Regensburg."Eine Künstlerfreundschaft" - das klingt nach vielversprechender Produktivität. Im Falle Ludwig Richters und Julius Schnorr von Carolsfelds, denen ab Sonntag eine gleichnamige Ausstellung in Regensburg gewidmet ist, eröffnet sich die beschworene Freundschaft der Nachwelt noch einmal aufs Neue.
In einer Kabinettausstellung zeigt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie das Verhältnis der beiden anhand eines konkreten Beispiels. "Ludwig Richter und Julius Schnorr von Carolsfeld - Eine Künstlerfreundschaft" lautet der Titel der kleinen Schau, die vor allem auch den kreativen Austausch ihrer beiden Protagonisten vor Augen führt.
Imposante Formation
Im Mittelpunkt steht ein Gemälde: Ludwig Richters "Frühlingsmorgen im Lauterbrunner Tal (Auszug der Sennen)" gehört zu den Vorzugsstücken der deutschen Romantik. Mit den imposanten Gebirgsformationen gliedert sich der 1803 in Dresden geborene und ebendort im Jahre 1884 verstorbene Ludwig Richter ein in die Reihe eines Caspar David Friedrich oder Joseph Anton Koch.
Rund 115 Jahre lang war das Gemälde verschollen. Erst vor wenigen Jahren wurde das Bild, das Ludwig Richter 1827 malte, wiederentdeckt - und bei diesem Anlass gründlich untersucht. Die kunstwissenschaftliche Erkenntnis in Zuge dessen: Die Hirten, die sich mit ihren Tieren pittoresk in einer sanften Hügellandschaft vor der mächtigen Bergkette gruppieren, befanden sich ursprünglich nicht in dieser Anordnung.Bleistiftlinien, die heute von Malschichten verdeckt sind, beweisen, dass Richter die Figurengruppe ursprünglich anders geplant hatte. Entdeckt wurde dies nun mittels einer Infrarotreflektografie. Zurückgegriffen hat der Künstler bei seinem ersten Entwurf auf eine Skizze seines Freundes Julius Schnorr von Carolsfeld (1794 bis 1872).
Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie zeichnet die Freundschaft der beiden Künstler nun auf. Dem Besucher eröffnet sich die Zusammenarbeit zwischen dem Landschaftsmaler und dem Figurenspezialisten im Zeichen eines in der Romantik vorherrschenden "Freundschaftskults".
Neue Erkenntnisse
Kennengelernt hatten sich die beiden in Rom im Umkreis der "Nazarener", einer deutschen Künstlerkolonie. Später führten beider Wege nach Dresden. Ludwig Richter war dort unter anderem Professor für Landschaftsmalerei, Julius Schnorr von Carolsfeld Direktor der Gemäldegalerie.
Die kleine Ausstellung im Kunstforum gewährt zunächst einen Blick in die modernen Möglichkeiten der Untersuchung von Kunstwerken. Zu sehen ist unter anderem die beweisführende Infrarotreflektografie. So kann die Entstehungsgeschichte des Gemäldes von den ersten Skizzen bis zur Fertigstellung nachverfolgt werden. Infolge der neuen Erkenntnisse ist der "Frühlingsmorgen im Lauterbrunner Tal" nicht nur eine Hommage an die Natur. Er gleicht auch einer Ode an die Freundschaft - an eine Künstlerfreundschaft.
Service
Die Ausstellung in Kunstforum Ostdeutsche Galerie (Dr.-Johann-Maier-Straße 5 in Regensburg) läuft bis 23. Juni. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr, an Feiertagen bis 17 Uhr. Geöffnet ist am Ostermontag und Pfingstmontag, geschlossen am Karfreitag und 1. Mai. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941 297140 oder unter www.kunstforum.net.













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