(gib) Immer mehr Kinder und Jugendliche essen mittags in den Schulen. Die Qualität stimmt dabei nicht immer. TV-Koch Stefan Marquard hat es sich zur Aufgabe gemacht, für gesundes Schulessen zu werben. Als er am Mittwoch an der Willi-Ulfig-Mittelschule in Regensburg kocht, werden auch Fisch und Gemüse in rauen Mengen gefuttert.
Kurz vor 12 Uhr wird Lena Lauer nervös. "Hoffentlich haben wir genug gekocht und bringen das Essen schnell genug auf die Teller", sagt die 14-jährige Schülerin. "Attacke", ruft da Sternekoch Stefan Marquard. "Jetzt schnell anrichten, und zwar schön." Es wird hektisch in der Küche der Schulmensa. Das Seelachsfilet muss aus dem Ofen, vorsichtig schaufelt Lena eine selbst gemachte Kräuterkruste drauf. Die Polenta-Schnitten werden angerichtet, das Wok-Gemüse nochmals abgeschmeckt.
Da stehen schon die ersten Schüler an der Essensausgabe. Roter Reis, buntes Gemüse, knuspriger Fisch, frischer Koriander landen auf den Tellern und machen schon beim Hinsehen Appetit - das Essen schmeckt dann auch hervorragend. Über 200 Kinder bekommen ein Schulessen, kreiert von Stefan Marquard. "Es geht darum, dass die Kinder was Vernünftiges auf den Teller bekommen", sagt der Kochprofi, der mit der Aktion "Sterneküche macht Schule" in Kooperation mit der Krankenkasse Knappschaft bereits 35 Schulen besucht hat. Überall trifft er auf viel Begeisterung für das Kochen und Lebensmittel. "Die Kinder und Jugendlichen haben Bock darauf."
Martquard wünscht sich, dass die Schüler regelmäßig in die Arbeit in der Schulküche einbezogen werden. "Damit die Kinder wieder das Kochen lernen." Teuer muss gesunde Ernährung ihm zufolge nicht sein. Nicht mehr als 1,70 Euro pro Kind kosten von ihm kreierte Schulessen.
Damit die Kochaktion keine Eintagsfliege bleibt, bekommt das Küchenteam der Willi-Ulfig-Mittelschule am Nachmittag eine eigene Schulung - und hat künftig Zugang zu allen Rezepten von Marquard. Schulleiter Rainer Lacler spricht von einem Höhepunkt im Schuljahr. 75 Schüler wollten mitkochen, doch nur 24 passten in die Küche. Dass das Kochen in den Familien teils keine große Rolle mehr spielt, merkt Lacler an Schulfesten: Immer häufiger werde da nicht selbst gebackener Kuchen, sondern eine Fertigtorte aus dem Supermarkt mitgebracht.
Die Schule will dagegenhalten: Erst im vergangenen Jahr wurde die neue Mensa eröffnet, die sich die Willi-Ulfig-Mittelschule mit zwei angrenzenden Schulen teilt. Hier wird ausschließlich mit Bioprodukten frisch gekocht, die Essensräume sind freundlich und hell. Ein Leuchtturmprojekt - da sind sich alle Beteiligten einig. Durch die zunehmende Ganztagsbetreuung stellt sich an vielen Schulen die Frage, wie das Mittagessen gestaltet wird, erzählt Christina Apel von der Oberpfälzer Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Dass an den Schulen selbst gekocht wird und eine Mensa bereitsteht, sei leider die Ausnahme. Oft würden die Speisen fertig zubereitet geliefert und im Schulraum oder auf dem Gang gegessen.
Die Schüler im Küchendienst geben mittlerweile das Dessert aus, eine Joghurtspeise mit Aprikosenkompott und Nektarinen. Die Zusammensetzung des Nachtisches ist eher spontan zustande gekommen, er schmeckt aber lecker. "Super gemacht", lobt Marquard - und schreibt noch ein paar Autogramme auf die Kochschürzen der Schüler.













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