19.03.2019 - 17:32 Uhr
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Drogendelikte in der Oberpfalz auf Höchststand

Mehr Drogendelikte, weniger Einbrüche: Der Sicherheitsbericht der Oberpfälzer Polizei deckt sich mit den Trend der bayernweiten Statistik. Einige Aspekte machen dem Polizeichef trotzdem Sorgen.

Den Sicherheitsbericht 2018 stellten (von links) Werner Schüssel, stellvertretender Leiter des Präsidialbüros, Polizeivizepräsident Thomas Schöniger, Polizeipräsident Gerold Mahlmeister und Robert Fuchs, Leitender Kriminaldirektor, vor.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Botschaft von Polizeipräsident Gerold Mahlmeister war klar und deutlich. Auch wenn die Zahl der Straftaten im Bezirk im vergangenen Jahr leicht angestiegen ist, gelte: „In der Oberpfalz können die Menschen ohne Furcht leben und sich sicher fühlen.“ Sorgen bereitet Mahlmeister die zunehmende Gewalt gegen die Polizei selbst.

44 795 Straftaten verzeichnete das Polizeipräsidium Oberpfalz 2018. Das sind 0,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Nicht mit eingerechnet sind dabei Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht. Über 68 Prozent der Fälle konnten aufgeklärt werden. Diese Quote liegt fast vier Prozent über dem Bayernschnitt. Mit rund 29 Prozent machten Diebstahlsdelikte den Löwenanteil unter den Straftaten aus. Die Zahl der Diebstähle ging im Vergleich zum Vorjahr aber um gut ein Prozent nach unten, freute sich Polizeivizepräsident Thomas Schöniger am Dienstag bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts 2018 in Regensburg. Gegenläufig sei die Zahl der Fahrraddiebstähle: Sie stieg um rund 23 Prozent.

Stolz zeigte sich Schöniger darüber, dass die Zahl der Einbrüche deutlich zurückging. Sie sank um fast 38 Prozent auf 251. „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Einbruchs zu werden, ist in der Oberpfalz so gering wie in keinem anderen bayerischen Regierungsbezirk“, sagte Schöniger. Er führt die Entwicklung unter anderem auf eine verstärkte Polizeipräsenz in den Wohngebieten zurück. Außerdem gebe es mittlerweile härtere Strafen für Einbrecher. Schöniger appellierte, an die Bevölkerung, bei ungewöhnlichen Wahrnehmungen nicht zu zögern, die 110 anzurufen. „Alle Hinweise werden ernst genommen“, betonte er.

Verschärft hat sich das Strafrecht auch auf dem Gebiet der Sexualdelikte. Darauf führt es Robert Fuchs, Leiter des Sachgebiets Kriminalitätsbekämpfung zurück, dass die Zahl der angezeigten Fälle um rund acht Prozent auf 704 gestiegen ist. Fuchs geht allerdings von einer noch deutlich höheren Dunkelziffer aus. Viele Opfer würden aus Scham oder wegen einer finanziellen Abhängigkeit vom Täter die Taten nicht anzeigen. Die Fälle häuslicher Gewalt gingen um fast drei Prozent auf 1395 zurück. Die Gewaltkriminalität insgesamt stieg um rund zwei Prozent auf 1547 Taten. Sechs Menschen wurden getötet, elf Mal blieb es bei einem Tötungsversuch.

Während die Zahl der deutschen Tatverdächtigen um 2,4 Prozent auf 14 465 sank, stieg die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen um 2,6 Prozent auf 6316 an. Einen Höchststand verzeichnete die Oberpfälzer Polizei mit 2091 tatverdächtigen Zuwanderern, die hauptsächlich aus Syrien und dem Irak stammten. Ein Großteil dieser Straftaten ereignete sich in Asylunterkünften, erklärte Fuchs. „In 96 Prozent der Fälle waren sowohl Täter als auch Opfer Zuwanderer.“

Besorgt blickt Polizeipräsident Mahlmeister auf die Rauschgiftkriminalität in der Oberpfalz. Zwar sei die Zahl der Drogentoten von 34 auf 26 zurückgegangen. Dennoch sei die Oberpfalz im Bayernvergleich übermäßig belastet. „Wir haben enorm viele Drogen am Markt.“ Fast zwei Drittel mache Cannabis aus, gefolgt von je zehn Prozent Amphetaminen und Crystal. Mit 4500 Drogendelikten verzeichnete die Oberpfälzer Polizei einen Höchststand in den vergangenen zehn Jahren. Mahlmeister wertete diesen Anstieg allerdings positiv, da er zeige, dass die Polizei viel kontrolliert habe.

Mit den „virtuellen Untiefen“ des Internets beschäftigten sich die 2017 neu geschaffenen Fachkommissariate für Cyberkriminalität. 724 teils sehr komplexe Fälle bearbeiteten die IT-Kriminalisten. Bei der politisch motivierten Kriminalität verzeichnete die Oberpfälzer Polizei 191 Fälle von „rechts“ und 93 Fälle von „links“. Ausländisch oder religiös motivierte Taten lagen jeweils im einstelligen Bereich. 207 Personen, fast 28 Prozent mehr als im Vorjahr, zählte die Polizei zur Reichsbürgerszene.

Ein verstärktes Augenmerk will Mahlmeister künftig auf die Sicherheit der Polizeibeamten selbst legen. Die Zahl der Gewalttaten gegen Polizisten habe 2017 mit 607 Fällen einen Höchststand erreicht. Sogenannte „Bodycams“ sollen bei Polizeieinsätzen künftig deeskalierend wirken. Die Kameras, die an der Uniform befestigt werden, können Einsätze in Bild und Ton aufzeichnen und sollen die Polizisten vor Übergriffen schützen.

Der Oberpfälzer Polizeipräsident Gerold Mahlmeister.
Polizeisprecher Albert Brück führte die neue „Bodycam“ vor.
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