13.11.2019 - 18:24 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Die Deutschen sind Barzahler

Wie sieht der Zahlungsverkehr der Zukunft aus? Diese Frage scheint zu interessieren. Zu einer entsprechenden Veranstaltung der Bundesbank-Filiale Regensburg kamen am Dienstagabend Hunderte Besucher ins Marinaforum.

Dirk Schrade, Experte für Zahlungsverkehr bei der Bundesbank, sprach bei der Veranstaltung „Kontaktlos mit Karte oder digital mit Bitcoin & Co“ in Regensburg.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Fest steht: Der Zahlungsverkehr ist längst nicht mehr nur Thema für die Banken. Google, Amazon und viele andere Firmen suchen nach Geschäftsmodellen.

Schnell und möglichst bequem soll die Zahlung ablaufen – und natürlich auch sicher. Dirk Schrade führte durch das weite Feld der digitalisierten Zahlungsmöglichkeiten. Krawatte und Sakko streifte der stellvertretende Leiter des Zentralbereichs Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme der Deutschen Bundesbank nach fünf Minuten plakativ ab. Die Botschaft: Konservative Dresscodes passen nicht mehr unbedingt in die Welt des digitalisierten Bezahlens.

Neue Entwicklungen erfordern neue Bezahllösungen, sagte Schrade. Wenn etwa künftig immer mehr Elektroautos an Ladesäulen Strom zapfen, müsse es dafür ein einheitliches, möglichst einfaches Bezahlsystem geben. Noch aber zahlen die Deutschen im internationalen Vergleich recht altmodisch: „50 Prozent der Umsätze werden bar bezahlt.“ Der Anteil gehe jährlich um etwa ein Prozent zurück. Kartenzahlung – und dabei vor allem die kontaktlose Variante – sei auf dem Vormarsch. Der Vorteil der kontaktlosen Karte: Die Zahlung ist nach ein, zwei Sekunden abgewickelt, die Pin-Eingabe meist erst ab 25 Euro nötig.

In Schweden etwa sei man beim bargeldlosen Zahlungsverkehr sehr viel weiter, sagte Schrade. Dort gebe es mittlerweile Überlegungen, ein „digitales Bargeld“ einzuführen, die E-Krona. Facebook plant derweil zusammen mit Partnern die digitale Währung „Libra“. Hier wird der Wert in echter Währung hinterlegt – deshalb räumt Schrade Libra mehr Chancen ein als dem viel diskutierten Kryptogeld Bitcoin.

Auch beim Einkaufen im Internet halten viele Deutsche noch an herkömmlichen Zahlungsmethoden wie Vorauskasse oder Rechnung fest. Doch beide Möglichkeiten haben Nachteile: Einmal muss der Kunde in Vorleistung gehen, einmal muss der Händler vertrauen, dass der Kunde auch wirklich zahlt. Die Mehrheit der Online-Shopper nutzt deshalb Verfahren wie Paypal, Sofort oder Paydirekt. Absoluter Marktführer ist Paypal. Schrade zeigte an diesem Beispiel auf, wie schwierig es für Nachzügler ist, sich auf dem Markt zu etablieren. Deutsche Banken und Sparkassen gründeten 2015 Paydirekt – und erreichen bis heute viel weniger Kunden als Paypal.

Um in den Markt einzudringen, brauche es eine große Kooperationsbereitschaft unter den Anbietern, zeigte Schrade am Beispiel „Kwitt“ auf. Das mobile Bezahlsystem wird von Sparkassen, Raiffeisenbanken und einigen Privatbanken angeboten. Das Problem: Die Großbanken in Deutschland sind nicht dabei. „Innovationen müssen eine breite Erreichbarkeit leisten“, betonte Schrade. Extrem beschleunigt haben sich die Überweisungsverfahren. Früher galten drei Arbeitstage als Regel, seit 2012 muss das Geld am nächsten Arbeitstag ankommen. Seit 2017 gibt es die Option „Instant Pay“: In 10 Sekunden geht das Geld dann von Konto zu Konto. „Die Banken haben sich lange dagegen gesträubt“, sagte Schrade. Doch im digitalen Zeitalter dürfe man technologische Möglichkeiten nicht einfach so ungenutzt lassen. „Wenn Sie zu spät sind, sind Sie vielleicht ganz zu spät.“

Allerlei „FinTechs“ – Anbieter von Produkten, die mit Finanzen und Technologie zu tun haben – sind in den vergangenen Jahren entstanden. Doch bis auf Ausnahmen wie die erfolgreiche mobile Bank N26 täten sich viele Anbieter schwer, wirklich groß zu werden. „Sie haben nicht genügend Kunden, um die kritische Masse zu erreichen.“ Anders die „BigTechs“: Google, Apple, Facebook, Amazon, Alibaba und WeChat haben mittlerweile alle auch ein Pay-Angebot für den Zahlungsverkehr. Ihre Vision: eine globale Lifestyle-App, die der Nutzer im besten Fall gar nicht mehr verlässt – und natürlich auch für den Zahlungsverkehr verwendet.

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