29.08.2018 - 17:25 Uhr
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Die Katastrophe vom 17. August 1943

402 Tote nach 22 Minuten. Für Regensburg ist der 17. August 1943 eine Katastrophe. Der Luftangriff trifft auch die Arbeiter im Messerschmitt-Werk - die Werksleitung reagiert falsch. Warum, erläutert Peter Schmoll in seinem neuen Buch.

Ein Luftangriff auf Regensburg, fotografiert aus einem Flugzeug der Alliierten.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

(esa/exb) Die United States Army Air Force hatte drei Pläne für den Angriff auf Regensburg. Doch Nebel am Startflugplatz in England brachte die Vorbereitungen zuerst durcheinander. Aber Angriffsführer Colonel Curtis E. Le May hatte seine Piloten Blindstarts üben lassen.

Über Regensburg schien am 17. August 1943 die Sonne, als sich die Bomber näherten. Um 12.24 Uhr ertönte in der Stadt Fliegeralarm, um 12.42 Uhr fielen die ersten Bomben. Nach 22 Minuten Luftangriff: 402 Tote, 1800 Verletzte, unzählige zerstörte Gebäude, darunter die Messerschmitt-Werke. Captain John L. Latham saß in der Führungsmaschine und berichtete: "Nach einem stundenlangen Flug mit vielen Jägerattacken und Flakbeschuss musste ich mich jetzt voll auf den Zielanflug konzentrieren. Mein Adrenalin schoss förmlich in die Höhe. Als dann die Bomben im Ziel lagen, war ich total erleichtert, sehr müde, aber glücklich. Wir flogen eine Linkskurve, um die Lage und Wirkung der Bomben zu beobachten, bevor wir Richtung Alpen weiterflogen."

Am 17. August 1943 ereignete sich die größte Katastrophe, die Regensburg in seiner bisherigen Geschichte jemals getroffen hat. Unter den 402 Toten: mindestens 68 Lehrlinge des Messerschmitt-Werks in Prüfening, wo Militärflugzeuge produziert wurden. Ein schwarz-weiß Foto in Schmolls Buch zeigt die Lehrlinge stramm stehend bei einer Flugzeugtaufe zwei Tage vor dem Angriff. "Ein großer Teil der Lehrlinge war zwei Tage später nicht mehr am Leben. Man fand sie zerfetzt, erschlagen und verstümmelt unter den Trümmern", schreibt Schmoll.

Kaum Schutzmaßnahmen

Mit diesem Buch zum 75. Jahrestag möchte der Autor an die Opfer dieses Luftangriffs erinnern. Ein Blutbad, dass hätte verhindert werden können, findet Schmoll. Die Werkleitung der Messerschmitt GmbH Regensburg sei aber nicht im Stande gewesen, Konsequenzen aus dem Luftangriff auf die Wiener Neustädter Flugzeugwerke zu ziehen.

Bereits vier Tage vorher, am 13. August 1943, erfolgte ein erster Luftangriff auf das größte Flugzeugwerk im Großdeutschen Reich, auf die Flugzeugwerke in der Wiener Neustadt. Die Folge waren 181 Tote und 850 Verletzte sowie schwere Schäden an den Produktionshallen. Die Auswirkungen dieses Luftangriffs waren der Leitung des Messerschmitt-Werks in Regensburg bekannt. Dennoch wurde an den Luftschutzmaßnahmen nichts geändert.

Unveröffentlichtes Material

Eine Evakuierung der Mitarbeiter in Prüfening bei Luftalarm wurde nicht erwogen. Die gesamte Belegschaft musste sich bei Alarm im Werkgelände aufhalten, die Werktore wurden sogar geschlossen. Man vertraute lieber auf die vorhandenen Luftschutzräume und zum Teil offenen Splitterschutzgräben. In Regensburg durften die rund 4500 Mitarbeiter in den Mittagsstunden des 17. August, als die Luftschutzsirenen ertönten, das Werkgelände nicht verlassen und waren damit schutzlos den Bomben ausgeliefert.

Der Autor konnte nach Angaben des Verlags viele bisher unveröffentlichte Fotos, Dokumente und Zeitzeugenberichte von diesem verhängnisvollen Tag erhalten. Sie bilden die Grundlage zu dem Buch. Leider hat Schmoll in seinen Erläuterungen viele Abkürzungen benutzt, die zwar einmal erklärt werden, flüssiges Lesen dennoch erschweren.___Peter Schmoll: "Regensburg - Die Katastrophe vom 17. August 1943", 126 Seiten, 19,90 Euro, Battenberg-Gietl-Verlag.

Zum Autor:

Peter Schmoll, Jahrgang 1952, befasst sich seit 1973 mit der Firma Messerschmitt Flugzeugproduktion und dem Luftangriffe auf Regensburg. Anstoß dazu war ein Zeitungsartikel, der zum 30. Jahrestag des schweren Angriffs auf das Messerschmitt-Werk erschienen war. Seither hat er mehrere Bücher zu diesem Thema verfasst und hält regelmäßig Vorträge.

Warum die Katastrophe von Regensburg hätte verhindert werden können, erläutert Peter Schmoll in diesem Buch.

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