22.06.2020 - 19:06 Uhr
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Kommentar: Zwei alte Brüder und die Botschaft der Liebe

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Der Besuch des emeritierten Papstes Benedikt XVI.in Regensburg ist beendet. Es bleibt vor allem eines in Erinnerung, meint Hanna Gibbs.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. kommt am Flughafen München zu seinem Flugzeug.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil
Kommentar

Unabhängig davon, ob man gläubig ist oder nicht: Diese Begegnung zweier hochbetagter Brüder konnte einen nicht kalt lassen. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (93) und sein schwer kranker Bruder Georg Ratzinger (96) verbrachten nochmal einige wertvolle Stunden zusammen. Eigentlich hätten die beiden Kirchenmänner ihren gesamten Lebensabend zusammen in Regensburg verbringen wollen. Doch mit der Ernennung von Joseph Ratzinger zum Papst 2005 wurde ihnen dieser Wunsch verwehrt. Bezeichnend war damals die Reaktion von Georg Ratzinger. Er hatte sich „schockiert“ über die Papstwahl gezeigt, fürchtete, das Beisammensein mit seinem Bruder würde stark reduziert. Und so kam es, auch wenn Georg seinen Bruder regelmäßig in Rom besuchte.

Für Benedikt XVI. war die spontane Reise wohl auch ein Abschied von seiner bayerischen Heimat. Der Besuch in seinem ehemaligen Wohnhaus in Pentling und die Begegnung mit seinen früheren Nachbarn ließen den gebrechlichen Mann sichtlich aufleben. In der Regensburger Altstadt herrschte derweil Ausnahmezustand: Regelmäßig rollte ein Tross von Autos und Motorrädern von Sicherheitskräften durch die Gassen, wenn Benedikt vom Priesterseminar, wo er übernachtete, zum Haus seines Bruders gefahren wurde. Journalisten und Neugierige beobachteten die Fahrten. Trotz der großen medialen Aufmerksamkeit hatten die Brüder an Georg Ratzingers Krankenbett dann Zeit für sich. In diesem geschützten Rahmen konnten die unfreiwillig getrennten Brüder schlicht beisammen sein, die Gegenwart des anderen spüren: Eine Botschaft von Liebe und Zusammenhalt, die keine Predigt besser erzählen könnte.

Fünf Tag besuchte der emeritierte Papst Regensburg.

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