascha Mazur geht der Sache im Kunstforum Ostdeutsche Galerie auf den Grund.

Natascha Mazur ist Provenienzforscherin und nimmt zunächst für ein Jahr rund 100 Gemälde des Kunstforums Ostdeutsche Galerie unter die Lupe. Bild: Susanne Wolke
Natascha Mazur ist Provenienzforscherin und nimmt zunächst für ein Jahr rund 100 Gemälde des Kunstforums Ostdeutsche Galerie unter die Lupe.

Mazur hat nicht zu viele Krimis geguckt. Aber die junge Kunsthistorikerin hat ziemlich früh einen neuen Trend erkannt. Schon während ihres Studiums in München begann sie mit einer Art kunsthistorischer Detektivarbeit. Sie hat sich der "Provenienzforschung" gewidmet.

Geschichte offenlegen

Soll heißen: Wenn es darum geht, der genauen Herkunft eines Museumsstücks auf den Grund zu gehen, dann sind Wissenschaftler wie Natascha Mazur an der Reihe. Und das kommt derzeit immer häufiger vor. Offiziell sind die Museen landauf landab nun dazu angehalten, die Geschichte ihrer Bestände offenzulegen. Gute Arbeitsbedingungen für Provenienzforscher wie Natascha Mazur. Erster Einsatzort der jungen "Kunstdetektivin": das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg.

"Das Kunstforum startet eine systematische Erforschung der Provenienz seiner Sammlung", heißt es dort. Dass das Projekt vom "Deutschen Zentrum Kulturverluste" gefördert wird, steht für den Gedanken hinter der Sache: Nicht immer ging es beim Kunsterwerb mit rechten Dingen zu. Ein Schwerpunkt der Forschung in Regensburg liegt auf der Zeit des Nationalsozialismus.

Dass es durch die korrekte Aufarbeitung der Besitzverhältnisse durchaus zur ein oder anderen Lücke in den eigenen Beständen kommen kann, nimmt Museumsleiterin Agnes Tieze dabei in Kauf. Im Gegenzug ergibt sich für das Haus sozusagen eine Reinwaschung - und zwar genau in die andere Richtung als zur NS-Zeit.

Geraubt und enteignet

"Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden unzählige Kulturgüter geraubt und enteignet und befinden sich heute nicht mehr im Besitz ihrer rechtmäßigen Eigentümer und deren Erben", ruft die Direktorin des Kunstforums in Erinnerung. Daraus ergibt sich: "Keine Sammlung, die schwerpunktmäßig nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, ist gegen problematische Provenienzen gewappnet."

Umso wichtiger sei daher eine transparente Untersuchung, ist sich Tieze bewusst. Diese Einsicht greift in Deutschland derzeit verstärkt um sich. Bereits 1998 hat die "Washingtoner Erklärung" beschlossen, NS-verfolgungsbedingtes Raubgut ausfindig zu machen und "faire und gerecht Lösungen" zu finden. In Deutschland kam nun, 20 Jahre später, vom Kulturstaatsministerium der Auftrag, "die Provenienzforschung weiter zu intensivieren".

Gut für Natascha Mazur. Als ehemals freiberufliche Provenienzforscherin bringt sie das entsprechende Know How ins Kunstforum. Mitarbeiter in den Bereichen Ausstellung, Technik, Restauration, Archiv und Presse bekommen das zu spüren. Denn Natascha Mazur schaut sich überall um: auf den Rückseiten von Bildern, wo sich oftmals Stempel, Aufkleber oder Beschriftungen befinden - rund 100 Gemälde sind der erste Block, der im Kunstforum unter die Lupe genommen wird. Sie forscht in Archivbeständen, in der Literatur, in Kaufverträgen, in Auktionskatalogen. Und im Internet. "Da eröffnen sich heute Möglichkeiten, die es vor 20 Jahren noch gar nicht gab", gibt Natascha Mazur Einblick in ihre Arbeitsweise.

Vorliebe fürs Aufspüren

"Die Kombination all dieser Informationen lässt im Optimalfall eine ,Provenienzkette' rekonstruieren", fährt die Kunsthistorikerin fort - also eine möglichst komplette Darstellung der Besitzverhältnisse des Kunstwerks. Idealerweise - denn oftmals wird das Rückverfolgen der Geschichte erschwert. Kriegsverluste und große Zeitspannen seit der Entstehung der einzelnen Werke nehmen in der Regel keine Rücksicht auf eine durchsichtige Quellenlage.

Natascha Mazur sieht dies als reizvolle Herausforderung. Mit ihren 29 Jahren kann die junge Wissenschaftlerin schon eine beachtliche Beteiligung an verschiedenen Projekten und Ausstellungen zum Thema vorweisen. Eine gewisse Vorliebe fürs Aufspüren von Geheimnissen gehört dabei natürlich dazu. Natascha Mazur hat nicht zu viele Krimis geguckt. Aber sie hat eine Leidenschaft für Detektivarbeit.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.