06.06.2018 - 15:09 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Einladung zum Staunen

Fassade und Foyer des Bayern-Museums in Regensburg sind fertig. Die äußere Gestaltung gefällt den meisten Regensburgern nicht. Ein Blick in das Innere stimmt versöhnlich

Auch die Pickelhaube – mit Einschussloch – des bayerischen Soldaten Simon Gammels ist im Museum ausgestellt.
von Autor BDLProfil

Von Bettina Dostal Regensburg.Am Wochenende 9./10. Juni wird das neue Museum der Bayerischen Geschichte zum ersten Mal seine Türen für Besucher öffnen. Es ist nicht der offizielle Eröffnungstermin - der wird erst im Mai nächsten Jahres sein. Zum 100-jährigen Jubiläum des Freistaats soll es aber vorab einen Einblick in das imposante Foyer geben. In Betrieb ist dann auch das Panorama - eine Art 360-Grad-Kino. Auf das ist Kurator Richard Loibl besonders stolz. Der Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte ist für die Gesamtkonzeption des Hauses verantwortlich.

Samstag und Sonntag wird gefeiert: Das komplette Erdgeschoss istfür Besucher geöffnet; auch Ministerpräsident Markus Söder kommt zum Festakt. Pünktlich für diesen Termin wurden die Baugerüste abgebaut. Erst jetzt ist zu erkennen, wie der Museumsbau in seinem Umfeld wirkt und wie die Fassade wirklich aussieht. Die Architektur des Museumsgebäudes ist bei den Regensburgern umstritten. Viele empfinden den Bau als zu monumental.

Das Museum steht an einem der schönsten Plätze Regensburgs - an der Donaupromenade zwischen der königlichen Villa und dem Salzstadel. Es passt sich nicht in die Stadtkulisse ein, finden viele. Die Kritik wurde lauter, als die grauen Keramiklamellen an der Fassade angebracht wurden. Es half nicht, dass Architekt Stefan Traxler und der Leiter des staatlichen Bauamts, Peter Thumann, bei einer Informationsveranstaltung beteuerten, die Farbe sei einstimmig von einer Kommission ausgewählt worden. Der Sepiaton passe zum Mauerwerk der historischen Altstadt. Man solle erst einmal abwarten, bis das Gebäude fertig sei.

Ort mit Weite

Im Kontrast steht das helle, lichtdurchflutete Foyer. Jetzt ist es so weit: Die schwarze Folie wurde von den Fenstern entfernt. Die Struktur des Gebäudes wird sichtbar. Nach dem Abbau der Bauzäune und Container wird auch das großzügige Umfeld des Museums sichtbar. Der Vorplatz öffnet sich zur Donau hin. Hier wird es einen Biergarten unter Kastanien geben. Großzügige Stufen führen zur Uferpromenade. Dies soll ein Ort werden, an dem sich auch die Regensburger einmal gerne aufhalten.

Im Gegensatz zur äußeren Erscheinung steht auch das lichtdurchflutete Foyer, das eine Passage von der Altstadt zur Donau bietet. Es ist 19 Meter hoch, den Blick in den Himmel ermöglicht ein Rautenfenster. Das Foyer wird für Passanten offen sein. Ein Ort, der mit seiner Weite an eine Kathedrale erinnert. Hier beginnt der Besucher seine Museumstour.

200 Jahre Geschichte

In der Dauerausstellung im Obergeschoss wird er auf 2500 Quadratmetern durch die geschichtlichen Ereignisse der letzten 200 Jahre geführt. Er erfährt die kulturellen Besonderheiten der weißblauen Heimat und auch ihre landschaftliche Vielfalt, dargestellt auf 40 Bühnen und in sieben Kulturkabinetten. Authentische Exponate erzählen ihre persönliche Geschichte. Sie wurden größtenteils von Privatpersonen zur Verfügung gestellt. Auch dafür gab es anfangs Kritik. Loibl wurde belächelt, als er die Bevölkerung aufforderte, ihm persönliche Erinnerungstücke zu bringen. Es wurde von einer Rumpelkammer gesprochen.

Inzwischen steht das Museumskonzept. Loibl hat immer wieder Details verraten. Wichtiger Bestandteil sind die interaktiven Stationen, wie zum Beispiel das Spracherkennungsgerät, das Begriffe Dialekten zuordnen kann. Die bayerische Vielfalt wird mit allen Sinnen erlebbar. Die Ausstellungsstücke werden jetzt nach und nach in den frisch sanierten Österreicher-Stadel gleich neben dem Museum gebracht. Ab November halten die Exponate in die Dauerausstellung Einzug halten. Sein Lieblingsstück, so verrät Loibl, ist der Fluchtballon aus Naila, mit dem ehemalige DDR-Bürger nachts die Grenze überquerten und in die Freiheit gelangten. "Ein Stück Demokratiegeschichte", sagt Loibl.

