23.02.2021 - 15:53 Uhr
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Historischer Tiefstand bei den Verkehrstoten in der Oberpfalz

Auf die Verkehrslage in der Oberpfalz hat sich die Corona-Pandemie im Jahr 2020 positiv ausgewirkt: Es gab weniger Unfälle und Tote. Eine Zahl bereitet der Polizei aber Sorgen: Auf den Landstraßen starben mehr Menschen als im Vorjahr.

Rettungskräfte sind zu einem Verkehrsunfall auf einer Landstraße bei Röckenricht (Kreis Amberg-Sulzbach) ausgerückt. Insgesamt verzeichnete die Polizei im Jahr 2020 weniger Unfälle und weniger Verkehrstote in der Oberpfalz, allerdings auch mehr tödliche Unfälle auf den Landstraßen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Thomas Schöniger begann mit guten Nachrichten. "Im vierten Jahr in Folge verzeichnen wir bei insgesamt sinkenden Unfallzahlen einen historischen Tiefstand bei den Verkehrstoten", sagte der Vizepräsident des Oberpfälzer Polizeipräsidiums am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Regensburg. Die Zahl der Unfälle sei 2020 um 17 Prozent auf etwa 31 000 gesunken. Im Lockdown im Frühjahr 2020 habe es sogar ein gutes Drittel weniger Verkehrsunfälle als im Vorjahr gegeben. Die Zahl der Unfalltoten sank im Gesamtjahr um 5 auf 47. Der häufigste Grund für Unfälle war erhöhte Geschwindigkeit. Eine besonders schwerwiegende Tempoüberschreitung stellte die Oberpfälzer Polizei auf einer Bundesstraße im Kreis Neumarkt fest: Ein Fahrer war dort mit 223 km/h unterwegs - erlaubt waren 100.

Insgesamt bildete das Verkehrsgeschehen auf den Landstraßen für die Polizei einen Schwerpunkt: Hier verzeichnete sie der 35 der insgesamt 47 Verkehrstoten. Im Vorjahr waren es 26. Auf den Landstraßen kämen sämtliche Verkehrsteilnehmer mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten zusammen, sagte Schöniger. Dazu kämen Wildunfälle.

Steigerung bei Motorradfahrern

Entgegen dem sonst rückläufigen Trend stieg auch bei den Motorradfahrern die Zahl der Verkehrstoten stark an, von 4 (2019) auf 15 - und das, obwohl die Zahl der Motorradunfälle insgesamt um 13,2 Prozent sank. "Runter vom Gas", mahnte Polizeivizepräsident Schöniger. "Kein Kick ist das eigene Leben und das Leben anderer wert." Er empfahl, insbesondere zum Saisonauftakt Fahrsicherheitstrainings wahrzunehmen.

In der Pandemie waren viele Menschen auf Fahrrädern oder Pedelecs unterwegs - in ihrer Freizeit oder auch auf dem Arbeitsweg, um Kontakte in Bus und Bahn zu vermeiden. Das wirkte sich auch auf die Polizeistatistik aus: Die Beamten verzeichneten in der Oberpfalz einen Anstieg bei den Fahrradunfällen um 2,6 Prozent - bei den Unfällen mit elektrisch betriebenen Pedelecs sogar um 44,2 Prozent. Fünf Radfahrer starben 2020 im Verkehr, davon zwei auf einem Pedelec.

Polizeirat Andreas Schieder appellierte an die Pedelec-Fahrer, sich mit den schnelleren und schwereren E-Rädern gut vertraut zu machen, bevor sie am Straßenverkehr teilnehmen.

Hohe Zahl von Unfallfluchten

Als Problem sieht die Polizei die weiter recht hohe Zahl von Fällen, in denen Menschen Unfallflucht begehen. Zwar sei die Zahl der Fälle 2020 um 18,9 Prozent auf etwa 4800 zurückgegangen. Dennoch sei der Schaden mit 249 Verletzten und 9,2 Millionen Sachschaden groß gewesen.

Wenn nach einem Unfall, etwa beim Einparken, der Geschädigte nicht erreichbar sei, müsse auch bei leichten Schäden umgehend die Polizei gerufen werden, sagte Schieder. "Ein Anruf erspart eine Anzeige und viel Ärger. Ihre Polizei und die Geschädigten danken es Ihnen."

Der Oberpfälzer Polizeivizepräsident Thomas Schöniger (rechts) und Polizeirat Andreas Schieder stellten am Dienstag das Verkehrslagebild 2020 vor.

Hier erfahrt ihr, wo die meisten Unfälle passieren

Amberg

„Runter vom Gas. Kein Kick ist das eigene Leben und das Leben anderer wert.“

Thomas Schöniger, Vizepräsident des Oberpfälzer Polizeipräsidiums

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