19.02.2020 - 16:47 Uhr
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Jahrelanger Terror nach "Liebes-Aus"

Ein 36-Jähriger lernt über eine Dating-Plattform seine angeblich große Liebe kennen. Groß war am Ende nur seine Hartnäckigkeit, die in Stalking mündete und in der Suche nach einem Kind, das nicht verschwunden war. Jetzt fiel das Urteil gegen den Mann.

Der verstoßene Liebhaber ließ nicht locker und verfolgte die Frau jahrelang.
von Autor AHSProfil

Ein heute 36-jähriger Maschinenbautechniker aus dem Landkreis Cham glaubte im Frühjahr 2014, über eine Internet-Plattform "die Liebe seines Lebens" kennengelernt zu haben. Doch diese Gefühle waren einseitig. Nach einem ersten Kennenlernen teilte ihm seine in Österreich lebende Angebetete per SMS mit, dass sie diese Bekanntschaft beende und keinerlei Kontakt mehr mit ihm wünsche. Doch der so verschmähte Verehrer wollte das nicht einsehen. Wegen Nachstellung musste sich der Mann jetzt vor der Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Fritz Kammerer verantworten. Da bei ihm eine schizophrene Psychose vom paranoiden Subtyp diagnostiziert worden war und er deshalb unter Betreuung steht, strebte die Staatsanwaltschaft seine unbefristete Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Allein 182 SMS und Whatsapp-Nachrichten in der Zeit zwischen dem September 2016 und Februar 2018 listete die Staatsanwaltschaft in ihrer Antrage auf, mit denen der Beschuldigte die junge Frau bombardierte, obwohl ihm bekannt war, dass diese einen Lebensgefährten und mit diesem ein Kind hat. Doch er war davon überzeugt, dass das Kind von ihm stammt. Deshalb nahm er per E-Mail im September 2016 Kontakt mit dem Arbeitgeber der Geschädigten auf und bat zunächst um Mitteilung, ob diese dort noch beschäftigt ist. Sechs Wochen später meldete er sich erneut auf dem gleichen Weg und darum, seiner Angebeteten und dem Sohn Grüße auszurichten.

Damit nicht genug: Im Februar 2018 schickte er eine E-Mail an die Landespolizeidirektion Steiermark, in der er eine "Vermisstenanzeige" nach seinem Sohn erstattete und bat gleichzeitig, ihm bei der Suche behilflich zu sein. Dieser Nachricht waren ein Bild des Kindes und eine Personenbeschreibung beigefügt. Das Foto hatte er zuvor aus einem Whatsapp-Profil der Verflossenen kopiert. Drei Wochen später meldete sich der Angeschuldigte bei der für die Frau zuständigen Gemeindeverwaltung der Marktgemeinde Kobenz und forderte diese auf, Kontakt mit der Geschädigten wegen des Kindes aufzunehmen. Dieses Ersuchen leitete die Verwaltung an die Polizei Knittelfeld weiter. Bereits am nächsten Tag fragte der Geschädigte dort nach, ob man das Kind gefunden hätte.

Das Verfahren gegen den Beschuldigten fand erstmals, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit, im Juli statt. Das hierzu eingeholte Sachverständigengutachten konnte die Strafkammer jedoch nicht überzeugen, weshalb ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben und der Prozess ausgesetzt wurde. Dieser Sachverständige kam zu der Überzeugung, dass bei der Gesamtwürdigung des Beschuldigten nicht davon auszugehen ist, dass dieser wegen seines Zustandes weitere erhebliche rechtswidrige Taten begehen wird und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist. Der Antrag auf Sicherungsverwahrung wurde deshalb abgelehnt. Zuvor hatten Staatsanwaltschaft und Verteidiger einen gleichlautenden Antrag gestellt.

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