26.02.2019 - 20:28 Uhr
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Erste Einblicke in die Synagoge

Am Mittwoch wird die neue Synagoge in Regensburg eingeweiht. Am Dienstag gab Ilse Danziger, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, erste Einblicke in das Gotteshaus.

von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Der Neubau der Synagoge in Regensburg glich am Dienstag einem Bienenstock. Überall stellten Fachleute letzte Arbeiten fertig, bevor das Gotteshaus am heutigen Mittwoch mit 300 Gästen feierlich eingeweiht wird. Der Bau im Herzen der Altstadt wirkt massiv und leicht zugleich und bietet der jüdischen Gemeinde rund 80 Jahre nach der Zerstörung der früheren Synagoge ein angemessenes Zentrum.

Das Gemeindeleben sei durch die beengten Verhältnisse in den nicht zerstörten Räumlichkeiten eingeschränkt gewesen, sagte Ilse Danziger am Dienstag bei einer Vorab-Besichtigung für Medienvertreter – zumal sich die Gemeinde durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion verzehnfacht habe. Das neue Haus biete alle Voraussetzungen für einen neuen Aufschwung, erklärte die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde.

Architektonisch habe der Bau verschiedene Herausforderungen beinhaltet, sagte Per Pedersen vom beauftragten Architekturbüro Staab aus Berlin. Die Synagoge sei mit einer für alle zugänglichen Bibliothek und großen Fenstern bewusst offen konzipiert worden. Aus Sicherheitsgründen sei das eigentliche Gemeindezentrum aber nur über eine Schleuse betretbar.

Die Fassade besteht aus hellem, vertikal gestellten Backstein, der Gebetsraum ist innen mit Hemlocktannen-Holz in Lamellenform vertäfelt und wirkt filigran. Die Synagoge, die in ihrem Bau dem orthodoxen Ritus folgt, bietet Platz für knapp 100 Männer im Gebetsraum - und rund 60 Frauen, die auf der Empore sitzen. Im Zentrum steht der Thoraschrein, in dem die drei Thorarollen der jüdischen Gemeinde aufbewahrt werden. Zum Zentrum gehören außerdem ein Gemeindesaal sowie verschiedene Räume für Kinder-, Jugend-, Bildungs- und Kulturarbeit sowie zwei Küchen für koschere Speisen. Den Eingang der Synagoge ziert ein goldfarbenes Metallband mit einem Gedicht der Lyrikerin Rose Ausländer. Neun Millionen Euro kostete der Neubau sowie die Sanierung des bestehenden Altbaus der Gemeinde.

Dieter Weber, Vorsitzender des Fördervereins „Neue Regensburger Synagoge“ erinnerte daran, dass die jüdische Gemeinde den Schutt der in der Reichspogromnacht 1938 zerstörten Synagoge selbst beseitigen musste und nach dem Zweiten Weltkrieg lediglich den leeren Platz und die verbliebenen Gebäude zurückbekam. Die Regensburger Stadtgesellschaft habe deshalb die Aufgabe gehabt, sich dafür einzusetzen, dass die jüdische Gemeinde wieder ein angemessenes Zentrum erhält. Knapp eine Million Euro seien für den Neubau gespendet worden.

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