08.11.2018 - 16:54 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

"Diese Bilder gehören gezeigt"

Leo Schötz und Lena Schabus steuern im Finanzamt Regensburg Kunst bei - und sorgen für Diskussionen

Lena Schabus präsentiert derzeit Beispiele ihrer „Bildcomposings“ im Finanzamt Regensburg.
von Susanne WolkeProfil

Eigentlich klingt die Sache ganz unaufgeregt: Das Finanzamt Regensburg veranstaltet in seinen Räumen Ausstellungen mit Malern oder Bildhauern aus der Umgebung. Regionale Kunst und die öffentliche Auseinandersetzung mit derselben sollen damit gleichermaßen gefördert werden. Ein hehres Ansinnen - das aber diesmal fast schon übers Ziel hinaus schoss.

Eine empört zischelnde Finanzamt-Belegschaft, ein beleidigter Künstler, Bilder, die zeitweise verkehrt herum, also mit der Schauseite nach hinten, an der Wand hingen und schließlich das böse Wort "entartete Kunst": Entartet ist die Präsentation von Leo Schötz im Regensburger Finanzamt sicherlich nicht. Wohl aber zeitweise etwas aus dem Ruder gelaufen.

"Kunst BeiSteuern" lautet der mehrdeutige Titel der Ausstellung im Finanzamt Regensburg. Auch Leo Schötz hat etwas übrig für Wortspiele. Den Titel seines Bildes "Der Vatikan beschließt die Schlachtung des Heiligen Geistes" kann er einleuchtend erklären: Angesichts der Missbrauchsskandale innerhalb der Kirche und der Haltung hoher Würdenträger demgegenüber entstand bei Schötz der Eindruck: "Die sind von allen guten Geistern verlassen."

Als er nun das daraufhin entstandene Bild gemeinsam mit weiteren Arbeiten seiner Serie "Riekofen" im Finanzamt aufhängen wollte, begann die angestrebte Auseinandersetzung des Publikums mit der Kunst schneller als gedacht. "Riekofen bei Nacht" etwa mit seinem monströsen Kirchturm in Phallusoptik sorgte bei den Mitarbeitern des Finanzamtes schon im Vorfeld der Schau für Unbehagen.

"Diese Bilder gehören gezeigt", hielt der Künstler entgegen. Im Grunde genommen aber belegen die gesellschaftskritische Konfrontation Leo Schötz' mit einem unbequemen Thema und die verschreckte Reaktion des Publikums das gleiche: Gewalt und Grausamkeit stoßen hier wie da auf Ablehnung.

Auf die Präsentation der Bilder konnte man sich letztendlich doch einigen. Leo Schötz ließ es sich aber nicht nehmen, zur Vernissage in einem provokativen T-Shirt zu erscheinen. "entartet - me too" war darauf zu lesen. Ein bisschen entartet also - die Diffamierung versteht der Künstler, der sich erklärtermaßen in Tradition der deutschen Expressionisten sieht, als Ritterschlag.

Lena Schabus kam im Finanzamt besser weg als Leo Schötz. Die Medienkünstlerin ist die zweite im Bunde bei der dort traditionell vom Kunst- und Gewerbeverein Regensburg zusammengestellten Ausstellung. Die öffentliche Absegnung ihrer "Bildcomposings" mag auch daher rühren, dass die pikantesten Elemente nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar sind. Dass etwa ein ästhetisch ansprechendes buntes Muster aus gespreizten Frauenbeinen in Netzstrümpfen zusammengefügt ist, hat sich hier in reine Abstraktion aufgelöst. Aus bestehenden Fotografien durch digitale Bildbearbeitung neue Realitäten zu schaffen, ist das Spezialgebiet von Lena Schabus. Architektur, Rauch und Wolkengebilde vermischt sie zu surrealen Welten: Raffinerien, Straßenzüge und die Regensburger Universität vereinigen sich zu unwirklichen Szenerien, die oftmals von einem unnatürlich farbigen Himmel überspannt sind. Die beunruhigende Mischung aus Hyperrealismus und irrealer Wiedergabe macht Lena Schabus zur würdigen Erbin der Surrealen. Die junge Künstlerin zählt derzeit zu den aufstrebenden ihrer Art in Regensburg.

Friedlich hängen die Bilder Lena Schabus' neben denen des in der Region etablierten, aber etwas sprerrigen Leo Schötz. Verteilt auf das Finanzamt wird die Ausstellung dort bis in den Februar hinein zwei Ziele verfolgen: Die Förderung regionaler Künstler. Und die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit damit.

___Die Ausstellung "Kunst beiSteuern" mit Arbeiten von Lena Schabus und Leo Schötz läuft bis 28. Februar 2019 zu den üblichen Öffnungszeiten im Besucheratrium und im Donauform des Finanzamts Regensburg, Galgenbergstraße 31.

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