09.06.2019 - 17:09 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

„Wir haben Ihnen viel zu verdanken“

Bundesinnenminister Horst Seehofer lobt die Rolle der Heimatvertriebenen beim Sudetendeutschen Tag in Regensburg. Es ist ein besonderes Jahr für die Heimatvertriebenen.

Zwei, die sich verstehen: Bundesinnenminister Horst Seehofer und Bernd Posselt (Zweiter von links), eingerahmt von Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer (rechts) und Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (links).
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Vor 30 Jahren fiel der Eiserne Vorhang, so dass Ost und West sich wieder annähern konnten. Zum 70. Mal fand außerdem am vergangenen Wochenende der Sudetendeutsche Tag statt. Bewusst hatte man Regensburg als Patenstadt der Sudetendeutschen als Austragungsort gewählt.

„Ja zur Heimat im Herzen Europas“ lautetet der Titel der hochkarätig besetzten Festveranstaltung in der Donau-Arena am Samstagmittag. Und so glichen auch die Reden einem Appell, an der europäischen Idee festzuhalten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) richtete sich aber zunächst an die Sudetendeutschen selbst. „Dass wir heute in einer Demokratie und einem großartigen Rechtsstaat leben, verdanken wir zu einem ganz großen Teil den Sudetendeutschen“, sagte er. „Deshalb tragen Sie zu Recht den Titel ,Vierter Stamm Bayerns‘“. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Heimatvertriebenen viel zum Wiederaufbau Deutschlands beigetragen.

Die Sudetendeutschen seien den Bayern sehr ähnlich: „Sie sind Tiefwurzler, die sich nicht leicht umwerfen lassen und eine klare Haltung haben.“ Sie seien außerdem die Ersten gewesen, die nach bitteren Schicksalen wieder die Hand zur Versöhnung ausgestreckt hätten. Daran sollten sich auch die aktuellen Akteure der Weltpolitik ein Beispiel nehmen, meinte Seehofer mit Blick auf das derzeit schwierige Verhältnis sowohl zu den USA als auch zu Russland und die vielen Krisenherde. „Die einzige Antwort ist es, miteinander zu reden und Brücken zu bauen.“ Die europäische Integration sei die einzige richtige Reaktion auf das größte Trümmerfeld aller Zeiten, den Zweiten Weltkrieg, gewesen.

„Wir wollen nicht, dass Europa 30 Jahre nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs wieder in den ehemaligen Osten und Westen zerfällt“, betonte Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe. Vielmehr brauche es eine starke Mitte. Hier hätten die bayerische und die tschechische Politik sowie die sudetendeutsche Volksgruppe als natürliches Bindeglied eine wichtige Aufgabe. Posselt erinnerte an 2010, als Seehofer als erster bayerischer Ministerpräsident offiziell Prag besuchte. Die Reise sei ein Wagnis gewesen, habe aber eine deutliche Annäherung gebracht.

Entschieden sprach sich Posselt gegen Nationalismus und Extremismus aus. Er plädierte für offene Innengrenzen in Europa, befürwortete gleichzeitig aber den Ausbau der Außengrenzen. Verärgert zeigte er sich darüber, dass die Bahnverbindung von Bayern nach Tschechien weiterhin schlecht ist. „Wir sollten doch bitte in einer erträglichen Fahrtzeit zueinanderkommen.“ Es sei sein besonderer Wunsch gewesen, den 70. Sudetendeutschen Tag in Regensburg abzuhalten, sagte Posselt. Regensburg sei nicht nur die Patenstadt der Sudetendeutschen, sondern beherberge unter anderem auch das Sudentendeutsche Musikinstitut und die Universität, die ein Kompetenzzentrum für Mittel- und Osteuropa sei.

Sowohl Posselt als auch Seehofer betonten die christlichen Wurzeln Europas. „Wir sind offen gegenüber anderen Religionen, aber wir werden in Europa seit Jahrhunderten vom Christentum geprägt und das ist gut so“, sagte Seehofer. Offen zeigten sich beide für die Idee, den Sudetendeutschen Tag einmal in Tschechien abzuhalten. „Das wäre eine große Angelegenheit“, meinte Seehofer. Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) blickte nach München, wo im nächsten Jahr das neue Sudetendeutsche Museum eröffnen soll. Zusammen mit dem Haus des Deutschen Ostens und dem Sudetendeutschen Haus soll das neue Museum zum Zentrum für Kulturpflege deutscher Heimatvertriebenen werden.

Horst Seehofer beim Sudetendeutschen Tag in Regensburg.
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