23.05.2019 - 14:00 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Faszinierende französische Klavierkunst

Die Pianistin Hélène Grimaud präsentierte bei den Odeon Concerten eine ungewöhnliche Programm-Kompilation

Die Klangphilosophie der international renommierten Pianistin ist von der weichen französischen Sprache inspiriert. Ihr sensibel-elegantes Spiel ist geprägt von technischer Souveränität.
von Peter K. DonhauserProfil

Das Audimax bleibt an diesem Abend in gedämpftes Licht getaucht, kein Blumenschmuck, wie zufällig-beiläufig, mit beachtenswerter Bescheidenheit tritt Grimaud auf, setzt sich locker-lässig an den Flügel wie andere zum Schachturnier. Als schiene sie einfach ihren Gedanken und Empfindungen zu folgen, so selbstverständlich fließt die Musik durch ihre Finger in die Tasten. Mit licht und hell schimmernden Klängen geleitet sie uns wie zu einer Meditation mit Klavier, strahlt eine faszinierende Spannung ohne Anspannung aus.

Ungewöhnlich ist die Aneinanderreihung von 13 kürzeren zwei- bis dreiseitigen Stücken von Chopin, Debussy, Satie und Valentin Silvestrov, Jahrgang 1937. Die Abfolge der Komponisten ist bunt gemischt, ein Schulterschluss benachbarter Werke entsteht durch ähnliche Satzstrukturen, Tonarten oder Stimmungen, doch spielt keines der Stücke in gleißender Sommersonne.

Weg mit 13 Stationen

Den stilistisch ausstrahlenden Stern bildet der impressionistische Stil Claude Debussys. Flexibel wie Ähren im Wind die Tempi bei der Arabesque Nr. 1. Elegant, ohne Grübler-Stirn, ohne zu viel Eigenwille „La plus que lente“. „Clair de Lune“ scheint spukhafte Traumfiguren ins überraschend helle Mondlicht zu locken. Die Virtuosität bei Chopin mit leichter Hand hingestreut, nie selbstgefällig (Nocturne op. 72/1), mit weltentrückter Melancholie die Mazurka op. 17/4, in fatalistischer Tragik die Cello-Melodie im Walzer a-Moll op. 34/2. Mit feinsinnigem Gespür die in einfachstem Gewand daher schreitenden Werke von Satie mit ihren raffinierten, orientalisch anmutenden übermäßigen Sekundschritten: Gnossienne Nr. 4 und 1, die beiden „Pièces froides“. Zu ähnlicher Einfachheit hat sich auch Silvestrov bekehrt: Die beiden Bagatellen op. 1 sieht er als „unangestrengte stille Musik“. Das Potenzial ihrer sattsam strapazierten traditionellen Harmonien und Dreiklangs-Melodien wirkt allerdings doch schon recht ausgelaugt. Erschöpft scheint auch die Konzentration der Hörer nach diesem Marathon der 13 nahe zusammen gerückten Stücke, weniger wäre wohl mehr gewesen.

Schumann-Psychogramm

Geradezu einen Wettersturz gibt es mit den acht überragend souverän musizierten Stücken aus „Kreisleriana“ op. 16 von Robert Schumann, eine hochsubjektive Musik, deren extreme Kontraste Hélène Grimaud voll ausreizt. Hier geht es nicht wie vor der Pause um Eindrücke, die die Natur im Bewusstsein weckt, sondern um das vielschichtige Seelenleben Schumanns, der sich im Kapellmeister Kreisler von E. T. A. Hoffmann wieder findet. Innig und liebevoll, aber nicht sentimental die langsamen Partien. Düstere Dämonen werfen Schatten auf die Seele. Rasant und riskant das Fugato in Nr. 7, spritzig die Punktierungen, erst opulent schäumend, dann im tiefschwarzem Bassabgrund verlöschend Nr. 8. Die Fangemeinde feiert ihre Hélène, sie lohnt es mit drei delikaten Zugaben.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.