29.04.2021 - 16:59 Uhr
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Fünf Lüpertz-Fenster für Regensburg

Es ist ein Experiment: Künstler Markus Lüpertz will zu seinem 80. Geburtstag in Regensburg von ihm kreierte Gipsfiguren und Glaswerke neu zusammen präsentieren. Daneben soll er mehrere Fenster in der Kirche St. Ulrich dauerhaft gestalten.

Markus Lüpertz stellte seine Ausstellungspläne und sein Fensterprojekt in der Regensburger Kirche St. Ulrich vor.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Zur Domstadt hat der „Malerfürst“ schon länger einen besonderen Draht. In der Regensburger Galerie Art Affair stellte Lüpertz, einer der bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart, bereits mehrmals Werke aus. Für das Theater Regensburg gestaltete Lüpertz 2018 das Bühnenbild für eine Oper. Im selben Jahr sprach der Maler, Grafiker und Bildhauer beim Aschermittwoch der Künstler des Bistums Regensburg. Lüpertz und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer waren sich also bereits bekannt, als sie am Donnerstag in der profanierten Kirche St. Ulrich aufeinandertrafen.

Gemeinsam stellten der Künstler und der Bischof das Ausstellungsprojekt vor – und verstanden sich sichtlich gut. Voderholzer nannte Lüpertz in Anspielung an dessen Vornamen „einen der originellsten Evangelisten, den ich mir vorstellen kann“. Der Künstler bringe die Menschen dazu, genau hinzusehen. Er sei stolz, dass Lüpertz für die Ausstellung in Regensburg gewonnen werden konnte.

An der Ausstellungsumsetzung tüftelt Lüpertz derzeit noch, wie er verriet. Die Idee habe er schon einmal in einer Kirche in Italien verwirklichen wollen, daraus sei aber nichts geworden. Die fast 800 Jahre alte Ulrichkirche neben dem Dom sei aber ohnehin noch besser geeignet für das Projekt: Durch eine geschickte Platzierung und Beleuchtung von bunten Glasfenstern, die Lüpertz kreiert hat, will er eine Reihe seiner weißen Gipsfiguren farbig erscheinen lassen. „Es ist ein Experiment“, sagte der Künstler. „Ich hoffe, es wird so, wie ich mir das vorstelle.“

Die Ausstellung soll unter dem Namen „Der göttliche Funke II“ von 10. September bis 31. Oktober in St. Ulrich gezeigt werden, kündigte Maria Baumann, Leiterin der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg, an. Baumann sagte, sie hoffe, dass die Eröffnung im Herbst auch für den Neubeginn der Kultur nach Corona stehen werde.

„Ausstellungen sind Festtage für Künstler“, sagte Lüpertz. Denn ohne Betrachter existiere keine Kunst. „Deshalb machen wir uns auch so wichtig“, erklärte der zeitgenössische Künstler, der für sein exzentrisches Äußeres bekannt ist. Zum Termin in Regensburg erschien er im edlen Anzug, mit einem Gehstock mit Totenkopf-Motiv, dickem Ring und glänzenden Schuhen. „Das Werk wird erst vollendet, wenn es angeschaut wird.“ Er freue sich auf die Arbeit in St. Ulrich. Sich mit seiner Kunst gegenüber dem Ensemble des Kirchenbaus zu behaupten, sei für ihn eine spannende Aufgabe.

Lüpertz zog Parallelen zwischen Kirche und Kunst. Auch in der Kunst sei der Glaube sehr wichtig. Die Zeitgenossen müssten dem Künstler glauben, dass das, was er tut, ernst und gut ist. Wenn sie nur danach gingen, ob ihnen ein Werk gefällt, sei das problematisch. Die Bedeutung der bildenden Kunst werde immer mehr abgelöst durch eine Gesellschaft, die durch Kunst unterhalten werden wolle, kritisierte Lüpertz. „Es nimmt das, was bei den Menschen im Kopf passieren muss, weg.“

Neben der Ausstellung verfolgt Lüpertz ein weiteres Projekt in St. Ulrich. Er soll die Fenster auf der Westseite der Kirche neu mit farbigem Glas gestalten. Es handelt sich um ein Fenster in Rosettenform und vier schmale, gotische Fenster. Museumsleiterin Baumann sagte, mit den farbigen Fenstern kehre man zurück zur ursprünglichen Gestaltung der Gotik, in der die bunte Glasfenster typisch waren. Bis Anfang 2022 sollen die Fenster fertiggestellt werden, sagte Lüpertz. Er müsse dafür ja auch noch fit genug sein, fügte er schmunzelnd hinzu. An Schaffenskraft scheint es dem 80-Jährigen jedenfalls nicht zu fehlen.

Sie verstanden sich beim Pressetermin prächtig: Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und Künstler Markus Lüpertz. Lüpertz soll die oberen Fenster auf der Westseite der Kirche St. Ulrich (im Hintergrund) farbig gestalten.
HINTERGRUND:

Zur Person

  • Markus Lüpertz, geboren am 25. April 1941 im nordböhmischen Reichenberg, ist ein deutscher Maler, Grafiker und Bildhauer.
  • Er zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Gegenwart.
  • Von 1988 bis 2009 war Lüpertz Rektor an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf.
  • In der Presse wird der bekennende Katholik wegen seines exzentrischen Auftretens gerne zum modernen Malerfürsten stilisiert.
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