Regensburg
05.05.2020 - 17:46 Uhr

Diakonat: Kein Amt für Frauen in der Kirche

Seit 22 Jahren wird am 29. April der „Tag der Diakonin“ begangen. Um das Projekt voranzutreiben, gibt es von katholischen Verbänden viele Vorstöße. Doch die Kirchenleitung bleibt ablehnend.

Karin Schlecht ist Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) in Regensburg. Bild: K. Schlecht
Karin Schlecht ist Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) in Regensburg.

Karin Schlecht ist Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) in Regensburg. Eigentlich müsste sie deprimiert sein an diesem 29. April, dem "Tag der Diakonin". Denn seit fast einem Vierteljahrhundert bemüht sich "ihr" Verband um eine Öffnung des Diakonats für Frauen. Und ebenso lang lehnt die Institution Kirche dieses Anliegen ab.

Die unterschiedlichen Haltungen der deutschen Bischöfe zu diesem Thema sind dabei durchaus bemerkenswert: Ihre Meinungen gehen von "dafür offen" über "nicht ausgeschlossen" bis hin zu einem klaren "Nein". Dieses klare "Nein" vertritt beispielsweise auch Bischof Rudolf Voderholzer aus dem Bistum Regensburg, der kein Befürworter des Diakonats der Frau ist und mit der Äußerung "Frauen sollten sich um wichtigere Ziele kümmern als um das Diakonat" in der Vergangenheit auch bei Frauen an der Basis auf Befremden stieß.

Vielfältige Aufgaben

Doch warum ist das Diakonatsamt für Frauen überhaupt wichtig? Eine Antwort darauf liefert bereits das Motto, unter dem dieses Jahr der Tag der Diakonin stand: "Gerecht". Karin Schlecht erklärt dazu ein bisschen ausführlicher: "Damit soll der Anspruch auf Gerechtigkeit und Gleichberechtigung in der Kirche thematisiert werden. Frauen leisten schon jetzt vielfältige Aufgaben im Gemeindeleben, im kirchlichen und auch im caritativen Bereich. Sie sorgen dafür, dass die Menschen Gottes Liebe erfahren können. Sie stehen den Menschen in Leid und Not bei."

Dann hält Schlecht kurz inne und fügt hinzu: "Da ist es doch nur gerecht, wenn für diese Frauen auch eine kirchliche Beauftragung in Form der Diakonatsweihe möglich wäre." Gerecht wäre, so die 59-Jährige, wenn Frauen am Altar als Verkünderinnen der frohen Botschaft sichtbarer werden und nicht nur wahrnehmbar sind in ihrer Rolle als Frauen, die sich um Blumenschmuck und Büroarbeit kümmern. Gerecht wäre das Diakonatsamt für Frauen auch als amtliches Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung. Und gerecht wäre, ganz allgemein gesprochen, wenn Ämter in gleicher Weise Männern und Frauen offenstehen.

Doch von dieser Form der Gerechtigkeit scheint die Kirche derzeit noch weit entfernt. Zwar werden vom Vatikan immer wieder Gremien und Ausschüsse beauftragt, sich dem Thema zu widmen, doch die Ergebnisse sind für die Befürworter des Frauendiakonats entmutigend. Als Argumente gegen das Diakonat der Frau nennt Papst Franziskus zum Beispiel: die Kirche könne die Offenbarung nicht verändern. Oder: Frauen sollen ihren Beitrag in der Kirche "auf eine eigene Weise leisten". In diesem Zusammenhang wendet sich Franziskus auch gegen eine "Klerikalisierung der Frauen". Letztendlich werden aber vor allem einseitige Fragestellungen hinsichtlich der Macht in der Kirche befürchtet.

Gemeinschaft vorgelebt

"Es ist schon wahr, uns Frauen wird immer wieder vorgeworfen, dass wir nach Macht streben. Das ist oft schwer auszuhalten. Uns wird der gute Wille abgesprochen", sagt die Diözesanvorsitzende auf die Machtfrage angesprochen. "Das ist frustrierend. Denn Jesus Christus hat keine Macht vorgelebt. Er hat Gemeinschaft vorgelebt. Wir wollen einen Beitrag zu dieser Gemeinschaft leisten, die weibliche Spiritualität wäre dabei eine Bereicherung der Kirche." Schlecht fügt dann allerdings einschränkend hinzu: "Aber in gewisser Hinsicht ist das Diakonat für Frauen natürlich trotzdem eine Machtfrage. Denn in der Kirche gibt es ein Machtgefüge, das von Männern gemacht ist. Und diese wollen ihre Macht nicht teilen."

Seit fast einem Vierteljahrhundert bemüht sich der KDFB für eine Öffnung des Diakonats für Frauen. Und ebenso lang lehnt die Institution Kirche dieses Anliegen ab. Bild: K. Schlecht
Seit fast einem Vierteljahrhundert bemüht sich der KDFB für eine Öffnung des Diakonats für Frauen. Und ebenso lang lehnt die Institution Kirche dieses Anliegen ab.

Nicht aufgeben

Herausfordernd für Karin Schlecht sind auch die vielfältigen Meinungen zum Thema Diakonat der Frau innerhalb des Verbands: Einerseits gibt es Mitglieder, "die uns fragen, warum wir so brav sind, warum wir nicht stärker aufbegehren, warum wir uns von der Kirchenleitung so viel gefallen lassen". Auf der anderen Seite melden sich manchmal auch Mitglieder, "die möchten, dass alles so bleibt wie bisher, die dem Verband vorwerfen, dass er sich gegen die Kirche stellt, dass er den Willen Gottes missachtet." Eine nicht immer einfache Gratwanderung, gibt die Diözesanvorsitzende zu.

Fast ein Vierteljahrhundert dauert nun schon das Engagement des Vereins für das Diakonat der Frauen. Aufgeben will Karin Schlecht auf keinen Fall. Sie wünscht sich, dass sich die Frauen auf ihrem Weg dorthin nicht entmutigen lassen und nicht resignieren. Sie hat nach wie vor Hoffnung. Und eine große Portion Gottvertrauen. Nämlich darauf, dass "er" in dieser Frage auf der Seite der Frauen steht.

Info:

Was macht ein Diakon?

Ständige Diakone dürfen unter anderem taufen, Wortgottesdienste leiten und predigen, auch in der Messfeier. Sie dürfen Trauungen leiten und beerdigen, nicht aber die Messe feiern oder Beichte hören. Derzeit gibt es in Deutschland knapp 3300 Ständige Diakone, weltweit rund 47 000 in 130 Ländern. (https://www.kirche-und-leben.de)

Info:

Tag der Diakonin

Gerecht: unter diesem Motto wurde der Gottesdienst anlässlich des Tages der Diakonin geplant, der am 29. April, am Gedenktag der Heiligen Katharina von Siena (1347-1380), begangen wird. Das Netzwerk Diakonat der Frau, katholische Frauenverbände wie der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) und die Katholischen Frauen Deutschlands (KFD) sowie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken erinnern damit jährlich an den Beschluss der Würzburger Synode von 1975, die sich eindeutig für den Diakonat der Frau ausgesprochen hat. (https://bistummainz.de)

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