24.05.2018 - 16:39 Uhr
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Junge Mütter ohne Namen

Zahl der vertraulichen Geburten in Bayern nimmt zu - Donum Vitae begleitet Frauen auf schwierigem Weg

Die Zahl der vertraulichen Geburten in Bayern nimmt zu. Dennoch betonen die Beratungsstellen von Donum Vitae auch die Bedeutung der Möglichkeit einer anonymen Geburt.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

(msh) Drei Kinder sind laut Donum Vitae 2017 in der Oberpfalz bei vertraulichen Geburten zur Welt gekommen. Sich für eine vertrauliche oder gar anonyme Geburt zu entscheiden kann verschiedenste Gründe haben: Familiäre Drucksituationen, religiöse Ansichten oder ungewollte Schwangerschaft. Der Verein Donum Vitae hilft den Betroffenen und arbeitet teilweise in einer Grauzone.

Seit 2014 ist die vertrauliche Geburt in Deutschland gesetzlich geregelt. Sie richtet sich an Frauen, die ihre Schwangerschaft aus verschiedenen Gründen geheim halten wollen. Donum Vitae begleitet die Frauen dabei. "Es geht darum völlig verzweifelten Menschen eine Option zu geben, und der Aussetzung von Neugeborenen oder gar Kindstötungen entgegen zu wirken", erklärt Doris Schiller, Leiterin der Beratungsstelle in Regensburg.

Anders als bei der anonymen Geburt stimmt bei der vertraulichen Geburt die Mutter zu, dass das Kind mit 16 Jahren deren Identität erfahren darf. 39 Kinder kamen seit 2014 in Bayern vertraulich zur Welt. 14 waren es 2017, davon drei in der Oberpfalz. "Die vertrauliche Geburt hat einen klaren rechtlichen Rahmen, dennoch glaube ich, dass die Möglichkeit der anonymen Geburt weiterhin brauchen", sagt Schiller.

Das betont auch Hilde Forst von Donum Vitae in Amberg: "Gewollt sind die anonymen Geburten vom Gesetzgeber nicht, aber wir bewegen uns hier in einer Grauzone. In manchen Fällen ist diese Option einfach notwendig." 93 anonyme Geburten hat der Verein in Bayern seit 1999 begleitet. Seit der Gesetzesänderung vor vier Jahren gab es 22 vertrauliche Geburten.

Für Donum Vitae geht es darum, dass die Frauen vor und nach der Geburt entsprechend versorgt sind. "Welchen Weg sie wählt oder in welchem Rahmen die Frau ihr Kind bekommt, entscheidet sie selbst. Wir begleiten sie und können in Amberg zum Beispiel auch für eine Unterbringung sorgen", erklärt Forst.

Insgesamt 16 Frauen, die Donum Vitae seit 1999 betreut hat, haben ihre Anonymität aufgegeben oder einen Weg gefunden mit ihrem Kind zu leben. "Wir begleiten die Frauen vor und nach der Geburt. Es ist möglich die Anonymität bereits vor der Geburt aufzugeben und spätestens auch noch ein Jahr danach", erklärt Forst. Denn nach der Geburt wird das Kind in die Obhut des Jugendamts übergeben und an Familien vermittelt. "Sollte sich eine Frau nach der Geburt entscheiden, dass sie es mit Unterstützung schafft, das Kind zu behalten, dann prüfen das Jugendamt und das Familiengericht den Fall", sagt Forst.

Die Herkunftsfrage sei für die Kinder natürlich wichtig. "Es ist möglich, dass die Mutter dem Kind anonym einen Brief schreibt oder ein Souvenir übergibt", erläutert Schiller. In besonders harten Fällen steht das Recht auf Wissen der eigenen Herkunft gegen den Wunsch der Mutter auf Anonymität.

Die meisten vertraulichen Geburten gab es den Angaben des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales zufolge im vergangenen Jahr in Oberfranken. Dort kamen sieben Kinder vertraulich zur Welt. Seit der Erfassung der Statistik 2014 kamen in der Oberpfalz acht Kinder bei vertraulichen Geburten zur Welt.

Trotz der Zunahme der vertraulichen Geburten in Bayern dürfte deren Anteil im Freistaat weiterhin deutlich unter dem deutschen Durchschnitt liegen. Das ergab eine Hochrechnung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Gründe dafür sind nicht zu erkennen, heißt es im Bericht.







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