25.04.2019 - 08:11 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Firmenchef greift in Unternehmenskasse

Auch wenn ihm Mehrheit der Firma gehört: Einfach in die Kasse greifen, durfte ein Unternehmer aus der Region Regensburg nicht. Vor Gericht präsentierte der Mann eine Erklärung für seine Taten, die ihm eine Bewährungsstrafe nicht ersparte.

Prozess
von Autor AHSProfil

Ein Immobilienkaufmann aus dem Landkreis Regensburg musste 66 Jahre alt werden, um Bekanntschaft mit der Strafjustiz zu machen - dann aber richtig. Das Schöffengericht Regensburg verurteilte den Mann wegen gewerbsmäßiger Untreue in 46 Fällen und "normaler" Untreue in 66 Fällen zu einer "Kombi-Strafe" von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 160 Euro. Außerdem ordneten die Richter die Einziehung von 214 380 Euro an.

Der Angeklagte ist seit zwölf Jahren Geschäftsführer und Gesellschafter einer Immobilienfirma, die sich um rund 140 Wohneinheiten im westlichen Landkreis Regensburg kümmert. Bereits im Jahr 2015 zeigte ein Mitgesellschafter das Fehlen von exakt 529 158 Euro an. Seitdem ermittelte die Staatsanwaltschaft, im Dezember 2018 erhob sie Anklage.

Unfall als Ursache

Den Ermittlungen zufolge hob der Angeklagte innerhalb von zwei Jahren Beträge zwischen 80 und 20 000 Euro vom Firmenkonto für Privatzwecke ab. Insgesamt summierten sich diese Verfügungen auf 214 380 Euro. Im gleichen Zeitraum bedachte er eine Familie mit griechisch-österreichischer Staatsangehörigkeit mit Geldgeschenken von bis zu 18 010 Euro. Hier liegt der Gesamtschaden laut Gericht bei rund 314 000 Euro. Schon zu Prozessbeginn zogen sich die Beteiligten knapp eine Stunde zum Rechtsgespräch zurück. Dann gab Verteidiger Martin Hutzler eine Erklärung ab. Der Angeklagte räumte darin die Taten ein. Als Grund gab der Verteidiger einen Unfall an, bei dem sein Mandant 2009 ein Bein verloren hatte. Da sein Gehalt von 5000 Euro netto monatlich nicht mehr ausgereicht habe, hat er sich bei der Firma bedient.

Dubiose Angebote

Aus der Zeit stamme auch der Kontakt zu der Familie, die ihm Geschäftsbeteiligungen in Sofia und auf Malta in Aussicht gestellt habe. Da deren Vermögen jedoch in Österreich konfisziert war, habe er diese Familie unterstützt. Inzwischen stehe er mit einer englischen Firma in Vertragsverhandlungen, die kurz vor dem Abschluss stehen. Aus den hier zu erwartenden Provisionen werde er den Schaden in seiner Immobilienfirma wiedergutmachen.

Aufgrund des Rechtsgesprächs beschränkte sich der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag auf die ebenfalls abgesteckten Rechtsfolgen und forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie eine Geldstrafe von 320 Tagessätzen zu je 160 Euro. Der Verteidiger hielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten und eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen für angemessen.

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