11.09.2020 - 18:20 Uhr
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Hygienekonzept für Züge: So sollen wieder mehr Passagiere einsteigen

Auf Hygiene und Sauberkeit liegt in Zeiten von Corona ein besonderer Fokus. Das gilt auch für den öffentlichen Nahverkehr. Ein „Vorzeigeschüler“ ist hier das Eisenbahnunternehmen Agilis mit Sitz in Regensburg.

90 Meter lang ist die Waschstraße, in der die Züge eines Regensburger Eisenbahnunternehmens von außen sauber gemacht werden. Das geschieht nachts.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Eisenbahnunternehmen haben mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Nach dem Einbruch der Fahrgästezahlen im Frühjahr fahren zwar wieder mehr Menschen mit der Bahn. Doch auf dem Niveau von Vor-Corona ist man noch längst nicht angekommen. Umso erfreuter waren die Teilnehmer am Ortstermin in der Regensburger Agilis-Werkstatt am Donnerstagnachmittag, dass es sich um einen positiven Anlass handelte.

Bärbel Fuchs, Geschäftsführerin der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), war nach Regensburg gereist, um den Agilis-Geschäftsführern Axel Henninghausen und Michael Vulpius persönlich die Urkunde über den ersten Platz im Service-Ranking 2019 zu überreichen. Die BEG plant, finanziert und kontrolliert den Schienenpersonennahverkehr in Bayern.

Seit vielen Jahren überprüft sie mit externen Testfahrern und Kundenbefragungen auch die Serviceleistungen der bayerischen Bahnnetze. Getestet werden unter anderem die Sauberkeit, die Fahrgastinformation, die Ausstattung und das Beschwerdemanagement. Durch die Tests sei die Qualität bei allen Anbietern in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, betonte Fuchs.

Bei Ranking ganz vorne

Die Agilis steche mit ihren Ergebnissen aber deutlich hervor. Das Netz Nord, das von Weiden bis ins oberfränkische Bad Steben reicht, führt seit acht Jahren das Service-Ranking der 31 bayerischen Bahnnetze an. Das Netz Mitte, welches das Gebiet von Passau bis Ulm umspannt, landete 2019 immerhin auf Platz fünf.

Einige Geheimnisse des Hygienekonzepts lüftete Geschäftsführer Henninghausen während der Werkstattführung. Alle 64 Agilis-Fahrzeuge werden nachts gereinigt, sagte er. Auch unterwegs werde immer wieder sauber gemacht: "Unsere Fahrzeuge fahren weniger als 300 Kilometer, bevor sie wieder gründlich gereinigt werden."

9600 Sitze reinigen

Beim Gang durch einen Zug deutete Henninghausen auf den Teppich im Eingangsbereich: Dieser fange den groben Schmutz an den Schuhen auf, so dass der Zug sauberer bleibt. Ein großer Mülleimer gleich neben der Eingangstüre sorge dafür, dass die Passagiere ihre Abfälle dort lassen. Und auch auf der Toilette gibt es eine Besonderheit: Es wird ausschließlich entkalktes Wasser verwendet, so dass keine Kalkränder entstehen.

Ein Mitarbeiter führte die Dampfreinigung der Sitze vor - regelmäßig werden alle 9600 Sitze bei 180 Grad so sauber gemacht. Und eine 90 Meter lange Waschstraße sorgt dafür, dass die Züge von außen glänzen. BEG-Geschäftsführerin Fuchs und Ministerialrat Stefan Schell von Bayerischen Verkehrsministerium zeigten sich beeindruckt. In Corona-Zeiten sei es umso wichtiger, dass sich die Fahrgäste darauf verlassen können, dass im Zug alles sauber ist, sagte Schell. Fuchs erklärte, sie sei zuversichtlich, dass besonders gute Service- und Hygienekonzepte auch wieder mehr Passagiere in die Züge locken werden.

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Waidhaus
Hintergrund:

Schienenverkehr in der Oberpfalz

Das Unternehmen Agilis betreibt im Auftrag des Freistaats zirka zehn Prozent des bayerischen Schienenpersonennahverkehrs in den Netzen Mitte (Regensburger Stern und entlang der Donau) und Nord (Oberfranken sowie Teile der Oberpfalz und Unterfrankens). Das teilt Agilis auf seiner Internetseite mit. Es beschäftige etwa 400 Mitarbeiter. Zudem gibt es die Länderbahn, die in der Oberpfalz mit der Oberpfalzbahn und dem Alex sowie in Oberfranken mit der Vogtlandbahn unterwegs ist. Zum Streckennetz der Oberpfalzbahn zählen laut deren Internetseite Linien im Bayerischen Wald rund um die Kreisstadt Cham, die Naabtallinien von Regensburg über Schwandorf nach Marktredwitz sowie von Marktredwitz ins tschechische Cheb gehören. (sfo)

Mit 180 Grad heißem Dampf werden die Agilis-Sitze regelmäßig gereinigt. Geschäftsführer Michael Vulpius machte sich ein Bild von der Arbeit.
BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs überreichte den Agilis-Geschäftsführern (von rechts) Michael Vulpius und Axel Henninghausen die Urkunde über den ersten Platz bei der Servicequalität. Stefan Schell (links) vom Bayerischen Verkehrsministerium gratulierte.
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