15.08.2019 - 12:47 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

"Gefahr für die Allgemeinheit"

2003 hat der Beschuldigte im Zustand der Schuldunfähigkeit seine Mutter getötet. Jetzt schickt ihn das Landgericht Regensburg erneut in die Psychiatrie. Der Landwirt aus dem Landkreis leidet unter Wahnvorstellungen.

Das Landgericht Regensburg schickt einen Landwirt aus dem Landkreis Cham erneut dauerhaft in die Forensische Psychiatrie.
von Externer BeitragProfil

(alf) Ein seit Jahren an einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie leidender Landwirt muss wieder in die Psychiatrie. Dies entschied die 5. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl. Dass bei ihm im Dezember vergangenen Jahres annähernd sieben Kilogramm Marihuana sichergestellt wurden hatte auf die Entscheidung keinen Einfluss.

Wie berichtet war der Beschuldigte im Dezember auffällig geworden. Er wälzte sich am Spätnachmittag zunächst auf der Straße. Dann kniete er mitten auf der Fahrbahn nieder und betete ein an einer Hauswand befestigtes Holzkreuz an. Schließlich ging er zum Fahrzeug einer jungen Frau, die durch sein Verhalten nicht weiterfahren konnte, riss den Seitenspiegel ab und versuchte, die Seitentüre zu öffnen. Die Fahrerin verriegelte die Tür rechtzeitig von innen. Anschließend fuhr sie zur nächsten Polizeistation und erstattete Anzeige.

Bei den Beamten war der Beschuldigte kein Unbekannter. Er hatte 2003 im Zustand der Schuldunfähigkeit seine Mutter getötet und war deshalb zu Sicherungsverwahrung in einer Forensischen Klinik verurteilt worden, wo er 2009 nach einer erfolgversprechenden Therapie unter Auflagen entlassen wurde. Seine Überwachung wurde 2016 eingestellt. Mit diesem Hintergrundwissen statteten die Beamten dem Beschuldigten noch am gleichen Tag einen Besuch ab. Sie entdeckten auf dem Heuboden einer Scheune abgeerntete und teils schon getrocknete Marihuanadolden mit einem Gesamtgewicht von fast sieben Kilogramm.

Bei seiner Festnahme zeigte sich der Beschuldigte psychisch auffällig. Einer BKH-Ärztin gegenüber mimte er einen Geistlichen und taufte sie. Auch vor dem Ermittlungsrichter sprach er von den zehn Geboten. Obwohl zwischenzeitlich wieder gut auf seine Medikamente eingestellt zeichnete er in der Forensik teufelsähnliche Bilder. Der vom Gericht bestellte psychiatrische Sachverständige kam in seinem Gutachten deshalb zu dem Ergebnis, dass beim Beschuldigten "der Wahn wieder ausgebrochen" ist. Er würde unter der wahnhaften Vorstellung leiden, dass alle ihn vergiften wollen. Deshalb empfahl er seine neuerliche Unterbringung.

Dieser Einschätzung schloss sich die Staatsanwaltschaft an. Verteidiger Jörg Meyer sprach sich für eine Aussetzung zur Bewährung aus, da der Beschuldigte medikamentös sehr gut eingestellt sei. Das Marihuana habe er zum Eigenverbrauch angebaut, um die Dosis und damit die Nebenwirkungen seiner Medikamente zu verringern. Inzwischen habe er eingesehen, "dass es ohne Chemie nicht geht". Diesem Antrag konnte die Strafkammer nicht entsprechen, das Verhalten des Beschuldigten sei "nicht einschätzbar". Der Drogenbesitz floss nicht ein, da sein Einverständnis zur Nachschau in verwirrtem Zustand gegeben worden war.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.