Am Ende des Rundgangs steht der Blick durch das sogenannte "Domfenster", das eine Höhe von neun Metern hat und eine fantastische Aussicht auf Altstadt und Gotteshaus preisgibt.

Info:

Von der Idee bis zur Eröffnung

Dezember 2008:Ministerpräsident Horst Seehofer spricht zum ersten Mal über die Idee, ein Museum der Bayerischen Geschichte zu bauen.

Mai 2009:Der Bayerische Ministerrat beschließt die Errichtung eines neuen staatlichen Museums. Besonders soll das 19. und 20. Jahrhundert behandelt werden, Schwerpunkt liegt auf der Demokratie- und Kulturgeschichte Bayerns.
Dezember 2011: Im Landtag fällt die Entscheidung für den Standort auf dem Donaumarkt in Regensburg. Die Stadt verpflichtet sich, mit der Erschließung des Grundstücks und der Sanierung des Österreicher-Stadels, der als Depot dienen soll, in Vorleistung zu gehen.

2012 bis 2015: Auf dem Donaumarkt finden archäologische Grabungen statt.

April 2013: Aus 254 Bewerbungen sucht eine Jury den Gewinner des Architektenwettbewerbs aus. Es ist das Büro Woerner und Partner aus Frankfurt. Kein spektakulärer Entwurf, urteilt die Jury. Ein zu exponierter Bau wäre an dieser Stelle nicht möglich gewesen, sagt Planungsreferentin Christine Schimpfermann.

2013: Die Sammlung persönlicher Ausstellungsstücke in der Bevölkerung beginnt.

September 2014: Entscheidung für den "Goldenen Waller" vor dem Museum. Das Kunstwerk soll die Besucher begrüßen, die mit dem Schiff ankommen.

Mai 2015: Der Grundstein für das Museum wird von Ministerpräsident Seehofer gelegt. Das Haus der Bayerischen Geschichte präsentiert erstmals inhaltliche Konzepte.

Juni 2016: Richtfest. Die Rede hält Innenminister Joachim Herrmann. "Der größte Schatz Bayerns bekommt ein eigenes Museum: die Lebensleistung der Menschen in unserer Heimat", sagt er.

9./10. Juni: Das Museum öffnet sich zum ersten Mal für Besucher. Mit einem Museumsfest wird das Jubiläum 100 Jahre Freistaat gefeiert. (bdl)

Info:

Großes Fest

Am 9. und 10. Juni wird es unter dem Motto "Wir feiern Bayern" ein Festwochenende mit vielen Veranstaltungen geben. Bereits am Samstagabend wird das Foyer mit dem gesamten Erdgeschoss von 18 bis 20 Uhr erstmals geöffnet sein. Besucher können auch das 360-Grad-Panorama bewundern. Die Dauerausstellung wird in einer 3 D-Animation gezeigt. In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk beginnt am Samstagabend eine Show auf der Bühne an der Eisernen Brücke. Nach der Regensburger Nachwuchsband "Hadé" kommt die bayerische Popmusikerin Claudia Koreck. In der Nacht illuminiert der bekannte Lichtkünstler Philipp Geist den Museumsbau und das Welterbeensemble. Auch am Sonntagabend sind von ihm spannende Lichtinstallationen am Ufer der Donau zu erwarten. Zu einem Festakt wird Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kommen. Im Depot im Österreicher Stadel wird es verschiedene museumspädagogische Aktionen geben. Außerdem kann man Restauratoren über die Schulter blicken. (bdl)

Info:

Ein Brand verzögert die Bauarbeiten

Eigentlich sollte das Museum der Bayerischen Geschichte im Mai dieses Jahres zum 100. Geburtstag des Freistaates eröffnet werden. Doch ein Brand in der Bavariathek am 9. Juli des vergangenen Jahres machte einen Strich durch die Rechnung. Der Schaden war so groß, dass das Gebäude zurückgebaut werden musste. Rußpartikel waren durch die Kabelzugschächte auch in das Untergeschoss des Museumsgebäudes eingedrungen. Die Eröffnung, die für Mai 2018 geplant war, verzögert sich nun um ein Jahr.

Info:

Wichtiger Bestandteil der Dauerausstellung werden persönliche Exponate sein, die authentisch Ereignisse der Geschichte zeigen. So auch die Pickelhaube von Simon Gammels mit dem Einschussloch. Die Pickelhaube bayerischer Soldaten hatte vorne das Wappen des Königreichs Bayern mit dem Wahlspruch "In Treue fest." und an der linken Seite eine weiß-blaue Kokarde.Die erhaltene Uhr des bayerischen Königs Ludwig II. (1845 bis 1886) gilt als Indiz für den Todeszeitpunkt um 18.53 Uhr.

 

 

 

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