11.05.2020 - 16:37 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Engelstädter: „Enormer Einschnitt ins Künstlerleben“

Dem Sänger Markus Engelstädter fehlt die Bühne. Die freie Zeit während der Coronakrise nutzt der Künstler für ein privates Projekt.

Auf der Bühne wird man Markus Engelstädter - hier bei einem Auftritt im vergangenen Jahr - in nächster Zeit wohl nicht erleben können, dafür kann sich der Familienvater derzeit intensiv seinem Hausbau in Zessau widmen. .
von Holger Stiegler (STG)Profil

Seine großen „Queen“-Shows sind der Renner, genauso seine intim gehaltenen Auftritte unter dem Motto „One night to remember“ oder die Auftritte mit der „Golden Glitter Band“. Die Corona-Pandemie beschert dem Sänger Markus Engelstädter, der aus Pressath (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) stammt und (noch) in Regensburg lebt, allerdings eine musikalische Pause. Das bringt ihm zwar viel Zeit für den laufenden Hausbau in Zessau (bei Pressath), veranstaltungsmäßig hat er das Jahr 2020 allerdings fast schon abgehakt.

ONETZ: Wie sieht derzeit Ihr Alltag aus – ohne Konzerte, ohne Auftritte und ohne den direkten Kontakt mit dem Publikum?

Markus Engelstädter: Komplett anders als sonst. Ich baue derzeit ein Haus und da ist natürlich viel zu tun, das ist eine große Ablenkung von dieser außergewöhnlichen Situation. Derzeit bin ich aber am meisten damit beschäftigt, das komplette Konzertjahr um ein Jahr nach hinten zu verschieben und alles zu organisieren. 2020 existiert kulturell ehrlich gesagt nicht mehr. Traurig, aber wahr…

Auf der Bühne wird man Markus Engelstädter in nächster Zeit wohl nicht erleben können, dafür kann sich der Familienvater derzeit intensiv seinem Hausbau in Zessau - hier vor seinem künftigen Studio - widmen.

ONETZ: Sie sind ein Sänger, der aktuell nicht singen und auftreten darf. Ich denke, dass ist zweifach belastend: natürlich wirtschaftlich, aber vermutlich schlägt das auch etwas aufs Gemüt durch.

Absolut. Ich bin eigentlich immer ein sehr positiver Mensch, auch in dieser schwierigen Situation. Aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass es mir nichts ausmacht. Wenn man als Künstler nicht mehr das machen darf, was einen ausmacht – also auf der Bühne zu stehen, zu singen, auf Tour zu sein, mit Menschen in Kontakt zu sein und das Publikum bei einem Auftritt zu spüren – dann ist das schon ein enormer Einschnitt ins Künstlerleben. Es fehlt mir natürlich sehr…meinen Bandkollegen natürlich auch.

ONETZ: Wie bewerten Sie die wirtschaftlichen Hilfen, die es derzeit für Mitglieder der Kulturbranche gibt?

Es ist ein schwieriges Thema. Gerade wir in Bayern nennen uns ja Kulturstaat. Die wirtschaftlichen Hilfen reichen einfach derzeit nicht aus, es ist alles zu undurchsichtig. Man sollte sich immer um Kultur kümmern und sie fördern. Wir sollten alle einmal kapieren, dass man Kultur nicht nur einfach benutzen sollte, wenn es uns gut geht. Kultur gehört zu unserem Leben, ohne Kultur sind wir leere Hüllen. Viele meiner Freunde gehen derzeit unter und wissen nicht, wie sie die nächsten Monate überleben sollen. Das Problem in der Veranstaltungsbranche ist enorm, große Veranstaltungsfirmen gehen pleite, keiner weiß, wie es weitergehen soll. Ich werde das Jahr, denk ich, überstehen, auch wenn ich derzeit gar nichts bekomme. Nächstes Jahr werden die Karten neu gemischt und ich hoffe, wir können wieder auf der Bühne stehen.

ONETZ: Kann aus der aktuellen Krisensituation auch neue persönliche Kreativität erwachsen? Sie haben vor wenigen Wochen einen neuen Song veröffentlicht…

Ja, das kann es natürlich. Ich nehme derzeit ein paar Songs mit meinem Freund und Pianisten Bernd Meyer auf, jeder für sich zu Hause. Das gibt es dann in den Social-Media-Kanälen zu hören und zu sehen. Ich habe mir auch schon eine einsame Hütte im Wald ausgesucht, wo ich mich ein paar Tage einsperren werde, um endlich wieder eigene Songs zu schreiben. Ich bin selber gespannt, was da rauskommt. Vor wenigen Wochen habe ich eine A-capella-Version von „Just a Kiss“ der Country-Band Lady Antebellum aufgenommen. Tino Spieß (Produzent aus Regensburg) hat mich und Rebecca Horn, eine fantastische Sängerin, eingeladen, den Song einzusingen. Da durften wir uns alle noch sehen.

ONETZ: Großveranstaltungen fallen ja mindestens bis Ende August flach. Wie könnte nach Ihrer Vorstellung das kulturelle Leben wieder beginnen, welche Formate wären vorstellbar?

Ich gehe davon aus, dass 2020 komplett vorbei ist, was Livekonzerte angeht. Vielleicht ein paar Konzerte im Dezember, wenn wir Glück haben, aber wir wissen es nicht. Ich denke, es wird alles wieder langsam hochgefahren und kein Risiko eingegangen, was vernünftig ist. Aber ich befürchte, dass wir als Künstler die Letzten sein werden, die wieder ihren „normalen“ Alltag erleben dürfen. Ich musste Konzerte im November mit Orchester absagen, weil wir einfach nicht wissen, ob das Orchester nebeneinander sitzen darf ohne Sicherheitsabstand. Wir müssen geduldig sein und abwarten.

ONETZ: Welcher „Queen“-Song beschreibt die Situation derzeit am besten und warum? Ich persönlich schwanke zwischen „I’m going slightly mad“ und „The show must go on“…

Ja, das ist nicht abwegig und passt natürlich sehr gut. Ich tendiere aber zu „Don`t stop me now“, weil ich positiv in die Zukunft blicken will. Ich hoffe, wir können alle aus dieser Pandemie lernen. Ich wünsche mir für alle mehr Miteinander und Zufriedenheit. In dieser schwierigen Zeit merkt man doch erst wieder, dass es uns doch eigentlich wahnsinnig gut geht und wir unsere Freiheit haben.

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