04.08.2020 - 17:06 Uhr
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Künstlerin aus Langquaid: Millionen sehen ihre Illustrationen

Nina Schneider hat sich nach Umwegen ihren Berufstraum erfüllt. Ihr Stil: Klare Linien und wenig Farbe.

Illustratorin Nina Schneider hat es geschafft: Sie verdient ihr Geld mit ihrer Leidenschaft, der Kunst.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Sie hat den Schritt in die Freiberuflichkeit nie bereut: Nina Schneider arbeitet seit 2013 als selbstständige Illustratorin. Bevor sich die 35-Jährige ihren Berufstraum erfüllt hat, machte sie eine Ausbildung. Heute sehen Millionen ihre in Magazinen abgedruckten Illustrationen.

Schon immer wollte sie gerne etwas Gestalterisches machen. Doch Nina Schneider hatte Zweifel, ob sie mit einem künstlerischen Beruf ihr Leben finanzieren könnte. So absolvierte die gebürtige Mainburgerin (Kreis Kelheim) nach dem Abitur erstmal eine Ausbildung. Doch schon kurz nach dem Abschluss der Lehre gab sie ihrer Neigung nach und begann an der Uni Regensburg Kunst zu studieren. Während des Studiums stieß sie irgendwann auf den Beruf der Illustratorin. Die Vorstellung reizte sie - auch, weil sie die Möglichkeit sah, mit der Kunst Geld verdienen zu können.

Türöffner: "Apotheken-Umschau"

Der Anfang war nicht einfach. Nina Schneider musste nebenbei bei einer Werbeagentur und auch wieder als Augenoptikerin arbeiten, um sich über Wasser zu halten. Doch ihre Zielstrebigkeit und ihr Mut zahlten sich aus. 2015 - Nina Schneider hatte gerade ihr erstes Kind geboren - meldete sich die Redaktion der "Apotheken-Umschau" bei ihr. Man war auf ihre Illustrationen aufmerksam geworden - und auch ihr Hintergrund als Optikerin gefiel der Redaktion. Seitdem liefert Nina Schneider regelmäßig Illustrationen für die Ausgaben des Magazins - ihre Zeichnungen sind so einem riesigen Publikum bekannt. Die Apotheken-Umschau erreicht nach eigenen Angaben fast 20 Millionen Leser.

Der Auftrag war ein Türöffner. Es kamen immer neue Aufträge herein, die Qualität ihrer Arbeit sprach sich herum. Zu den Auftraggebern gehören verschiedene Magazine, der Verbraucherservice Bayern, ein Stromanbieter und ein Müslihersteller. Aber auch für Kunstprojekte wird Nina Schneider angefragt.

So steuerte sie jüngst Illustrationen für eine Dauerausstellung des Europäischen Parlaments im Jean-Monnet-Haus in der Nähe von Paris bei - ihr bislang größter Auftrag. Selbst gesehen hat sie die Ausstellung noch nicht - und das hat einen schönen Grund: Nina Schneider ist gerade zum zweiten Mal Mutter geworden. Zusammen mit ihrem Partner, einem Landschaftsmaler, teilt sie sich ein Atelier in Langquaid (Landkreis Kelheim) und die Aufgaben in der Familie.

Nina Schneiders freien Arbeiten sind fast immer schwarz-weiß, bei den Auftragsarbeiten wünschen sich die Kunden meist Farbe.

Keine lange Babypause

Als freiberufliche Illustratorin kann sie Familie und Beruf gut unter einen Hut bringen, sagt Nina Schneider. Eine lange Babypause plant sie nicht. Nach dem Mutterschutz will sie im September wieder Aufträge bearbeiten. Ihr Mann nimmt dann Elternzeit. Unter anderem soll sie für die Uni Würzburg ein pädagogisches Spiel für Schüler mit Förderbedarf illustrieren. Ihr Stil ist geradlinig, wiedererkennbar, die Farben meist gedeckt. "Ich habe den Stil nicht aktiv entwickelt, das hat sich mit der Zeit ergeben", erzählt Nina Schneider.

Zum Arbeiten legt sie sich Papier, Aquarellfarbe, Tuschestifte, Bleistifte und Pinsel zurecht. Wichtig ist auch ein Scanner: Bei Auftragsarbeiten malt und scannt sie die Elemente einzeln ein - und setzt sie am Bildschirm zusammen. So kann sie gewünschte Änderungen einfacher umsetzen. Ihre freien Arbeiten sind fast immer schwarz-weiß, das ist ihr am liebsten. Kunden wünschen sich aber oft Farbe. Künstlerisch spezialisiert hat sie sich auf kleinformatige Zeichnungen auf Notizzetteln. Anfang des Jahres waren die Werke ihrer Serie "Kleingezeichnet" in der Ausstellung "Tauziehen" in der Berliner Galerie Helle Coppi zu sehen.

Den Schritt in die Freiberuflichkeit hat sie nie bereut, sagt Nina Schneider. "Gerade jetzt mit Kindern ist das ideal, ich kann flexibel und von Zuhause aus arbeiten und bin rundum zufrieden." Zwei Träume hat sie noch: Für die Wochenzeitung "Die Zeit" würde sie gerne Illustrationen beisteuern. Und ein Kinderbuch würde sie gerne bebildern - auch, um es dann ihren eigenen Kindern vorzulesen.

Zur Person:
  • Nina Schneider ist 1985 in Mainburg geboren, nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung zur Augenoptikerin.
  • Sie schloss ein Studium B.A. Bildende Kunst und Medienwissenschaften an und war studentische Hilfskraft bei Prof. Dr. Birgit Eiglsperger am Institut für Kunsterziehung (Tätigkeitsfelder: Administration der Website des Instituts, Projekt-Dokumentation durch Foto und Video).
  • Seit 2013 ist sie freiberufliche Illustratorin. Sie illustriert unter anderem für Magazine, Flyer, Banner, Web, Bücher, Storyboard, auch großflächige Folien für Wände/ Vitrinen.
  • 2015 wurde die Redaktion der Apotheken-Umschau auf ihre Illustrationen aufmerksam.
  • 2019/20 wurden ihre Illustrationen unter dem Titel „Tauziehen“ in einer Einzelausstellung in der Galerie Helle Coppi in Berlin ausgestellt.
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