10.02.2021 - 16:18 Uhr
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Industrie fährt hoch, Krise im Handel

Aufgabe der Industrie- und Handelskammern (IHK) ist es, das wirtschaftliche Gesamtinteresse einer Region zu vertreten. Doch genau das fällt der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim in der Corona-Krise schwer. Die Branchen sind extrem unterschiedlich betroffen.

Jürgen Helmes und Sibylle Aumer stellten am Mittwoch den aktuellen IHK-Konjunkturbericht vor. Journalisten waren digital zugeschaltet.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

„Es findet eine gewaltige Spaltung der Branchen statt“, sagte IHK-Konjunkturexpertin Sibylle Aumer am Mittwoch bei einem Online-Pressegespräch. Vorgestellt wurden die Ergebnisse einer IHK-Umfrage bei 370 Unternehmen in der Region vom Januar. „Wir führen sehr emotionale Gespräche, die Situation der Unternehmer ist teils dramatisch“, berichtete Aumer.

Das größte Sorgenkind sei der Handel, wobei es auch hier große Unterschiede gebe zwischen Geschäften, die offen oder im Lockdown geschlossen sind. Die Hälfte der Einzelhändler in der Region meldete der IHK eine schlechte Geschäftslage, die auch vom erlaubten Abholsystem „Click and collect“ nicht abgefangen werden könne. Modegeschäfte könnten teils ihre vorbestellte Ware nicht mehr bezahlen, sagte Aumer.

Düster sieht es auch im Bereich Tourismus aus. 41 Prozent meldeten hier eine schlechte Liquidität, ein Drittel der Betriebe sieht sich von Insolvenz bedroht. Die Hotels und Restaurants würden versuchen, durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze zu unterhalten, doch zunehmend würden Mitarbeiter kündigen und in andere Branchen wechseln, berichtete Aumer. „Der Fachkräftemangel nach dem Lockdown könnte entsprechend hoch sein“, warnte sie.

Es gibt auch Lichtblicke: Seit Ende 2020 gewinne die Inlands- und Auslandsnachfrage in der Industrie wieder an Fahrt, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes. „Und dass die Baustellen nicht stillstehen, wirkt sich positiv auf die Geschäftslage im Bauwesen aus.“ In der Industrie sei eine leichte Belebung des Exportgeschäfts bereits seit dem vergangenen Herbst spürbar. Vor allem aus der Eurozone, China und der übrigen Asienregion seien die Aufträge angestiegen. Dass sich das Vertrauen in das internationale Geschäft wieder etwas festigt, zeigen auch die Planungen zu Auslandsinvestitionen: die Angaben dazu nähern sich dem Vorjahreswert aus 2020 vor der Pandemie.

Am deutlichsten spüren die Unternehmen laut IHK-Umfrage die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Wegbrechen von Aufträgen und durch starke Personalausfälle. Mitarbeiter bleiben der Arbeit überdurchschnittlich häufig fern – zum einen wegen eigenen Erkrankungen, zum anderen, weil sie in Quarantäne sind oder ihre Kinder betreuen müssen, deren Kitas und Schulen geschlossen sind. Nicht alles ist negativ: Elf Prozent der Unternehmen erklärten, sie hätten so viele Aufträge, dass ihre Kapazitäten nicht ausreichten, 13 Prozent berichteten von einem „Kreativitätsschub“ im Betrieb.

Problematisch sei, dass die vom Staat versprochenen Finanzhilfen nicht zügiger auf den Konten der betroffenen Unternehmen landen, kritisierte Helmes. Die Überbrückungshilfe III werde wohl erst ab Mitte Februar abgewickelt werden können. Die Unternehmen bräuchten außerdem dringend ein planbares Öffnungsszenario. "Die Perspektive fehlt." Vor Herausforderungen stehe die IHK bei der Abnahme der praktischen Prüfungen in den verschiedenen Ausbildungsberufen. Nachwuchs-Köche seien seit Wochen in keiner Küche mehr gestanden, junge Floristen nicht mehr im Blumenladen.

Sorgen bereitet Helmes auch die Zeit nach der Corona-Pandemie. Derzeit leere sich die Staatskasse ganz massiv. Der IHK-Geschäftsführer hofft, dass den gebeutelten Unternehmen nach dem überstandenen Krise keine Steuererhöhungen ins Haus stehen.

Info:

Zweite Welle trübt Stimmung der bayerischen Wirtschaft

München. (dpa) Die zweite Corona-Welle drückt die Stimmung in der bayerischen Wirtschaft. „Die andauernde und mit viel Unsicherheit belastete Pandemielage trübt die Erwartungen der Betriebe deutlich ein“, sagt der Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK), Eberhard Sasse. Als zentralen Weg aus der Krise fordert er daher: „Impfen, impfen, impfen“ und „testen, testen, testen“. Zudem bräuchten die betroffenen Branchen schnelle Hilfen des Staates und dürften nicht durch neue Auflagen oder Belastungen ausgebremst werden. Dabei sind allerdings nicht alle Branchen gleich betroffen. Während die Situation sich in der Industrie zuletzt tendenziell gebessert hat, ging es in Handel und bei den Dienstleistungen wieder nach unten. Auch die starke Baukonjunktur kühlt sich etwas ab. Am härtesten betroffen ist der Tourismussektor. Details zu den Ergebnissen seiner vierteljährlichen Konjunkturumfrage nennt der BIHK an diesem Mittwoch. © dpa-infocom, dpa:210210-99-374521/2

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