01.09.2019 - 18:38 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Homosexueller kämpft um sein Bleiberecht: Täglicher Protest vor dem Gericht

In Amberg demonstrierten am Wochenende Hunderte gegen die Diskriminierung Homosexueller. In Regensburger macht André P. dasselbe ganz alleine. Auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts reagiert der Russe mit radikalem Protest.

André Preece demonstriert vor dem Verwaltungsgericht in Regensburg. Weil dort eine Richterin zweifel an seiner Homosexualität äußerte und deswegen den Preeces Asylantrag ablehnte, ist der Russe seit MIttwoch im Hungerstreikt.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Weil ihm die Abschiebung droht, hat André P. am vergangenen Mittwoch einen Hungerstreik begonnen. Der Russe steht seither jeden Arbeitstag mit einem Schild vor dem Verwaltungsgericht, um auf seinen Fall aufmerksam zu machen. Ende Juli hatte das Gericht über seine Klage gegen einen Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) abgewiesen.

Vor vier Jahren war André P. mit seinem Partner nach Deutschland gekommen. Das Paar fühlte sich in Russland wegen seiner Homosexualität verfolgt. Nachdem das Bamf die Asylanträge abgelehnt hatte, entschied auch das Verwaltungsgericht gegen André P. Weil es auch keine Berufung zuließ, ist der 39-Jährige nun praktisch ausreisepflichtig.

Zuerst hatte der Quarteera e.V. über den Fall berichtet. In dem Verein haben sich russische Homo- und Transsexuelle in Deutschland zusammengeschlossen. Quarteera kritisiert besonders die Urteilsbegründung: Demnach habe die Richterin nicht infrage gestellt, dass Homosexuelle in Russland bedroht werden. Allerdings äußerte sie Zweifel an André Ps. Homosexualität. "Das obwohl André mehrere Fotos, Videos und Zeugenaussagen über seine Lebensgegebenheiten als Nachweis gebracht hat", meldet Quarteera.

Protest vor der Arbeit

Aus Angst vor der Abschiebung hat sich André P. nun zum Hungerstreik entschieden, nimmt seither nach eigener Aussage nur mehr Wasser zu sich. Vor der Arbeit bei der Post steht er von 7 bis 8.30 Uhr auf dem Regensburger Haidplatz am Eingang zum Gericht. Inzwischen mache sich der Hungerstreik körperlich bemerkbar. Am Freitag hatte er mit körperlicher Schwäche und Fieber zu kämpfen, berichtet André P. unserer Redaktion. "Heute geht es mir besser", erklärt André P am Samstag weiter. Dennoch werde er am Montag nach seinem Protest einen Arzt aufsuchen.

Schlechter stehe es um die Psyche. André P. fühlt sich im Stich gelassen, auch von seinem Anwalt. Dieser habe praktisch nichts für ihn getan. 2500 Euro habe der Jurist in den vergangenen drei Jahren von ihm und seinem Partner erhalten. "Zur Verhandlung ist er ohne Vorbereitung gekommen, hat kein einziges Mal das Wort für mich ergriffen", sagt André P. Freunde haben nun einen neuen Anwalt vermittelt. Dieser wolle das Urteil nochmals anfechten, die Erfolgsaussichten seien aber gering.

Neuer Antrag in Kanada

Sein Partner warte auf den Termin beim Verwaltungsgericht. Selbst wenn er Recht bekommen würde, wolle er nicht alleine in Deutschland bleiben, sagt André P. über den Mann, mit dem er seit 18 Jahren zusammenlebt. "Wir überlegen, einen Asylantrag in Kanada zu stellen." Die vergangenen drei Jahre habe er nur als Kampf mit den Behörden erlebt.

Sein Protest hat in den sozialen Medien für Aufmerksamkeit gesorgt. Ein Artikel des Schwulen-Magazins "Queer" wurde Hunderte Male geteilt. Neben anderen Politikern aus ganz Deutschland hat auch der Regensburger Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol reagiert: "Einen Nachweis erbringen, dass man schwul ist: Wie soll das denn funktionieren, liebes Gericht? Das klingt eher nach Absurdistan", schrieb der Grüne auf Twitter. Das Verwaltungsgericht rechtfertigt gegenüber der "Mittelbayerischen Zeitung" das Urteil, der Vortrag André Ps. sei für die Richterin nicht glaubhaft gewesen.

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