30.11.2018 - 15:17 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

In der Dynamik beheimatet sein

Gisela Bender und Jürgen Huber unternehmen mit dem Buch "Rrrr" als Herausgeber den Versuch, herauszufinden, wer oder was Regensburg ist.

„Ich selber bin ja auch mal ein Weidener gewesen“, sagt Jürgen Huber, der heute Bürgermeister der Stadt Regensburg ist. Zusammen mit Verlegerin Gisela Bender hat er mit „Rrrr“ ein Regensburg-Lesebuch herausgegeben.
von Peter GeigerProfil

Jürgen Huber, Bürgermeister in Regensburg, hat gemeinsam mit Gisela Bender das Buch "Rrrr" (156 Seiten, 18 Euro, Giselaverlag) herausgegeben. Darin stellen die Herausgeber die Frage: Wer oder was ist Regensburg? Im Gespräch mit der Kulturredaktion versucht Jürgen Huber darauf Antworten zu finden.

Sie selbst sind ja nicht nur Künstler, sondern seit 2014 auch Bürgermeister der Stadt Regensburg. Steht es denn schon so ernst um die Frage, wer oder was Regensburg ist, dass sich die Stadtspitze selbst darum kümmern muss?

Jürgen Huber:Ich kümmerte mich zusammen mit meiner Frau privat um ein Buch, "Rrrr", das versucht das Selbstverständnis der Regensburger wieder einmal neu auszuleuchten. Oft wird das ja von Werbestrategen oder Journalisten, von PR-Fachleuten oder Alleinstellungsmerkmal-Suchern gemacht. Wir dagegen haben Künstler, Literaten befragt - und siehe da, ein anderer Blick auf sich selbst ist herausgekommen.

Die Frage nach dem Sein, die zielt ja eher auf etwas statisches. Aber ist nicht gerade Regensburg fast schon so etwas wie ein Synonym geworden, für den Wandel eines urbanen Raums?

Jürgen Huber: Ja, richtig, aber wird denn im öffentlichen Gespräch darüber konstruktiv geredet? Übrigens, die meisten attraktiven Städte, global sogar, wachsen, verändern sich also, sind dynamisch. Auch schrumpfende Gemeinden. Eigentlich gab es immer Wandel. Wir wollen gern darüber reden, wie man sich in der Dynamik verorten kann, wie man darin beheimatet sein kann.

Im gemeinsamen Vorwort von „Rrrr“ deuten Sie’s ja an: Es gibt einen Unterschied zwischen dem Regensburg, das jedermann von Postkarten kennt und dem, wie’s wirklich ist. Wie würden Sie denn selbst diese Differenz benennen?

Jürgen Huber: Ich liebe das Brücktor, die Steinerne und so weiter, aber mich hat als ich nach Regensburg kam beispielsweise die Architektur der Uni interessiert, die fand und finde ich großartig. Das wird aber kaum noch gesehen im Kultur-Erbe-Diskurs. Die Geschichte "Nischen" von Paul-Philipp Hanske holt zum Beispiel den Campus in eine exemplarische Diskussion, wie Heimat überhaupt entsteht, zurück.

Sie haben 13 Autoren gebeten, sich an ihrem Buchprojekt zu beteiligen. Wie ist das: Läuft so etwas völlig reibungslos ab? Oder ist das ein Prozess, der von Komplexitäten und Friktionen begleitet ist?

Jürgen Huber: Nein keine Friktionen, nur Gespräche. Wir haben als Herausgeber die Autoren ausgesucht und in der Zusammenstellung Vielfalt organisiert, dann haben wir nach dem Thema gefragt, aber als Literatur, nicht als Politik oder Werbetext. Wir wollten auch so etwas wie ein schönes Gespräch, eben gute Worte finden lassen. Alle erhaltenen Texte konnten wir nicht einbauen, aber die Autoren hatten andererseits alle Freiheiten, wie sie ihren jeweiligen Text (maximal 10 Seiten) gestalten.

Der Titel „Rrrr“ ist lautmalerisch und klingt zugleich ein bisserl aggressiv. Sie selbst sind ja ein Zugezogener in Regensburg und haben sich so vielleicht jene Kraft bewahrt, von außen auf die Stadt zu blicken. Hand aufs Herz: Wie grantig ist er denn tatsächlich, der Bewohner der Bezirkshauptstadt?

Jürgen Huber: Die Regensburger sind sehr selbstbewusst, das ist sehr gut so. Mit selbstbewussten Menschen kann man leichter etwas auf die Beine stellen. Es gibt aber, wie in jeder Stadt, auch Menschen, die destruktive Impulse haben. Grant ist in Bayern erlaubt. Unbotmässig sollte er nicht sein. Es sind ja Texte dabei, die genau das thematisieren, vielleicht wie Joseph Berlinger oder Barbara Krohn, aber auch vielleicht die eigenen Unsicherheiten thematisieren, wie bei Jürgen Schönleber?

Kann Weiden davon lernen?

Jürgen Huber: Jede Stadt ist anders, klar, aber warum? Vor allem weil andere Menschen darin leben und gelebt haben. Doch Fragen nach dem "wer bin ich, wie will ich leben", sind dann doch wieder überwiegend gleich. Das Buch ist ja keine Baubeschreibung, sondern fragt, wie man sich Orte aneignet, wie sie zu einem Weltmittelpunkt werden können. Das dürfte auch viele in Weiden interessieren. Ich selber bin ja auch mal ein Weidener gewesen. www.giselaverlag.de

Info:

Am Freitag, 7. Dezember (20 Uhr), stellen Gisela Bender und Jürgen Huber – im Gespräch mit Wolfgang Herzer – das Buch im Kunstverein Weiden (Ledererstraße 6) vor. Die Moderation übernimmt Stefan Voit, Kulturleiter Oberpfalz-Medien. Eintritt frei

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