11.07.2018 - 16:47 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Das Kreuz des Lebens im Mittelpunkt

Die Regensburger Minoritenkirche ist gepflastert mit Grabplatten und Epitaphien. Schädel grinsen von den Wänden, trauernde Skulpturen flankieren die Erinnerungstafeln der Verstorbenen vieler Jahrhunderte.

Im gotischen Kirchenraum und vor barocken Epitaphien stellen die Körper Lois Anvidalfareis die Frage nach der Würde des Menschen.
von Susanne WolkeProfil

Regensburg.Die Ausstellung des südtiroler Künstlers Lois Anvidalfarei jedenfalls, die hier aktuell zu sehen ist, findet in der Minoritenkirche einen passenden Rahmen. Nicht dass es bei den beunruhigenden Skulpturen des Künstlers nur ums Memento Mori geht. "Körper" lautet der schlichte Titel der Schau, die vor allem massige Bronzeskulpturen zeigt. "Die Lebensspanne zwischen Geburt und Tod" wird hier bildhauerisch dargestellt. Mit eindeutigem Fokus aber auf dem Kreuz des Lebens.

Zusammengekauerte Körper etwa können als Embryo ausgelegt werden - aber auch als gepeinigte Opferkreatur. Titel wie "Der Unbrauchbare" bestärken diesen Eindruck. Wobei das einsame Leid noch die sanftere Form ist, mit der Lois Anvidalfarei "die Frage stellt nach der Würde des Menschen".

Die Körper, die wie geschlachtete Schweine mit abgehacktem Rumpf an Gerüsten hängen, sind hart an der Grenze des guten Geschmacks. Eine Verschmelzung der Kreaturen assoziieren die Gliedmaßen der massigen Figuren: Sie schweben zwischen Hand, Pranke und Flosse.

Lois Anvidalfareis sowohl inhaltliche als auch ikonografische Verbindung zu traditionellen christlichen Themen filtert ebenso die tragischen Seiten menschlicher Existenz heraus. Eine "Versöhnungsgruppe" neben der "Pietà" allerdings setzt Zeichen in Richtung Vergebung - Anvidalfarei verbindet darin das Gleichnis des verlorenen Sohnes mit der Kreuzigung Christi.

Der künstlerische Hintergrund legitimiert die Krudheit der Darstellungen. Lois Anvidalfarei schuf unter anderem Arbeiten für Auschwitz. Die Gräuel in nationalsozialistischen Vernichtungslagern sind zwar nicht explizit Thema der Ausstellung in der Regensburger Minoritenkirche. Sie werden in dieser schonungslosen Schau aber geradezu heraufbeschworen.

In der Regensburger Minoritenkirche, die heute als Ausstellungsraum fürs Historische Museum dient, passen Anvidalfareis Körper ins Konzept. Bereits in der Vergangenheit stellte man dort ernste Arbeiten aus, auch zum Thema Holocaust. Das Kirchenschiff voller Grabsteine ist ein geeigneter Ort für Präsentationen mit mahnendem Hintergrund. www.regensburg.de/kultur

Info:

Service

Die Ausstellung „Lois Anvidalfarei – Körper“ läuft bis zum 4. November in der Minoritenkirche, Historisches Museum (Dachauplatz 2-4) in Regensburg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Am 15. August und am 3. Oktober ist das Haus ebenfalls geöffnet, am 1. November geschlossen. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 0941/507-2448.

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